Axel Springer Business Insider soll 2018 den Break-Even schaffen

Mittwoch, 30. September 2015
Business Insider gehört bald zu 97 Prozent Axel Springer
Business Insider gehört bald zu 97 Prozent Axel Springer
Foto: Axel Springer

Nachdem Axel Springer bekannt gegeben hat, das US-Portal Business Insider nahezu komplett zu übernehmen, hat Konzernchef Mathias Döpfner die Road Map für die Neuerwerbung skizziert. Im Vordergrund stehen Reichweitenaufbau und bessere Monetarisierung.
Der Erwerb der 2007 gegründeten Website sei der bisher wichtigste Schritt von Axel Springer, in der englischsprachigen Welt Fuß zu fassen, so Döpfner bei einer Telefonkonferenz mit Journalisten: "With Business Insider, Axel Springer clearly goes west", sagte der Vorstandsvorsitzende zu den mithörenden Journalisten aus aller Welt. Ein ähnlicher Versuch war erst vor wenigen Wochen gescheitert: In der Bieterschlacht um die britische "Financial Times" wurde Springer im letzten Moment von der japanischen Nikkei-Group ausgestochen. Nach der Beteiligung an Politico ist der Kauf von Business Insider ein weiterer Versuch von Springer, seinen Einfluss im englischen Sprachraum zu erweitern. Bislang erreichte man vor allem deutsche Leser - und damit eine begrenzte Zielgruppe. Ein Medium zu besitzen, das in der wichtigsten Weltsprache veröffentlicht, eröffnet Springer ganz neue Möglichkeiten. Zwar investierten die Berliner bereits in US-Medien bzw. Startups wie Ozy, Mic oder Nowthis Media. Business Insider ist mit seinen 76 Millionen Unique Usern (Comscore) allerdings eine ganz andere Hausnummer. Damit erhöhe Springer seine globale digitale Reichweite um zwei Drittel auf rund 200 Millionen Leser im Monat und steige "in den Kreis der sechs reichweitenstärksten Digital-Verlage der Welt auf", wie es in einer Verlagsmitteilung heißt.

Seit Beginn des Jahres 2015 war Springer mit gut 9 Prozent an Business Insider beteiligt. Dass man nun für weitere 88 Prozent der Anteile 306 Millionen Euro auf den Tisch legt, hat laut Döpfner auch den Grund, dass sich derzeit in der Medienlandschaft ein fundamentaler Wandel vollziehe. BuzzFeed, Vox, Vice: All diese Unternehmen mischten den Markt mit ihren Geschäftsmodellen und ihrer Art zu berichten ordentlich auf. "Mit Business Insider wollen wir an diesem Wandel teilhaben", so Döpfner.
BusinessInsider2015
Bild: HORIZONT-Screenshot

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Mit seinen griffigen Headlines, auffälligen Bildern und der Fokussierung auf die Zielgruppe der Millenials ist Business Insider in der Tat ein Angebot, das auf die Zeichen der Zeit reagiert. Laut Döpfner sei die Website sogar so etwas wie ein Vorbild in Sachen Storytelling. Dass BI sowohl Treiber als auch Nutznießer der veränderten Mediennutzung ist, verdeutlichte der bei der Telefonkonferenz ebenfalls anwesende Gründer und Chefredakteur Henry Blodget anhand einiger Zahlen: 60 Prozent des Traffics käme über mobile Endgeräte, nahezu 40 Prozent davon aus sozialen Netzwerken. Zudem spüre man den Bewegtbild-Boom. So verzeichne Business Insider derzeit 200 Milllionen Video-Streams im Monat.

"Unser großer Vorteil ist, dass wir zu 100 Prozent digital sind und uns immer darauf konzentriert haben, was die Leser wollen", so Blodget. Damit sei Business Insider auch resistent gegen die Umwälzungen, die demnächst auf die TV-Branche zukämen, weil die Zuschauer immer mehr in Richtung neuer, digitaler Plattformen strebten. Diese schätzt Blodget genauso dramatisch ein wie die Probleme der Print-Medien.

Was bedeutet dies letztendlich für die wirtschaftliche Entwicklung von Business Insider? Ins Detail gehen wollte bei dem Pressegespräch niemand so richtig. In diesem Jahr werde das Unternehmen etwa 50 Millionen Dollar Umsatz machen, hatten Beobachter kürzlich gemutmaßt. Ausgehend von der aktuellen Bewertung von 390 Millionen Dollar dürften es im kommenden Jahr bereits 65 Millionen Dollar Umsatz sein.
„Unser großer Vorteil ist, dass wir zu 100 Prozent digital sind und uns immer darauf konzentriert haben, was die Leser wollen.“
Henry Blodget
Profitabel ist Business Insider damit jedoch noch nicht. Grund seien die hohen Aufwendungen für die internationale Expansion und neue Produkte wie "Tech Insider". Ohne diese hätte Business Insider bereits in diesem Jahr den Break-Even geschafft, so Springers Finanzchef Julian Deutz auf der Telefonkonferenz. Dieser wird nun für 2018 angepeilt. Dazwischen soll ein jährliches Umsatzwachstum von 30 Prozent liegen, das bis 2020 fortgesetzt werden soll.

Das Geld soll dabei nicht nur aus der Werbevermarktung kommen. Mit den Dossiers "BI Intelligence" bietet Business Insider bereits jetzt Bezahlinhalte an. Die Paid-Content-Strategie, die Springer im eigenen Haus seit Jahren bereits konsequent vorantreibt, soll weiter ausgebaut werden: "An der Pay-Front wollen wir mehr tun", so Döpfner, ohne ins Detail zu gehen. Hierbei wird Springer jedoch deutlich mehr Aufbauarbeit leisten müssen, als dies bei der "FT" der Fall gewesen wäre. Die Zeitung verfügt schon jetzt über mehr als eine halbe Million zahlende Digital-Abonnenten. ire
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