Auftakt Medientage Platzhirsche geben sich entspannt

Mittwoch, 21. Oktober 2015
Beim TV-Gipfel der Medientage München war reichlich Prominenz am Start
Beim TV-Gipfel der Medientage München war reichlich Prominenz am Start
Foto: Medientage München

Friedliche Einigkeit beim TV-Gipfel auf den Medientagen München, der eigentlichen Elefantenrunde auf der dreitägigen Veranstaltung. Moderiert von Thomas Gottschalk versicherten sich die TV-Granden ihres Innovationsgeistes. Nur von Norbert Himmler, Programmdirektor des ZDF, waren ein paar selbstkritische Töne zu hören. Ausgefallenere Serien, wie sie auf ZDF Neo laufen, "müssen wir auch im Hauptprogramm anpacken", sagte er und nannte als jüngstes Beispiel den Mehrteiler "Blochin", den das ZDF vor drei Wochen ausgestrahlt hat.

Von neuen Playern wie Netflix oder Amazon, die mit mittlerweile 24 eigenproduzierten Serien aufwarten können, fühlen sich die Platzhirsche nicht bedroht. Die Netflix-Serie "House of Cards" habe im Free-TV in der 2. Staffel nur noch Werte "im nicht mehr messbaren Bereich" gehabt, sagte Wolfgang Link, Vorsitzender der Geschäftsführung der Pro Sieben Sat 1 TV Deutschland.

Fred Kogel, Vorstand Produktion, Prozessmanagement und Integration bei Constantin Medien, bezeichnete "House of Cards" als einen "grandiosen Marketingerfolg für Netflix". Link sieht seine Gruppe sogar eher als Gewinner der neuen Vielfalt, die durch die neuen Konkurrenten entsteht, denn die Amazon-Serie "Bloch" stammt von der hauseigenen Produktionstochter Red Arrow.
ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler
ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler (Bild: Medientage München)
"Wir wollen einzigartige Shows machen", sagt Jay Marine, Vice President bei Amazon Instant Video EU. Amazon sei auf der Suche nach Produzenten, die auch eine Vision haben. Für ihn sind solche Inhalte wichtig, weil sie die Marke unterscheidbar machen.

Dass gute, serielle Inhalte für alle ein Thema sind, nicht zuletzt um eben die eigenen Sender bekannt zu machen, wurde jedoch deutlich. Auch der Pay-TV-Anbieter Sky Deutschland will in diesem Jahr mit der ersten für den hiesigen Markt produzierten Serie starten. "Wir investieren rund 6 Milliarden Euro in Content", so Carsten Schmidt, der seit vier Monaten als CEO an der Spitze von Sky Deutschland steht. Allerdings fließt ein guter Teil davon auch für Sportrechte.

Ansonsten war der Gipfel arm an Diskussionen und reich an Platitüden, kein Vergleich zum Vorjahr, als ein sehr gut vorbereiteter und angriffslustiger Klaas Heufer-Umlauf die Manager vor sich hertrieb. pap

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