Algorithmus-Regulierung Verlage fordern von Plattformriesen neutrale Auffindbarkeit von Presseinhalten

Freitag, 14. Juli 2017
Die Google-Suche ist ein wichtiger Nachrichtenlieferant
Die Google-Suche ist ein wichtiger Nachrichtenlieferant
© Claudio/Colourbox
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Formeln für Vielfalt? Algorithmen bestimmen immer stärker die Sichtbarkeit von Internet-Inhalten – auch von Journalismus. Politik und Verlage nehmen das Thema auf ihre Agenda.

Nach seinem nun auch vom Bundesrat durchgewinkten "Anti-Internet-Hass"-Gesetz denkt Justizminister Heiko Maas (SPD) laut über weitere Schritte nach – und nimmt jetzt die Algorithmen von Google, Facebook und Co ins Visier. Dies wurde in der vergangenen Woche deutlich, gefolgt von heftiger Kritik aus der Digitalwirtschaft. Und die Verlage?

Sie haben sich ihre Karten offenbar noch nicht final gelegt und verweisen an ihre Verbände – was auch daran liegt, dass bisher niemand so recht weiß, was genau die (zukünftige) Regierung da vorhat. So kursierten vergangene Woche mehrere Versionen des Manuskripts jener Rede, mit der Maas seine Gedanken vortrug. Doch es lohnt, sich schon jetzt mit diesem Thema zu befassen.

Denn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte im vergangenen Herbst von den Internetkonzernen mehr Transparenz bei deren Algorithmen gefordert – und Merkel könnte mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auch nach der Wahl Kanzlerin sein als Maas Minister. Die Algorithmisierung der Nachrichtendistribution dürfte die Verlage als wichtige Lieferanten und Absender der Inhalte also erst recht in der kommenden Legislaturperiode beschäftigen. HORIZONT-Nachfrage bei den Verlegerbänden: Was ist von diesen Überlegungen zu halten?

Der Zeitschriftenverband VDZ will, dass „monopolähnliche“ Plattformen allen legalen Inhalten „diskriminierungsfreie Zugangsrechte gewähren“ müssten, und nennt das Beispiel Presse-Grosso – doch betont grundsätzlich die Wahlfreiheit auch von Unternehmen bei Meinungen und Vertragspartnern als das „Wesen der bürgerlichen Grundrechte“.

Der BDZV legt die Latte etwas tiefer: Bereits „marktdominante“ Netze und Suchmaschinen müssten Zeitungsinhalte neutral auffindbar machen („Must-Be-Found“-Regeln). Bisher seien die Kriterien nicht transparent. „Die Plattformen können Inhalte, ganze Medienprodukte und damit Meinungen auslisten, verstecken oder auch bevorzugen“, so der Zeitungsverband. Entscheidend für den Erfolg eines Angebotes sei es schließlich, durch prominente Platzierungen gefunden zu werden, unabhängig davon, ob es sich um – bei Google unbeliebtere – Bezahlangebote handele.

Das klingt zumindest nicht nach Fundamentalkritik an Maas‘ Gedanken. Doch es steht auch noch ein ganz anderes Szenario im Raum. Mehr dazu lesen Abonnenten in der HORIZONT-Ausgabe 28/2017 vom 13. Juli 2017. rp

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