Anti-Filter-Bubble-Feature Wie Facebook Filterblasen zum Platzen bringen will

Mittwoch, 26. April 2017
Facebook weitet die Anzeige von Related Articles aus
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© Facebook

Einer der am häufigsten geäußerten Vorwürfe an Facebook ist die Filter-Bubble-Theorie: Wer auf der Plattform unterwegs ist, dem begegnen irgendwann nur noch Themen, die die eigenen Ansichten stützen. Offensichtlich hat sich Facebook die Kritik zu Herzen genommen: Das Unternehmen testet derzeit ein neues Feature, das die Nutzer aus ihren Filterblasen herausholen soll.
Facebooks News Feed ist, und das gilt gleichzeitig als eine der größten Errungenschaften des sozialen Netzwerks, personalisiert. Das heißt: Der Algorithmus wählt die Posts, die einem angezeigt werden, anhand persönlicher Interessen und anhand sozialer Signale wie Interaktionen aus. Das sorgt jedoch dafür, dass Themen, die einen nicht interessieren oder die man vielleicht sogar ablehnt, selten bis gar nicht im Nachrichtenstrom auftauchen.
Nicht wenige glauben, dass dies einer der Gründe dafür war, dass Donald Trump im vergangenen Jahr die US-Wahl gewinnen konnte. Unabhängig davon, ob das stimmt: Dass der personalisierte News-Feed mehr Pluralität gebrauchen könnte, hat nun offenbar sogar Facebook selbst erkannt. Derzeit testet das Unternehmen ein neues Feature, das den Nutzern unter einem Artikel im News-Feed verwandte Artikel anderer Quellen anzeigt - und zwar noch bevor der Nutzer auf den ersten Link geklickt hat. Der Test ist zunächst auf die USA beschränkt.

Auf diese Weise wolle Facebook die Nutzer einfacher mit zusätzlichen Sichtweisen und Informationen versorgen, schreibt Produktmanagerin Sara Su in einem offiziellen Blogpost. Das könne Artikel von Drittparteien einschließen, die von Facebook mit der Überprüfung von Fakten beauftragt wurden. "Wir werden aus diesem Test lernen und das Gelernte anwenden, um das Produkt für alle zu verbessern", so Su.

Da die verwandten Themen bei dem Test bereits angezeigt werden, bevor der Nutzer auf den ersten Link geklickt hat, könnten für Seitenbetreiber Rückgänge der Reichweite drohen. Su versucht jedoch, derartige Befürchtungen proaktiv auszuräumen: Man erwarte keine Auswirkungen auf die Reichweite von Facebook-Seiten. Seitenbetreiber sollten trotzdem weiterhin Geschichten posten, die für ihre Zielgruppe relevant seien, so die Facebook-Managerin.
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Bild: Fotolia / Balint Radu

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Kürzlich startete Facebook daher ein Info-Tool, das Nutzer darüber aufklären soll, wie sie Fake News erkennen können. Außerdem arbeitet das Unternehmen hierzulande mit dem Recherche-Büro Correctiv zusammen, um Falschnachrichten aufzuspüren und zu kennzeichnen. ire
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