Algorithmus-Umstellung bei Google Was Betreiber mobiler Seiten nun beachten müssen

Dienstag, 14. April 2015
Besonders für E-Commerce-Unternehmen ist eine für die mobile Nutzung optimierte Website wichtig
Besonders für E-Commerce-Unternehmen ist eine für die mobile Nutzung optimierte Website wichtig
Foto: Colourbox
Themenseiten zu diesem Artikel:

Google Jens Fauldrath Optimierung Google


Am 21. April ändert Google seinen Such-Algorithmus. Die mobile Optimierung von Websiten wird dann zum Ranking-Faktor in den mobilen Suchergebnissen. Heißt: Nur Seiten, die dem Nutzer auch im Mobile-Bereich eine angenehme Erfahrung bieten, werden von der Google-Suchmaschine prominent ausgewiesen. Was das für Seitenbetreiber bedeutet, erklärt Jens Fauldrath, Geschäftsführer der Darmstädter Online-Marketing-Beratung Takevalue, im Interview mit HORIZONT Online.

Herr Fauldrath, am 21. April stellt Google seinen Such-Algorithmus um. Ob Webseiten für Mobile optimiert sind, wird in den mobilen Suchergebnissen dann ein Rankingfaktor. Warum macht Google das? Googles generelle Philosophie beim Thema Suche lautet: den Nutzern ein gutes Sucherlebnis zu liefern. Dazu gehört natürlich, dass der Inhalt relevant ist, die in den Suchergebnissen angezeigten Informationen stimmen und diese gut konsumierbar sind. Das ist bei Mobile eine andere Herausforderung als auf dem Desktop. Kommt der Nutzer auf Seiten, die auf dem Smartphone schlecht aussehen, fragt er sich, warum Google ihm so etwas liefert.

Takevalue-Geschäftsführer Jens Fauldrath
Takevalue-Geschäftsführer Jens Fauldrath (Bild: Privat)
Theoretisch könnte Google sagen: Wir sind unangefochtener Marktführer, bei uns müssen die Leute sowieso suchen – da ist die Erfahrung doch fast schon zweitrangig. Mit dieser Einstellung hat man das Monopol aber nicht lange. Wenn ich aufhöre mich zu entwickeln, werde ich verlieren. Im Moment sehe ich niemanden, der Google gefährden könnte – auch deswegen, weil Google eine so hohe Innovationsgeschwindigkeit an den Tag legt, die kaum jemand mitgehen kann.

Was bedeutet Mobile Friendly genau? Das ist eine knifflige Frage. Im Großen und Ganzen muss eine Seite mobile gut aussehen und gut bedienbar sein. Google hat beispielsweise gewisse Bedingungen für Schriftgrößen oder dafür, wie weit Links auseinander liegen dürfen. Wie man das löst, ob man seine Seite etwa im Responsive Design anlegt oder eine Mobile-Variante einer Website aufsetzt, ist dem Betreiber freigestellt. Nur man muss es technisch richtig machen. Und dort liegt die Tücke sehr im Detail.

Mobile-optimierte Websites tauchen in der Smartphone-Suche mit dem Vermerk "Für Mobilgeräte" auf
Mobile-optimierte Websites tauchen in der Smartphone-Suche mit dem Vermerk "Für Mobilgeräte" auf (Bild: Screenshot Google)
Was heißt das konkret? Google bewertet nicht ganze Domains, sondern einzelne URLs. Ein Beispiel: Ist eine Unterseite wie ein Blogbeitrag nicht für die mobile Ansicht optimiert, wird das von Google erkannt und entsprechend schlechter bewertet. Ich kann daher nur jedem raten, den Report „Benutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten“ in den Google Webmaster Tools für die eigene Seite genau anzusehen und bei Fehlermeldungen durch Google schnell zu handeln.

Was droht denn, wenn man sich nicht daran hält? Dramatische Traffic-Einbrüche? Ich kann mir nicht vorstellen, dass es ein Problem bei Suchanfragen zu Brands gibt. Nehmen wir an, der "Spiegel" wäre nicht mobile friendly. Würde ich danach suchen, würde mir Google trotzdem Spiegel Online anzeigen. Außerdem betrifft die Umstellung explizit noch nicht Google News, was für Medienhäuser schon einmal sehr positiv sein dürfte. Anders sieht es aus, wenn ich nach bestimmten Themen suche. Hier kann eine nicht mobile optimierte Seite im Ranking schnell verloren gehen.

Und wer einmal raus ist, ist raus? Zum Glück nicht. Google crawlt regelmäßig URLs. Wenn sie dabei feststellen, dass eine Seite für Mobile optimiert wurde, wird sie auch wieder in die Suchergebnisse aufgenommen. Das funktioniert aber natürlich auch in die andere Richtung.

„Kommt der Nutzer auf Seiten, die auf dem Smartphone schlecht aussehen, fragt er sich, warum Google ihm so etwas liefert.“
Jens Fauldrath
Sind große Seitenbetreiber eigentlich im Vorteil, weil sie sich das entsprechende Knowhow für Webseitenoptimierung leisten können? Im Prinzip ja – aber umgekehrt nehmen wir es ja auch hin, dass sich nur Unternehmen ab einer bestimmten Größe TV-Werbung leisten können. So ist das Leben. Abgesehen davon: Gerade Mittelständlern aus dem B2B-Bereich würde ich dazu raten, einmal in den Google Webmaster Tools nachzuschauen, wie hoch überhaupt ihr mobiler Traffic ist.

Und wie sieht es bei Webhändlern aus? Heute suchen die Kunden doch verstärkt über das Smartphone nach Produkten. Richtig – aber für diese Unternehmen war Mobile schon immer wichtig. Außerdem ist die reine Auffindbarkeit einer Seite nur ein Thema. Man will als E-Commerce-Unternehmen ja nicht nur Traffic, sondern vor allem Conversions und Umsatz. Wenn also die Bilder auf der mobilen Seite eines Webshops zu groß sind, man dadurch nichts sehen kann oder wenn die Bestellstrecke schlecht konzipiert ist, hilft auch die Auffindbarkeit der Seite nichts. Wenn solche Seiten künftig von Google abgestraft werden, dürfte den Betreibern wahrscheinlich kaum Umsatz entgehen, weil sie schon vorher Mobile-Kunden nicht ordentlich bedient haben.

Wie weit sind deutsche Webhändler Ihrer Erfahrung nach bei dem Thema? Wer halbwegs ernsthaft E-Commerce betreibt, ist meistens auch mobile gut aufgestellt. Das ist wie überall in der freien Wirtschaft: Nehme ich etwas nicht ernst, kann ich auch nicht erwarten, eine große Rolle zu spielen. Mittelfristig macht es natürlich Sinn, wenn Seitenbetreiber in der Lage sind, jedes Device zu bedienen. Bei Relaunches sollte man daher Mobile immer mit im Blick haben. Interview: Ingo Rentz

So testen Sie, ob Ihre Seite Mobile Friendly ist:

In den Google-Webmastertools gibt es eine Unterseite, auf der Seitenbetreiber überprüfen können, ob ihre Seite für die mobile Nutzung optimiert ist. Dazu muss man in das Suchfeld einfach die URL eintragen, um die es geht, und auf "Analysieren" klicken. Ist die Seite "Mobile Friendly", wird dies wie hier am Beispiel von HORIZONT Online angezeigt. Ist dies nicht der Fall, kann man sich von Google die kritischen Stellen anzeigen lassen.
So sagt Google einem, ob die eigene Seite "Mobile Friendly" ist
So sagt Google einem, ob die eigene Seite "Mobile Friendly" ist (Bild: Google)


Meist gelesen
stats