Auch Faz.net ist dabei Presserat spricht vier öffentliche Rügen aus

Mittwoch, 12. März 2014
Der Deutsche Presserat rügte unter anderem Faz.net
Der Deutsche Presserat rügte unter anderem Faz.net

Der Beschwerdeausschuss 1 des Deutschen Presserats hat vier öffentliche Rügen ausgesprochen - und dabei für eine Überraschung gesorgt. Denn unter den Gerügten ist ein Medium, von dem man es eigentlich nicht erwartet hätte. Für einen Bericht über den Gesundheitszustand des umstrittenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst kassierte Faz.net einen Tadel des Presse-Kontrollorgans. In dem beanstandeten Text war von einer möglichen psychischen Erkrankung des Bischofs die Rede, der Bruder von Tebartz-van Elst, ein Psychiater, habe das angeblich "Vertrauten" gesagt. Auch eine konkrete Diagnose wurde genannt. Eine Stellungnahme des Bischofs oder seines Bruders zu den Spekulationen enthielt der Artikel allerdings nicht, kritisiert der Presserat. Damit habe die Redaktion die Privatsphäre des Bischofs verletzt. Die Presse dürfe nicht ohne Zustimmung des Betroffenen über psychische Krankheiten berichten. Dass das unbestätigte Gerücht auf diese Weise weiterverbreitet wurde, habe zudem gegen die journalistische Sorgfaltspflicht gemäß Pressekodex verstoßen.

Ebenfalls eine Rüge erhielt "Das Goldene Blatt". Die Illustrierte hatte einen fast vier Jahre alten Bericht über die Lebensumstände einer jungen Frau samt Fotos erneut veröffentlicht - ohne Zustimmung der Betroffenen, deren persönliche Situation sich mittlerweile grundlegend geändert hatte. Ein Verstoß gegen die Regeln zum Schutz der Persönlichkeit, urteilte der Presserat. Eine weitere Rüge handelte sich die "Dithmarsche Landeszeitung" ein, die einen Leserbrief veröffentlichte, der Antisemitismus und staatliche Euthanasie in der NS-Zeit relativiert und eine falsche Behauptung über Zionisten aufgestellt hatte. Damit habe die Redaktion die Publizistischen Grundsätze des Pressekodex missachtet.

Bild.de erwischte es wegen einer Bildunterschrift. Die Zeitung hatte online über ein ein blondes Mädchen berichtet, das die Behörden einer irischen Roma-Familie vorübergehend entzogen hatten. Der Fall erinnerte stark an den des Mädchens Maria, das aus einem Roma-Lager in Griechenland in Obhut genommen worden war. Dem Bericht war eine Fotostrecke beigestellt. Eine der Bildunterschrfiten daraus lautete: "In diesem Roma-Dorf in Griechenland wurde Maria gefunden, am Dienstag wurde ein Mädchen aus einer Siedlung nahe Dublin gerettet. Wie viele blonde und blauäugige Mädchen leben noch bei Roma-Familien in Europa und warum?"

Der Presserat rügte die Verwendung des Wortes "gerettet" in diesem Zusammenhang. Die Formulierung sowie die Suggestivfrage seien "dazu geeignet, Vorurteile gegen die Volksgruppe der Roma zu schüren." Insgesamt sprach der Presserat 4 Rügen und 11 Missbilligungen aus. 3 Beschwerden seien begründet gewesen, aber es wurde auf eine Maßnahme verzichtet. 24 Beschwerden waren unbegründet. ire
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