Angriff auf „Spiegel“, „FAZ“ und Co Springer erwirkt EV gegen „Quality Impact“ und geht mit WeltN24 in die Offensive

Donnerstag, 07. April 2016
WeltN24-Geschäftsführerin Stephanie Caspar
WeltN24-Geschäftsführerin Stephanie Caspar
Foto: Amin Akhtar

Schlagabtausch zwischen WeltN24 und der Allianz aus „Süddeutsche“, „FAZ“, „Zeit“, „Spiegel“ und „Handelsblatt“. Ende 2015 hatten die Vermarktungschefs der Allianz-Verlage die aufwendige Studie „Quality Impact“ präsentiert. Zentrale Aussage: Den Titel „A-Medium“ verdienen nur die fünf genannten Titel - die „Welt“ aber nicht.

Bei WeltN24 fand man das gar nicht witzig, zog vor Gericht - und bekam Recht. Folge: Die „Quality Impact“-Verlage dürfen mit der Studie nicht mehr werben. Ursprünglich waren über 100 gemeinsame Termine bei Mediaagenturen und Werbekunden geplant. Die sind nun erst einmal gestoppt.

Durch ist das Thema freilich noch lange nicht. Die „Quality Impact“-Verlage warten jetzt erst einmal die Urteilsbegründung für die Einstweilige Verfügung ab - um dann wohl ihrerseits juristische Schritte einzuleiten.

HORIZONT Online sprach mit WeltN24-Geschäftsführerin Stephanie Caspar über den Fall. Weitere Themen des Interviews:

 -    Neue Website: Im 3. Quartal gehen WeltN24 mit einer gemeinsamen Website an den Start. Und die soll neue Maßstäbe setzen. Caspar: „Es entsteht ein ganz neues digitales Angebot, mit dem wir der Zeit wieder einen Schritt voraus sein wollen.“

-    Bezahlinhalte: WeltN24 will auch in Sachen Paid Content Akzente setzen. Bisher ging es den Verlagen ja vor allem darum, einen passablen Stamm an Digital-Abos aufzubauen. In der nächsten Phase muss das Zeil nun lauten, endlich auch im Netz vernünftige Preise durchzusetzen. Caspar: „Hervorragender Journalismus muss auch im Digitalen seinen fairen Preis haben. Diesen Weg werden wir weiter beschreiten - auch wenn wir kurzfristig vielleicht den einen oder anderen Abonnenten verlieren.

-    Printmedien: Bei aller digitalen Begeisterung bricht Caspar auch eine Lanze für Print: „Wenn man einen echten Scoop oder ein tolles Interview hat, ist es in Deutschland nach wie vor wichtig, diese Geschichten in Print zu bringen. Für viele Entscheider besitzt Print nach wie vor einen höheren Stellenwert als Digital.“

"Wollen eines der größten und wichtigsten journalistischen Digitalangebote sein"

Neue Website soll "Meisterstück" werden: WeltN24-Chefin Stephanie Caspar
Neue Website soll "Meisterstück" werden: WeltN24-Chefin Stephanie Caspar (Bild: Matti Hillig)

Stephanie Caspar über die für das 3. Quartal geplante neue Website von Welt.de

Wir werden Welt.de und N24.de unter einer Marke und in einem digitalen Produkt zusammenbringen. Es geht um die perfekte Kombination aus Text, Foto und Bewegtbild. Die neue Website soll ein Meisterstück unserer gemeinsamen Organisation werden. Es entsteht ein ganz neues digitales Angebot, mit dem wir der Zeit wieder einen Schritt voraus sein wollen und das wir fortlaufend weiter optimieren werden. Bei der Integration von "Welt" und N24 geht es darum, ein Nachrichtenunternehmen völlig neuen Formats zu entwickeln.

Über die Idee hinter dem neuen Auftritt

Ich sehe zwei entscheidende Aspekte. Das eine ist „live“ und Emotionalität. Die Menschen wollen hautnah dabei sein, wenn etwas passiert, da müssen wir einfach herausragend gut sein. Neben aktuellem Bewegtbild wird Welt.de aber auch weiterhin für ausgeruhten Journalismus, tiefe Recherche und Einordnung stehen. Ich finde es sehr interessant, dass gerade die jüngere Generation zunehmend nach solchen Angeboten verlangt. Es gibt da einen gewissen Überdruss nach dem Motto: „Ich weiß nicht mehr, was wichtig ist und wem ich wirklich vertrauen kann“. Die Kombination aus Bewegtbild und Aktualität auf der einen sowie Einordnung und langen Texten auf der anderen Seite hat bisher noch kein Angebot wirklich hinbekommen. Das ist unsere Chance.

Verschwindet N24.de komplett?

Ja, wobei wir uns ausreichend Zeit lassen, die N24-User von dem neuen Digitalangebot unter Welt.de zu überzeugen. Daher wird N24.de noch eine zeitlang weiterlaufen, bevor die Website und die App 2017 in dem neuen gemeinsamen Digitalangebot aufgehen. Unsere Geschichte ist erst dann wirklich komplett, wenn wir auch den Sender umbenannt haben. Wir setzen uns dafür bewusst kein exaktes Datum, aber 2017 soll der Wechsel erfolgen. Schon in diesem Jahr wird N24 ein neues Erscheinungsbild bekommen. 

An welchen Zielen lassen Sie sich messen?

Natürlich setzen wir uns große Ziele und natürlich ist unser Anspruch, eines der größten und wichtigsten journalistischen Digitalangebote zu sein. „Welt“ ist im Vergleich zum Wettbewerb digital weit vorn und verfügt mit N24 nun über den marktführenden Informationssender. Die Voraussetzungen sind also ideal, wir wollen aber mit der neuen Website ganz sicher nicht einfach Klicks hinterherjagen. Für mich stehen qualitative Kriterien wie Verweildauer, Abbruchraten, Engagement und User-Zufriedenheit im Mittelpunkt. Diese Kriterien werden im Übrigen auch immer wichtiger für das Werbegeschäft.

Über die Entwicklungen im digitalen Werbegeschäft 

Die Veränderungsdynamik ist im Digitalen einfach enorm hoch. Als wir gesehen haben, dass das Displaygeschäft nicht mehr so stark wächst, haben wir andere Werbeformen forciert. Diese neuen Entwicklungen sind immer auch mit neuen Technologien verbunden, die man erst einmal implementieren muss. Wir brauchen durch die Digitalisierung, die wir bei der „Welt“ schon vor 15 Jahren forciert haben, eine viel höhere Agilität, als wir das in der Vergangenheit gewöhnt waren. Was die zukünftige Entwicklung betrifft, bin ich ausgesprochen optimistisch. Ich bin überzeugt: Das Thema Native Advertising wird groß. Auch Video hat noch eine unglaubliche Dynamik.

Über die richtige Preispolitik bei Paid Content

 „Welt“ ist eine Premium-Marke. Das wirkt sich auch auf die Preise aus. Unsere App „Welt Edition“ kostet inzwischen 19,99 Euro, das sind 7 Euro mehr als bei der Einführung. Hervorragender Journalismus muss auch im Digitalen seinen fairen Preis haben. Diesen Weg werden wir weiter beschreiten - auch wenn wir kurzfristig vielleicht den einen oder anderen Abonnenten verlieren.

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Über die Rolle von Print

Auch wenn wir in Print natürlich kein großes Wachstum mehr sehen, ist dieser Bereich für unser Geschäft nach wie vor von zentraler Bedeutung - und das wird noch lange so bleiben. Deshalb arbeiten wir fortlaufend an unserer Printstrategie, mit der wir vor allem auf Reichweite in attraktiven Zielgruppen abzielen. Wenn man einen echten Scoop oder ein tolles Interview hat, ist es in Deutschland nach wie vor wichtig, diese Geschichten in Print zu bringen. Natürlich hat inzwischen jeder ein Smartphone - für viele Entscheider besitzt Print aber nach wie vor einen höheren Stellenwert als Digital.

Über den Rückstand der „Welt“ gegenüber „FAZ“ und „Süddeutsche“ im Printgeschäft

Die „Welt“ hatte sicher immer die Hypothek, anders als „Süddeutsche“ und „FAZ“ keinen starken regionalen Kernmarkt und kein großes Rubrikengeschäft zu haben. Auf der anderen Seite haben wir gerade deshalb viel aggressiver und mutiger auf Digital gesetzt, wovon wir bis heute profitieren. Insofern war der von Ihnen beschriebene Rückstand für uns am Ende eigentlich eine Chance.

Über die Studie „Quality Impact“, in der „Spiegel“, „Süddeutsche“, „Handelsblatt“, „Zeit“ und „FAZ“ als „A-Medien“ definiert werden - und die „Welt“ nicht.

Das ist einfach Blödsinn. Alle im Markt akzeptierten Studien zeichnen ein völlig anderes Bild. So ist die „Welt“-Gruppe in der LAE Marktführer bei den Entscheidern. Fakt ist: Allein im vergangenen Jahr hat sich kein Titel bei dieser Zielgruppe so gut entwickelt wie die „Welt“ mit einem Zuwachs von 16 Prozent. Wir haben festgestellt, dass die von Ihnen angesprochene Studie methodisch mehr als zweifelhaft ist. Das hat auch ein Gericht so bestätigt. Wir haben erwirkt, dass deren Kernaussagen nicht mehr verwendet werden dürfen. Eigentlich halte ich nichts davon, wenn wir Verlage uns gegenseitig gegen das Schienbein treten. Das macht uns selbst nur klein. Ganz ehrlich: Wenn ich sehe, wie „Süddeutsche“ oder „FAZ“ beim Thema Paid Content vorankommen, drücke ich den Kollegen doch die Daumen.

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