Autoscout24 Vier Gründe, warum eine Übernahme durch Springer keine Überraschung wäre

Freitag, 23. Mai 2014
Kauft Springer Autoscout24 im zweiten Anlauf?
Kauft Springer Autoscout24 im zweiten Anlauf?

Als Hellman & Friedman Ende 2013 satte 1,5 Milliarden Euro für 70 Prozent der Scout24-Anteile hinblätterte, da war schon absehbar, dass die von der Telekom übernommenen Rubrikenportale bald wieder zum Verkauf stehen würden. Schließlich haben Finanzinvestoren naturgemäß weniger Interesse daran, ein Geschäft langfristig weiterzuentwickeln als dieses mit möglichst hohem Gewinn abzustoßen. Jetzt soll offenbar die erste Scout24-Marke versilbert werden. Nach Informationen des "Manager Magazin" verhandelt Axel Springer mit Hellman & Friedman über Autoscout24. Auch wenn Springer Gespräche dementiert, so spricht doch einiges für dieses Szenario.

Grund 1: Rubrikengeschäft als Erfolgsmodell

Der Masterplan von Springer-Chef Mathias Döpfner, der künftiges Wachstum vor allem im Digitalen erwartet, basiert zu großen Teilen auf dem Rubrikengeschäft. Aus gutem Grund: Dass der bereingte Gesamtumsatz von Axel Springer 2013 um insgesamt 2,3 Prozent auf knapp über 2,8 Milliarden Euro zulegte, hat der Verlag vor allem Portalen wie StepStone, Totaljobs, SeLoger, Immonet und Meinestadt.de zu verdanken, die 2012 unter dem Dach von Axel Springer Digital Classifieds gebündelt wurden. Dass Springer hier weiter investieren will, ist kein Geheimnis: Gerade erst hat der Verlag über StepStone das Stellenportal Jobsite in Großbritannien übernommen. Kostenpunkt: 110 Millionen Euro. Auch an Immowelt, dem Immobilienportal der Münchner Marktgruppe (Ippen, Funke, ProServ Medien Service) soll Springer interessiert sein.

Grund 2: Auf Springer wartet ein lukrativer Markt

Die Übernahme von Autoscout24 wäre für Springer auch deshalb interessant, weil im Portfolio des Medienriesen ein großes Autorubrikenportal bislang schlicht und einfach fehlt. Mit dem Kauf könnte das Medienhaus also einen neuen, lukrativen Markt erschließen, den bislang die Scout24-Marke und die Ebay-Tochter Mobile.de hierzulande mehr oder weniger unter sich aufteilen. Dass Springer schon früher als potenzieller Käufer der Scout24-Gruppe gehandelt wurde und dass der Deal damals scheiterte, ist in diesem Zusammenhang kaum von Belang. Denn die Scout24-Gruppe deckt mit Immobilienscout24, Finanzscout24 und Jobscout24 Märkte ab, die Springer mit Angeboten wie Immonet, Finanzen.net und Stepstone bereits selbst beackert. Vor diesem Hintergrund war der ambitionierte Preis von 2 Milliarden Euro, den die Telekom damals für die gesamte Gruppe aufrief, einfach nicht angemessen. Ein Bruchteil des Betrages für Autoscout24 eventuell schon.

Grund 3: Synergien mit Autobild

Mit der "Autobild" verfügt Axel Springer über eine starke Marke, die nicht nur gerade aufgehübscht wurde. Über eine kluge Vernetzung der etablierten Print- und Onlinemarke mit einem reichweitenstarken Portal für Gebrauchtwagen könnte Springer ganz sicher weitere Synergien heben. Von einer Cross-Vermarktung etwa könnte nicht nur Online, sondern vor allem Print profitieren.

Grund 4: Die Kriegskasse ist prall gefüllt

Springer ist nicht nur bereit zu investieren, sondern auch in der Lage dazu. Zur Erinnerung: Der Verkauf der Tageszeitungen "Hamburger Abendblatt" und "Berliner Morgenpost" sowie der Programm- und Frauenzeitschriften an die Funke Mediengruppe hat gerade 920 Millionen Euro in die Kasse von Springer gespült. Springer-Boss Döpfner hat erst kürzlich wieder betont, dass der Verlag nach interessanten Übernahmezielen Ausschau hält - nur der Preis müsse stimmen. mas
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