Anti-Fake-News-Kampagne Auch Gruner + Jahr würde mit Facebook zusammenarbeiten - stellt aber Bedingungen

Dienstag, 21. Februar 2017
Das G+J-Pressehaus in Hamburg
Das G+J-Pressehaus in Hamburg
Foto: Gruner + Jahr

Gruner + Jahr hat sich proaktiv zu einer möglichen Zusammenarbeit mit Facebook bei der Aufdeckung von Fake News geäußert. Am Baumwall kann man sich eine Zusammenarbeit mit dem sozialen Netzwerk durchaus vorstellen - wenn Facebook deutlich mehr tut als bisher.
"Für Gruner + Jahr ist es selbstverständlich, dazu beizutragen, dass in Deutschland weiterhin offen, zivilisiert und demokratisch debattiert werden kann und Fakten die Grundlage von Meinungsbildung bleiben", heißt es zu Beginn des Statements, das Gruner + Jahr am Dienstagvormittag per Pressemitteilung verschickt hat. Eigenen Angaben zufolge wurde das Hamburger Verlagshaus von Facebook für die Mitarbeit an der Anti-Fake-News-Initiative angefragt. "Wenn Facebook seine Initiative ernst meint - und wenn die Erklärung von Mark Zuckerberg über die künftige Rolle seines Unternehmens und die Zusammenarbeit mit Verlagen substanziell ist -, ist G+J zu Gesprächen über eine Mitwirkung gern bereit", heißt es in dem Statement weiter. Allerdings gebe es einige Voraussetzungen, die dafür erfüllt sein müssten. So müsse Facebook anerkennen, "dass es auch in Zukunft allein für das Geschehen auf seiner Plattform verantwortlich bleibt. Facebook muss bereit sein, die Verbreitung von News, die eindeutig als Falschmeldungen identifiziert sind, unverzüglich zu unterbinden - ebenso wie die möglichen finanziellen Einkünfte von Urhebern dieser Fake-News." Außerdem müsse eine Partnerschaft auch eine Geschäftsbeziehung begründen. Anders ausgedrückt: Allein mit Ruhm, Ehre und ein bisschen Social-Media-Reichweite wird sich Gruner + Jahr nicht zufrieden geben. Die Hamburger wollen Geld sehen.
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Bild: Fotolia / Balint Radu

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Gruner + Jahr nutzt diesen aktuellen Aufhänger, um einige weitere, grundsätzlichere Forderungen an Facebook zu stellen: So erwarte man, "dass Facebook deutlich mehr als bisher zu einem partnerschaftlichen Verhältnis zwischen Medienhäusern und der Social-Media-Plattform beiträgt". Dazu gehörten "faire Erlösbeteiligungen für Inhalteanbieter ebenso wie die Anerkennung gemeinsamer Standards in der Werbewirkungsmessung". Außerdem fordert Gruner + Jahr, "die Bedingungen, nach denen Inhalte auf der Plattform verbreitet werden, für die Produzenten der Inhalte sichtbar" zu machen.

Dabei geht es dem Verlag aber nicht um die Offenlegung des Algorithmus, der die Inhalte im News Feed sortiert. "Wir möchten zum Beispiel von Facebook wissen, welche Möglichkeiten das Unternehmen bereits jetzt hat, um Fake News zu erkennen und zu kennzeichnen, und inwieweit diese Möglichkeiten bereits jetzt genutzt werden", sagt G+J-Sprecher Frank Thomsen gegenüber HORIZONT Online.

"Wir setzen darauf, dass das Facebook-Management mit Sheryl Sandberg an der Spitze an einem grundsätzlichen Dialog zwischen Publishern und Plattformbetreibern über die künftigen Formen unserer Zusammenarbeit interessiert ist und seine Verantwortung anerkennt. Wenn wir dann sinnvoll daran mitwirken können, dass sich Falschmeldungen nicht weiter verbreiten, werden wir das tun. Wir freuen uns auf die Gespräche", sagt Gruner + Jahr-Chefin Julia Jäkel.
Daniel Steil
Bild: Burda

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