Axel Springer "Kein Masterplan für Print"

Mittwoch, 03. August 2016
Mathias Döpfner kann erneut gute Zahlen präsentieren
Mathias Döpfner kann erneut gute Zahlen präsentieren
Foto: Axel Springer

Axel Springer erwartet in diesem Jahr ein Wachstum seiner Werbeerlöse im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich – getrieben von Digitalwerbung, vor allem in den Rubrikportalen, bei Programmatic und durch Native-Formate. "Display dagegen hat mit Gegenwind zu kämpfen", sagte Springer-CEO Mathias Döpfner bei der Telefon-Pressekonferenz zur Präsentation der Halbjahreszahlen. Zuvor hatte der Konzern seine Umsatzprognose gesenkt.

Ein Vorteil der – immer stärker programmatisch gehandelten – Digitalwerbung sei es auch, dass diese strukturell weniger volatil auf (welt-) politische und konjunkturelle Unsicherheiten reagiere, deutet Döpfner an. Weil sich Maschinen nicht so leicht erschrecken? Unaufgeregt zeigt sich auch der Springer-Chef bei der Nachfrage eines Journalisten, was denn bitte Native-Werbung sei. Mit seiner nüchternen Erklärung konterkariert Döpfner all jene Digitalevangelisten, die in Native die Neuerfindung des gesamten Werbekosmos sehen: Nun, bei Native handele es sich um redaktionell gestaltete, klar gekennzeichnete Werbeformate. Als digitale Version der früheren Advertorials und Sonderveröffentlichungen, die die Verlage "über Jahrzehnte sehr erfolgreich betrieben haben" – und die nun eben auch im Digitalen gut funktionieren.

Besonders hervor hebt Döpfner die Akquisition des US-Marktdatenanbieters E-Marketer, mit der man nicht nur die Präsenz im strategischen Wachstumsmarkt USA stärke, sondern auch die digitalen Bezahlangebote: "Das ist im allerbesten Sinne Paid Content." Bei E-Marketer könne er sich Renditen von bis zu 40 Prozent vorstellen. Über gemeinsame Projekte mit den weiteren Springer-Beteiligungen Business Insider und Politico werde aktuell nachgedacht.

Mit dem Start der Smartphone-App Upday zeigt sich Döpfner zufrieden und spricht von "Anfangserfolgen". Reichweite (2,5 Millionen Unique User in den vier Ländern), Verweildauer der Nutzer und Werbegeschäft lägen teilweise über den Erwartungen. "Aber Upday ist ein Start-up, mit allen Chancen und Risiken." Derzeit überlege man mit Samsung, die App auf weiteren – neuen und älteren – Smartphone-Modellen vorzuinstallieren.
Axel Springer Zentrale
Bild: ASV

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Das Print-Geschäft hingegen sei weiter strukturell rückläufig; Döpfner beziffert das Springer-Minus hier im 1. Halbjahr mit 8 Prozent. Dennoch mag er keinen Abgesang anstimmen und verweist auf zahlreiche nach seinen Worten erfolgreiche Projekte seines Hauses in den letzten Monaten und Jahren. Jedoch: "Es ist wohl nicht mehr die Zeit, Nachrichtenmagazine oder große nationale General-Interest-Titel zu starten." Chancenreich seien eher Special-Interest- und Sonderhefte, auch als Ergänzungen der Markenfamilien. Diese Print-Projekte entsprängen bei Springer allerdings "keinem Masterplan, sondern vielen innovativen Einzelideen". rp

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