Anti-Islam-Kommentar "Bild"-Chef Kai Diekmann pfeift "BamS"-Vize Fest zurück

Montag, 28. Juli 2014
"BamS"-Vize Fest provozierte mit einem islamfeindlichen Text (Foto: Axel Springer)
"BamS"-Vize Fest provozierte mit einem islamfeindlichen Text (Foto: Axel Springer)


Glaubt man einer alten Redewendung, ist nichts so alt wie die Zeitung von gestern. Doch es gibt Ausnahmen: Ein Kommentar von Nicolaus Fest, stellvertretender Chefredakteur der "Bild am Sonntag", sorgt auch am Tag danach für Gesprächsstoff. Fest hatte den Islam als "Integrationshindernis" bezeichnet und sieht sich deswegen heftiger Kritik ausgesetzt - auch von seinem Chef Kai Diekmann, der den Verlag in einem Kommentar in der heutigen Printausgabe der "Bild" klar von der Meinung des Hardliners distanziert. Diekmann spricht sich in seinem Text, der bereits gestern Abend bei Bild.de veröffentlicht wurde, gegen Pauschalurteile über den Islam aus: "Für Bild und Axel Springer gab und gibt es bei all diesen Debatten eine klare, unverrückbare Trennlinie zwischen der Weltreligion des Islam und der menschenverachtenden Ideologie des Islamismus." Genau diese Trennung hatte Fest in seinem "BamS"-Kommentar jedoch nicht beachtet. Dort schrieb er unter anderem: "Ich brauche keinen importierten Rassismus, und wofür der Islam sonst noch steht, brauche ich auch nicht."

Auch wenn der "Bild"-Chefredakteur an keiner Stelle explizit auf den Text von gestern eingeht oder den Autor namentlich erwähnt, hat Diekmann mit seiner Replik ein klares Zeichen gesetzt. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier schreibt in seinem Blog sogar von einer "Art öffentlicher Abmahnung". "BamS"-Chefredakteurin Marion Horn verteidigte auf Twitter zunächst noch Fests Kommentar unter Verweis auf die "Meinungsvielfalt bei Springer". Später schloss sie sich jedoch der Linie Diekmanns an und entschuldigte sich für den Kommentar in der "Bild am Sonntag".

Interessantes Detail am Rande: Ende Mai gab Nicolaus Fest, Sohn des ehemaligen "FAZ"-Herausgebers Joachim Fest, der österreichischen Zeitung "Der Standard" ein Interview und wird dort zitiert mit: "Kommentare müssen polarisieren, subjektiv sein, auch mal wehtun. Nur das macht gute Kommentare aus." Ob Fests Kommentar personelle Konsequenzen nach sich ziehen wird, ist noch unklar. fam
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