Asterix und der Papyrus des Cäsar Wie Julian Assange und Wikileaks Einzug ins römische Reich halten

Freitag, 23. Oktober 2015
Asterix & Obelix schlagen sich natürlich auch mit den Römern
Asterix & Obelix schlagen sich natürlich auch mit den Römern
Foto: Les Éditions Albert René/ www.ehapa.de

Asterix-Fans jubeln, der 36. Band der Kultreihe ist endlich da. In "Der Papyrus des Cäsar" nehmen die Autoren Jean-Yves Ferri und Didier Conrad die allgegenwärtige Informationsgesellschaft und moderne Massenmedien auf die Schippe, weisen aber auch auf ihre Gefahren hin: So steht unverkennbar Wikileaks-Gründer Julian Assange Pate für eine Figur. HORIZONT Online hat den neuen Band gelesen.
Das 48 Seiten starke Heft von Ehapa Media strotzt nur so vor Anspielungen auf die Kommunikation des 21. Jahrhunderts - natürlich Asterix-gerecht an die Gegebenheiten im römischen Reich des 1. Jahrhunderts vor Christus angepasst. Ein paar Beispiele: Die römischen Wachen heißen Datenflus und Antivirus, um Kurznachrichten zu übermitteln, werden Tauben versendet und ein Gallier tutet mit einem Schilfrohr, damit die Vögel losfliegen - Twitter lässt grüßen. Zur Story: Cäsar vollendet gerade seine "Kommentare zum Gallischen Krieg", als ihm sein Berater und Verleger Rufus Syndicus rät, das selbstkritische Kapitel über die unbeugsamen Gallier um Asterix & Obelix zu streichen. Blöderweise gibt es in Syndicus' Schreibwerkstatt den nomidischen Schreiber Bigdatha, der zwar stumm ist, dafür aber umso hehere Motive vertritt. Aus Idealismus ("Ein Schreiber der denkt - unerhört!") und Sympathie zum gallischen Volk entwendet er die zensierte Schriftrolle und gibt das Papyrus an einen gallischen Aktivisten weiter.
Der Steckbrief von Assange-Figur Polemix
Der Steckbrief von Assange-Figur Polemix (Bild: Les Éditions Albert René/ www.ehapa.de)
Hier greift die an Wikileaks-Gründer Julian Assange angelegte Figur in das Geschehen ein. Sie heißt Polemix, nennt sich "Kolporteur ohne Grenzen" und arbeitet als Korrespondent für die "Gallische Revue" in Rom. Die Bewohner des berühmten unbeugsamen Dorfs lesen den Titel zwar nur wegen seiner Horoskope, trotzdem bittet Polemix sie um Hilfe. Dabei ist er immer auf der Suche nach einer neuen "Kolportage" und gerät beim Versuch, mit Cäsar ein exklusives Interview zu führen, in Gefangenschaft. Aber mehr wollen wir an dieser Stelle nicht verraten.
Das Cover des 36. Asterix-Bandes
Das Cover des 36. Asterix-Bandes (Bild: Les Éditions Albert René/ www.ehapa.de)
Nur so viel: Der neue Asterix-Band (Auflage: vier Millionen Stück), der zweite nach "Asterix bei den Pikten", bei dem Mit-Schöpfer Albert Uderzo dem neuen Autorenteam nur noch beratend zur Seite stand, überzeugt mit Wortwitz und einer gelungenen Übertragung unserer Kommunikationsgesellschaft ins alte Rom. Schmunzeln muss man etwa, als ein Römer beim Versand einer Brieftaube kurzerhand den Anhang vergisst - aber keine Sorge, das passiert den Besten. In diesem Sinne gilt: "Dat veniam corvis, vexat censura columbas."* fam

*"Den Raben verzeiht, die Tauben plagt die Kritik."
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