Antonia Rados zu Kriegsberichterstattung "Der Maßstab ist der Mensch und die Würde des Menschen"

Donnerstag, 16. April 2015
Antonia Rados
Antonia Rados
Foto: RTL / Suzy Stoeckl
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Als RTL-Kriegsberichterstatterin Antonia Rados beim TV-Wirkungstag über ihre Erlebnisse in den Krisenregionen der Welt berichtete, herrschte im Raum absolute Stille. Die Reporterin und Nahost-Expertin war in vielen Kriesenherden der Welt und riskierte dabei nicht selten ihr eigenes Leben. "Sie müssen als Reporter immer dahin gehen, wo der Krieg stattfindet", sagte sie vor über 1000 Zuhörern beim TV-Wirkungstag in Düsseldorf.

Reporter müssen vor Ort sein, Bilder drehen und sie dann auch zeigen. Daran habe sich in den vergangenen Jahrzehnten nichts geändert.

Rados beobachtet jedoch, dass die Menschen kritischer geworden sind, was die Aussagekraft der Bilder betrifft. "Sie glauben nicht, dass die Bilder so sind, wie sie sie sehen", sagt sie. Die Aufgabe des Journalisten sieht sie darin, zu informieren, die Bilder auch einzuordnen und nicht das Grauen um jeden Preis zu zeigen. Für ihre eigene Arbeit stellt sie sich stets vor, wie es wäre, wenn sie in einer kritischen Situation gefilmt würde, zum Beispiel am Boden liegend, und ob sie so gezeigt werden wolle. "Der Maßstab ist der Mensch und die Würde des Menschen".

Aus Ihrer Sicht hat diese Würde angesichts der heutigen Bilderflut gelitten. "Mit zuviel Brutalität können wir aber nichts mehr anfangen." Wie schwer Bilder ohne den Kontext zu interpretieren seien, erfahre sie immer wieder auf ihren Einsätzen. "Bilder sind oft eindeutig. Aber es liegt im Auge des Betrachters", sagt sie.

Rados geht mit einem sehr kleinen Team in die Kriegsgebiete. Die Anspannung ist hoch und stets schwebt die Frage im Raum, ob man wieder heil herauskommt. "Es ist wichtig seine Ängste zu kennen und zu besiegen." Rationalität helfe ihr dabei. Die Frage, warum sie ihr Leben riskiert und diese Arbeit macht, beantwortet Rados mit einem "Das weiß man nicht so". Es ist eine von diesen Fragen, auf die es keine einfachen Antworten gibt.
„Der Reporter ist derjenige, der die Auswirkungen von bestimmten Ereignissen auf Menschen darstellt. Das kann man nicht mit einer Drohne machen.“
Antonia Rados
Was sie immer wieder an ihrer Arbeit fasziniere, ist die Nähe zu den Menschen. "Das spannendste sind die Menschen, Sie können einen Bettler interviewen und einen Präsidenten", sagt sie. Erst der Kontakt mit Menschen mache deutlich, was Bomben und Waffen anrichten. "Der Reporter ist derjenige, der die Auswirkungen von bestimmten Ereignissen auf Menschen darstellt. Das kann man nicht mit einer Drohne machen." Immer wieder sei sie in den Jahren mit großer Hilfsbereitschaft konfrontiert worden, mit Leuten, "die mich aufgenommen haben und mein Leben gerettet". Immer wieder hat es in ihrem Leben bedrohliche Situationen gegeben: gescheiterte Entführungen, Selbstmordattentate in unmittelbarer Nähe und ein Konvoi der unter Beschuss geraten ist. "Ich hatte immer sehr viel Glück", sagt sie demütig. pap

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