Angenehme Unterhaltung mit Stolperfalle "Sing meinen Song" im HORIZONT-Check

Mittwoch, 23. April 2014
Die Teilnehmer von "Sing meinen Song" (Bild: Vox/Timmo Schreiber)
Die Teilnehmer von "Sing meinen Song" (Bild: Vox/Timmo Schreiber)


Sieben bunt zusammen gewürfelte Stars auf einem Haufen in einem fremden Land? Man denkt automatisch an Z-Promis, Ekel-Prüfungen und jede Menge Zickenterror. RTLs Dschungelcamp sei Dank. Dass es auch angenehm anders geht, zeigt der Schwestersender Vox mit seiner neuen Sendung "Sing meinen Song", das mit seiner Unaufgeregtheit vom Start weg überzeugt. Doch darin lauert auch die Gefahr: Womöglich ist das Format zu brav. "Lasst uns das Tauschkonzert beginnen": Mit diesen Worten beginnen sechs Musiker ihr Abenteuer in Südafrika. Die Aufgabe für Sarah Connor, Andreas Gabalier, Sasha, Roger Cicero, Sandra Nasic und Gregor Meyle lautet: Gegenseitig ihre größten Hits singen - der Urheber entscheidet anschließend, welche Performance ihm am besten gefallen hat. Beaufsichtigt wird das Ganze von Singer-Songwriter Xavier Naidoo.

Mit dieser Zusammensetzung hat Vox schon einmal gute Voraussetzungen für eine erfolgreiche Sendung geschaffen: Sarah Connor, Sasha und Sandra Nasic mit ihrer Band Guano Apes waren zu ihrer Zeit hierzulande wirklich große Nummern. Roger Cicero und Andreas Gabalier haben stets erfolgreich ihre Nischen bedient. Und Naidoo gehört schon seit Jahren zu Deutschlands bekanntesten Musikern bzw. Produzenten - einzig Gregor Meyle, einst Zweitplatzierter bei Stefan Raabs Song-Contest SSDSDSSWEMUGABRTLAD, fällt ein wenig aus dem Rahmen. Von Z-Promis kann also keine Rede sein - entsprechend hoch dürfte die Aufmerksamkeit des Publikums ausfallen. 1,31 Millionen Zuschauer in der werberelevanten Zielgruppe und 11,1 Prozent Marktanteil zum Start sind jedenfalls vielversprechend.

Man muss auch nicht einmal unbedingt Fan einer Teilnehmer sein: die verschiedenen Interpretationen bieten durchaus Abwechslung, teilweise geben die Coverversionen den ursprünglichen Songs sogar einen erfrischend neuen Anstrich - siehe Roger Ciceros Version von Sashas "This is my Time". Und so nimmt man es den Musikern auch tatsächlich ab, wenn sie von den Performances zuweilen heftig bewegt werden - wenn man der Vorschau auf die kommenden Ausgaben glauben darf, teilweise sogar zu Tränen.

Welche Eindrücke überwiegen also? Man erinnert groovende, jubelnde, kopfnickende Musiker, die sich nach jeder Performance um den Hals fallen. Ärger? Gibt es keinen. Selbst wenn einem der Teilnehmer eine Performance mal nicht so gut gefallen haben sollte - es ist niemand böse. Wie sagt Xavier Naidoo gegen Ende der ersten Folge so schön? "Man will es irgendwie recht machen. So einfach ist das nicht, aber wir sind alle Kumpels." Reaktion von Sasha? "Er ist halt der Xaver. Er kann das." Friede, Freude, Eierkuchen.

Das ist angenehm anzuschauen und sorgt für jede Menge positive Stimmung. Doch möglicherweise könnte das für "Sing meinen Song" auch noch zum Problem werden. Denn Reibungspotenzial bietet das Format kaum. Alles ist toll, jeder ist super - das könnte für den geneigten Zuschauer schnell langweilig werden, wenn es so weiter geht. Es muss ja nicht gleich Proleten-Bashing a la Dieter Bohlen sein. Aber hin und wieder ein wenig Stress unter den Stars würde der Sendung wahrscheinlich gar nicht schaden. Dass es für den Gewinner des Abends nichts zu gewinnen gibt, sorgt auch nicht gerade für zusätzlichen Reiz.

Fazit: Musikfans und die Freunde sanfter Unterhaltung kommen voll auf ihre Kosten. Wer auf Krawall steht, sollte lieber weiter das Dschungelcamp einschalten. ire

"Sing meinen Song" läuft dienstags um 20.15 Uhr bei Vox
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