Apple sucht Journalisten Wo der Algorithmus an seine Grenzen stößt

Dienstag, 16. Juni 2015
Apple sucht nach Journalisten
Apple sucht nach Journalisten
Foto: Apple

Wenn es im Kampf der Online-Medien um Reichweite einen entscheidenden, aber in der Regel leider völlig intransparenten Faktor gibt, dann ist es der Algorithmus. Google, Facebook, Xing News - alle großen sozialen Netzwerke haben einen, und niemand weiß wirklich, wie er funktioniert und nach welchen Kriterien Inhalte gerankt werden. Doch kann man mit einem Algorithmus ein anständiges Nachrichtenangebot auf die Beine stellen? Aus Sicht von Apple offenbar nicht. 

Apple macht derzeit mit einer Stellenausschreibung Schlagzeilen. Die wertvollste Marke der Welt hat derzeit die Stelle eines "Editors" (Redakteurs) für sein Angebot Apple News ausgeschrieben. In der Ausschreibung heißt es: "Diese Redakteure werden News-Nutzern helfen, große News-Events schnellstmöglich zu finden." Sie sollten Geschichten erkennen, "die von Algorithmen wahrscheinlich nicht erfasst worden wären". Dass nun ausgerechnet ein Großkonzern wie Apple an der Allmacht der Algorithmen zweifelt und den Faktor Mensch wieder stärker in den Mittelpunkt rückt, dürfte bei der schreibenden Zunft angesichts der Debatte um Roboter-Journalismus sehr gut ankommen.

Hintergrund der Ausschreibung ist der Lauch von Apple News. In der neuen App, die vorerst nur in den USA, Großbritannien und Australien startet, werden Inhalte aus verschiedenen Quellen in einem Magazin-Format dargestellt. Dort werden auch Artikel aus Print-Ausgaben von Zeitungen und Magazinen eingebunden. Die Aufgabe der Apple-Journalisten soll es unter anderem sein, international Kontakt zu großen Redaktionen zu halten.
Mathias Müller von Blumencron, FAZFoto: Hans Jürgen Herrmann
Bild: Hans-Jürgen Hermann

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Der Weltkonzern hat auch für andere Funktionen den Faktor Mensch wiederentdeckt. Apple-Topmanager Jimmy Iovine hatte erst kürzlich betont, dass die Playlisten des Streamingdienstes Apple Music von Menschen gepflegt werden sollen, um originell und mit Geschmack hervorzustechen: "Mit einem Algorithmus allein geht das nicht."

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FAZ"-Onlinechef Mathias Müller von Blumencron hatte bei dem Medienforum NRW vor Apple und Facebook gewarnt. "Wir könnten Zeugen sein, wie riesige hochprofitable Konzerne mit ihren unendlichen Profiten aufbrechen, um das zu tun, was bisher eigentlich der medialen Welt, wie wir sie kennen, vorbehalten war, und faktisch und genuin selbst zu Medien zu werden", sagte Müller von Blumencron. dpa

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