Axel Springer Halbjahresbilanz und 47.000 "Welt Online"-Abonnenten bestärken digitale Erfolgsgeschichte

Mittwoch, 07. August 2013
Zufrieden mit dem 1. Halbjahr 2013: Springer-Chef Mathias Döpfner
Zufrieden mit dem 1. Halbjahr 2013: Springer-Chef Mathias Döpfner


Bei der Halbjahresbilanz, die der Verlag Axel Springer am heutigen Mittwoch vorgelegt hat, war es wohl nicht der - im Vergleich zum Vorjahr relativ konstant gebliebene - Konzernumsatz, der am meisten überraschte. Auch nicht die Tatsache, dass der Digitalbereich erneut den höchsten Beitrag zu Umsatz und Ergebnis des Berliner Konzerns beigesteuert hat. Es sind die Nutzerzahlen für das Bezahlmodell auf "Welt Online", die Springer nach gut einem halben Jahr erstmals nennt. Und die sind gar nicht schlecht: 47.000 digitale Abonnenten nutzen bisher das kostenpflichtige Markenabo.
Immerhin entspricht die Zahl bereits über 20 Prozent der gedruckten Auflage der "Welt", die im 2. Quartal 2013 bei 227.248 verkauften Exemplaren lag. Zusätzlich haben nach Verlagsinformation auch 27.000 Printleser ihr im Zeitungsabo inbegriffenes Markenabo für die digitalen Angebote freigeschaltet. "Dass sich mehr als Dreiviertel der Nutzer nach dem Test unseres Angebots trotz vieler kostenloser Alternativen für die Fortführung des Abonnements entscheiden, zeigt sehr gut, dass der Journalismus der ,Welt' für viele Menschen einen Wert hat", sagt Jan-Eric Peters, Chefredakteur der Welt-Gruppe.

Wie eine Bestätigung der vor zwei Wochen bekannt gewordenen Entscheidung, Regionalzeitungen sowie Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe zu veräußern, liest sich auch der Geschäftsbericht. Mit einem Umsatz von 640,6 Millionen Euro, einem Plus von 18,2 Prozent (1. Halbjahr 2012: 542,1 Millionen), baute das Segment Digitale Medien seine Stellung als größtes Segment des Konzerns weiter aus, was Springer vor allem auf die Akquisitionen des Onlineportals Onet.pl, Totaljobs, Immoweb.be und allesklar.com zurückführt.

Dem Vergleich mit den digitalen, international gewonnenen Zahlen kann der national ausgewiesene Printbereich bekanntlich schon länger nicht stand halten und verzeichnet auch im 1. Halbjahr rückläufige Erlöse, die selbst das Zugpferd "Bild" nicht mehr kompensieren kann. Über alle Bereiche hinweg meldet Springer für die Zeit zwischen Januar und Juni einen Konzernumsatz von 1,63 Milliarden Euro, der sich ungefähr auf dem Niveau des Vorjahres bewegt (2012: 1,62 Milliarden). Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) des Konzerns lag leicht unter dem Vorjahreswert und verminderte sich um 1,5 Prozent auf 303,9 Millionen Euro (2012: 308,7 Millionen).

Der Umsatz im Segment der nationalen Zeitungen sank um 10,6 Prozent auf 507,8 Millionen Euro (2012: 568,3 Millionen). Parallel zu den Auflagen sanken auch die Vertriebserlöse, im 1. Halbjahr erneut um 5,8 Prozent auf 279,2 Millionen Euro. Bei den Werbeerlösen muss Springer im Segment ein Minus von 16,1 Prozent verschmerzen, auch weil sich der Konzern an den zusätzlichen Erlösen durch die Sonderausgabe "Bild für alle" im zweiten Quartal des Vorjahres messen lassen muss. Das Ebitda des Segments liegt mittlerweile nur noch bei 104 Millionen Euro zu 137,1 Millionen im Vorjahr.

Im Bereich Zeitschriften national liegt der Umsatz mit 222,3 Millionen Euro leicht unter dem Vorjahreswert (230,9 Millionen). Ein Minus steht auch vor den Vertriebs- und Werbeerlösen. Diese belaufen sich auf 151,1 Millionen beziehungsweise auf 56,9 Millionen Euro. Der Umsatz der ausländischen Printmedien sank von 219,3 Millionen Euro auf 200,8 Millonen. Doch entsprechend der Unternehmensstrategie sind es die digitalen Angebote Springers, die die Bilanz positiv prägen. Nicht nur das oben bereits erwähnte Plus von 18,2 Prozent im Segmentumsatz dürfte Springer freuen, auch die Entwicklung der Werbeerlöse (556,1 Millionen Euro; plus 22,2 Prozent).

Für die kommenden Monate geht der Vorstand weiterhin damit aus, voraussichtlich weiter sinkende Vertriebserlöse im Printgeschäft durch steigende Werbeerlöse im Bereich der digitalen Medien auffangen zu können. Aufgrund der "verstärkten Investitionen in die beschleunigte Digitalisierung" und die "Aufwendungen für die Strukturanpassungen im Printgeschäft" erwartet der Konzern einen Rückgang des Ebitda im einstelligen Prozentbereich gegenüber dem Vorjahreswert. kl
Meist gelesen
stats