Anti-Adblocking Facebook blockiert Werbeblocker auf dem Desktop

Dienstag, 09. August 2016
Facebook will Nutzern mehr Kontrolle über Werbeanzeigen geben
Facebook will Nutzern mehr Kontrolle über Werbeanzeigen geben
Foto: Facebook

Facebook greift in den Kampf gegen Adblocker ein: Das weltgrößte soziale Netzwerk wird künftig auch solchen Nutzern, die einen Werbeblocker installiert haben, Werbung anzeigen - allerdings nur auf dem Desktop. Gleichzeitig will Facebook seinen Nutzern mehr Kontrolle darüber geben, welche Werbeanzeigen sie eingeblendet bekommen.
Adblocking ist für die gesamte Publishing-Branche ein großes Problem. Facebook als werbefinanzierte Plattform ist davon nicht ausgenommen. Mit der Maßnahme, Werbung blockierende Software auf der Desktop-Version wirkungslos zu machen, will das Netzwerk nun ein Zeichen in der Diskussion um Adblocker setzen. Dabei erteilt das Unternehmen dem umstrittenen Whitelisting, also der Freischaltung von Anzeigen gegen Geld, eine explizite Absage: "Diese Praxis sorgt bestenfalls für Verwirrung, senkt aber auch die Mittel, die zur Finanzierung des Journalismus und anderer kostenfreier Dienstleistungen, die wir im Internet nutzen, benötigt werden. Facebook gehört zu diesen kostenlosen Dienstleistungen", schreibt Andrew Bosworth, Vice President Advertising & Pages bei Facebook, in einem Blogbeitrag.
Zugleich verändert Facebook die Einstellungen, mit denen Nutzer die ihnen angezeigten Werbeanzeigen verwalten können. Dies ist möglich, indem man in einer Werbeanzeige auf den kleinen Pfeil in der rechten oberen Ecke klickt. Anschließend öffnet sich ein Menü mit der Schaltfläche "Warum wird mir das angezeigt?". Mit einem Klick darauf landet man bei den persönlichen Einstellungen für Werbeanzeigen.

Durch ein neues, bildlastigeres User-Interface sollen die Nutzer noch genauer definieren können, was sie interessiert und was nicht. Außerdem sollen die Nutzer künftig festlegen können, keine Werbeanzeigen mehr von Unternehmen und Organisationen zu sehen, von denen sie auf deren Kundenliste hinzugefügt wurden. Zudem führt Facebook ein Polling-Tool ein: Durch die Auswahl eines Smileys am unteren Rand einer Anzeige können die Nutzer Facebook in Echtzeit mitteilen, ob der Inhalt interessant für sie war.

Dieses Update soll dazu beitragen, dass Facebook gegen die Bedrohung durch Adblocker gut gewappnet ist. "Anstatt Unternehmen, die Software für die Werbeanzeigenblockierung anbieten, für die Aufhebung der Blockierung unserer Werbeanzeigen zu bezahlen – dies haben uns einige der Unternehmen in der Vergangenheit angeboten – geben wir mit unseren neuen Einstellungen und unseren anderen Steuerungsmöglichkeiten für Werbeanzeigen den Menschen die Kontrolle in die Hände", so Bosworth.
Eine neue Benutzeroberfläche soll Facebook-Nutzern mehr Kontrolle über Werbeanzeigen ermöglichen
Eine neue Benutzeroberfläche soll Facebook-Nutzern mehr Kontrolle über Werbeanzeigen ermöglichen (Bild: Facebook)
Gleichwohl ist aus Unternehmenskreisen zu hören, dass Adblocker bislang kein fundamentales Problem für Facebook gewesen seien. Nichtsdestotrotz hat Facebook die Auswirkungen durch Werbung unterdrückende Software schon zu spüren bekommen - in erster Linie auf dem Desktop: "Die durch Display-Anzeigen auf PCs generierten Umsätze wurden von diesen Technologien von Zeit zu Zeit beeinflusst", hieß es in einem Statement des Unternehmens für die US-Börsenaufsicht zu Beginn des Jahres.

Die Desktop-Nutzung macht bei Facebook allerdings ohnehin nur noch knapp 15 Prozent aus. Von 1,71 Milliarden monatlichen Nutzern kommen 1,57 Milliarden über mobile Endgeräte. Rund 84 Prozent der Werbeerlöse in Höhe von 6,2 Milliarden Dollar generiert Facebook über Mobile. Mobile Facebook-Anzeigen sind nativ, das heißt sie passen sich der Umgebung des Newsfeeds an. Adblocker können diese Werbung nicht von gewöhnlichen Posts unterscheiden.

Damit erfüllen Facebook-Ads nicht jene Kriterien, die bei den Nutzern besonders unbeliebt sind. Facebook stützt sich hierbei auf eine Untersuchung des Ipsos-Instituts: Demnach nennen 69 Prozent der Nutzer nervige und unterbrechende Werbung als Hauptgründe für die Installtion eines Adblockers.
Tim Schumacher
Bild: dfv

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Insofern ist die Tatsache, dass Facebook die Anti-Adblocking-Software nur auf dem Desktop einsetzt, wohl eher als Statement denn als eine wirtschaftliche Überlegung zu verstehen - zumal die Nutzung stationärer Adblocker laut OVK ohnehin rücklaufig ist. Möglicherweise ist das Ganze aber auch ein Testlauf: Die Verbreitung mobiler Adblocker nimmt laufend zu. Und so, wie sich die Programme bereits auf Facebook-Ads auf dem Desktop ausgewirkt haben, könnte in naher Zukunft auch der mobile Newsfeed von der Adblocking-Problematik betroffen sein. ire
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