American Dad auf dem Arbeitsamt "Deutsches Fleisch" im HORIZONT-Check

Mittwoch, 29. Januar 2014
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"Ein mickriger Nischensender hat einer Truppe kaputter Gestalten ein eigenes Format gegeben": Mit diesen Worten aus dem Mund eines Bediensteten der "Freiwilligen Fremdkontrolle" (FFK) startet "Deutsches Fleisch" morgen auf ZDFneo. Das Format, das im vergangenen Jahr beim TV Lab des Spartensenders siegte, will ähnlich wie die US-Cartoonserien "American Dad" oder "Family Guy" mit der TV-Etikette brechen und bewusst Tabus verletzen.
"Deutsches Fleisch", so könnte man es zusammenfassen, erzählt von Menschen, die mit ihrer Umwelt und den Verhältnissen hadern. Dabei ist so gut wie jede Minderheit vertreten - klar, dass es zu zahlreichen politisch inkorrekten Anspielungen und so einigen Geschmacklosigkeiten kommt. Im Mittelpunkt steht "der Baron", der sich von seinem übermächtigen Vater, dem "oberbösereichen Fürsten" loszusagen versucht. Dabei trifft er auf Menschen, die ebenfalls alle auf ihre Weise an der Welt leiden: Gutmensch Malte möchte den Planeten am liebsten von allem Übel befreien, dabei hat er mit dem Migrantendeutsch sprechenden Tumor Wiebknecht selbst eine wahre Plage am Hals. Issa N Dhagi floh aus Sierra Leone, wo er einst Kindersoldat war, was ihn immer noch verfolgt. Und dann ist da noch das Geschwisterpaar Gitti und Kowalsky. Sie ist ehemalige Pornodarstellerin aus der DDR und will sich mit einem eigenen Imbiss eine neue Existenz aufbauen. Er ist ein pummeliger Nerd, der seiner Schwester treu ergeben ist.

Der Name der ersten Folge ist Programm: "Hartzlich willkommen" handelt davon, wie der böse Fürst seinen Sohn benutzt, um Gittis Hasenfabrik stillzulegen und in dem Gebäude stattdessen eine Waffenmanufaktur zu errichten. Die Belegschaft landet zunächst auf dem Arbeitsamt, einem grauen unfreundlichen Betonklotz direkt neben einer Dönerbude. Der Baron durchschaut den Plan allerdings und legt seinem Paps gemeinsam mit den übrigen Protagonisten das Handwerk. Was daran wirklich "deutsch" sein soll, ist ein wenig rätselhaft. Denn Massentlassungen und zwielichtige Geschäftsleute gibt es überall auf der Welt. Die Thematisierung von Hartz 4 oder deutscher Rüstungsexporte sind als deutsche Phänomene jedoch klar erkennbar.

Ansonsten lebt "Deutsches Fleisch" neben allerlei Absurditäten von Anspielungen auf das aktuelle Zeitgeschehen oder verrückte Medienphänomene. Es soll eine Serie sein, "die sich mit inhärent deutschen Eigenheiten und popkulturellen Zitaten beschäftigt - und darüber hinaus auch noch lustig ist", wie der Berliner Werbetexter Ilja Schmuschkowitsch, der gemeinsam mit Andreas Knop und Willy Kramer für das Drehbuch verantwortlich ist, nach Gewinn des TV Labs zu HORIZONT.NET sagte. Ein Gagfeuerwerk ist die Serie allerdings nicht. Wenn es den Machern darum ging, beim Zuschauer eher hochgezogene Augenbrauen als Lachkrämpfe hervorzurufen, hat das funktioniert. In diesem Punkt unterscheidet sich "Deutsches Fleisch" übrigens auch von US-Vorbildern wie "American Dad", "Family Guy", "South Park" oder "Drawn Together", die zwar ähnlich funktionieren, aber dennoch für wesentlich mehr Schenkelklopfer sorgen.

"Deutsches Fleisch" tut dem Programm von ZDFneo definitv gut. Die Serie hat durchaus das Potenzial, sich eine kleine aber treue Fangemeinde heranzuzüchten, wie es schon vielen Formaten bei dem Spartensender gelungen ist. Der späte Sendeplatz um 23.30 Uhr, der wahrscheinlich dem schrägen Inhalt geschuldet ist, dürfte dabei kaum ein Hindernis sein. ire
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