Axel Springer Kleine Interpretationshilfe für die "Erfolgszahlen" morgen

Mittwoch, 05. März 2014
Springer stellt am 6. März 2014 seine Bilanz für das vergangene Jahr vor
Springer stellt am 6. März 2014 seine Bilanz für das vergangene Jahr vor


Ganz Medien-Deutschland blickt morgen gespannt nach Berlin. Dann wird Axel Springer seine Bilanz für 2013 vorstellen. Zwei Ergebnisse schon jetzt vorab: Der Verlag dürfte in weniger Segmenten als bisher ein Erlösminus erleiden. Und trotz etlicher Verkäufe wird der Gesamtumsatz wohl leicht gestiegen sein. Ein Wunder? Nein, nur eine neue Bilanzierung.
Es war jedes Mal das gleiche unschöne Bild, in jedem Quartal, in jedem Jahr: Immer dann, wenn Axel Springer seine Geschäftszahlen verkündete, stachen neben dem dicken Umsatzplus im Digitalgeschäft (2012: 22 Prozent) latent unschöne Minuszahlen in den drei Segmenten Zeitungen National (-3,3 Prozent), Zeitschriften National (-3,9 Prozent) und Print International (-6,9 Prozent) ins Auge.

Umsatzrückgänge also in den drei Segmenten, in denen Axel Springer zuletzt noch über 60 Prozent seiner Umsätze erzielte - das ist keine schöne Story für Kunden, Mitarbeiter und Kapitalmarkt. Zumal das Digital-Plus mit wachsender Basis ja tendenziell kleiner wird, vor allem dann, wenn die Akquisitionen etwas nachlassen, die man bisher wie selbstverständlich addierte (die berühmten "Konsolidierungseffekte"), während Verkäufe nachträglich herausgerechnet werden (die berühmten "Bereinigungen um nicht fortgeführte Aktivitäten").

Wohl auch deshalb richtet Axel Springer seine Bilanzsegmentierung ab diesem Jahr "an der Erlösstruktur des Verlagsgeschäfts aus, die für die digitale Welt genauso gilt wie für die analoge" und berichtet seine Zahlen künftig unterteilt in:
--> Bezahlangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Leser/Nutzer refinanziert werden, also in Deutschland "Bild", "Welt" und die verbliebenen Zeitschriften in Print und Digital (inklusive der Werbeerlöse), aber auch etwa die Sport-App Runtastic;
--> Vermarktungsangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Werbekunden refinanziert werden, über Reichweiten- (in Deutschland etwa finanzen.net, Gofeminin, Idealo, Kaufda) und Performance-Modelle (Zanox, Digital Window);
--> Rubrikenangebote: Geschäftsmodelle, die überwiegend durch zahlende Stellen-, Immobilien- oder Autoanzeigenkunden refinanziert werden (in Deutschland etwa Stepstone, Immonet, Autohaus24, Meinestadt.de, plus internationale Portale).

Das Ergebnis des Zahlenzaubers: Springer meldet kein leidiges (Print-) Umsatzminus mehr. Wenn überhaupt, könnten höchstens die Bezahlangebote (die allerdings den Großteil der Gesamtumsätze ausmachen) einen leichten Erlösrückgang verbuchen - durch sinkende Vertriebsumsätze, weniger wegen der Werbeerlöse. Print/Digital lassen sich nicht mehr getrennt ersehen, da die (negativen) Print-Zahlen nun mit den (positiven) Digital-Werten vermischt sind.

Noch ein Wort zum Gesamtumsatz: Axel Springer ist derzeit ein schrumpfendes Unternehmen, da der Konzern im vergangenen Jahr seine Regionalzeitungen sowie die Programm- und Frauenmagazine an die Funke Mediengruppe verkauft hat. Auch wenn der Deal kartellrechtlich noch nicht durch ist, wird Springer jetzt die Umsätze der verkauften Titel (2012: 512 Millionen Euro) rückwirkend herausrechnen, auch für den Vorjahresvergleich. Gleiches gilt für das Tschechien-Geschäft, dessen Verkauf Ende 2013 bekannt wurde.

Auch wenn die Ausweisung lediglich der fortgeführten Aktivitäten üblich (und nach den IFRS-Bilanzregeln für in EU-Staaten börsennotierte Konzerne sogar Pflicht) ist und die Summe der verkauften Geschäfte separat angegeben wird: Man tut gemäß IFRS so, als hätte man diese Titel nie gehabt. Zum Vergleich: Eigentlich hat Axel Springer 2012 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro erzielt. Jetzt rechnet man jedoch für 2012 als Basis nur noch mit 2,7 Milliarden Euro weiter. Die verkauften rund 600 Millionen Umsatz-Euro, immerhin 18 Prozent des alten Geschäftes, werden beim Vergleich ausgeblendet, während Zukäufe stets sofort konsolidiert werden. rp
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