Auflagenentwicklung des "Focus" Die durchwachsene Bilanz von Jörg Quoos

Dienstag, 26. August 2014
Auch Jörg Quoos konnte den Auflagenschwund des "Focus" nicht stoppen
Auch Jörg Quoos konnte den Auflagenschwund des "Focus" nicht stoppen


Die großen Wochenmagazine kommen nicht zur Ruhe. Nach "Stern"-Chefredakteur Dominik Wichmann muss nun auch Jörg Quoos beim "Focus" seinen Hut nehmen, der Stuhl von "Spiegel"-Chef Wolfgang Büchner wackelt ebenfalls. Das Kernproblem der drei Print-Riesen: Bislang ist es keinem der Spitzenjournalisten gelungen, den sich beschleunigenden Auflagenrückgang zu stoppen.


Die aktuelle Ausgabe des "Focus"
Die aktuelle Ausgabe des "Focus"
So kennt die Auflagenentwicklung des "Focus" bereits seit geraumer Zeit nur eine Richtung: abwärts. Vor zehn Jahren lag die verkaufte Auflage des Magazins noch bei rund 800.000 Exemplaren. Im ersten Quartal dieses Jahres durchschlug die Auflage mit 497.456 Exemplaren erstmals die Marke von einer halben Million. Auch Jörg Quoos ist es in seiner kurzen Amtszeit nicht gelungen, diese Entwicklung zu stoppen: Die aktuellsten Zahlen der IVW für das 2. Quartal 2014 weisen für den "Focus" eine verkaufte Auflage von 498.022 Exemplaren aus.

Besonders dramatisch ist die Entwicklung im Einzelverkauf: Im 1. Quartal 2013 fielen die Kiosk-Verkäufe des "Focus" erstmals unter die Marke von 100.000 Exemplaren und konnten sich seitdem nicht mehr spürbar erholen. Zuletzt gingen im Einzelhandel im Schnitt noch 77.545 Exemplare pro Ausgabe über die Ladentheke. Einzelne Ausgaben erwiesen sich sogar als regelrechtes Regalblei: Die Titelstory über Til Schweiger im Januar verkaufte sich im Einzelhandel weniger als 60.000 Mal - ein neuer Minusrekord. Auch die Abo-Entwicklung gibt Anlass zur Sorge: Bis 2009 bekamen noch über 300.000 Empfänger den "Focus" regelmäßig zugeschickt, im 2. Quartal dieses Jahres lag die Abo-Auflage noch bei 175.294 Exemplaren - Hubert Burda Media weist in diesem Zusammenhang auf die Bereinigung der Abo-Auflage um zahlreiche Kooperations-Abos hin.

Der neue Chefredakteur Ulrich Reitz wird mit Sicherheit auch daran gemessen werden, ob es ihm gelingt, den Auflagenschwund des "Focus" zumindest spürbar zu bremsen. Burda selbst erwartet für das laufende 3. Quartal "eine Trendwende in der Auflagenentwicklung". Völlig stoppen wird man die Talfahrt aber wohl kaum können - dafür ist der Wandel im Mediennutzungverhalten viel zu grundlegend. dh

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