Alan Rusbridger zum NSA-Skandal "Jegliche Kommunikation kann gelesen werden"

Donnerstag, 23. Januar 2014
Alan Rusbridger auf dem HORIZONT Award (Bild: Thomas Fedra)
Alan Rusbridger auf dem HORIZONT Award (Bild: Thomas Fedra)


Im Juni 2013 trifft "Guardian"-Chefredakteur Alan Rusbridger eine Entscheidung, die die Welt verändert: In seiner Zeitung veröffentlicht er Teile von Edward Snowdens geheimem NSA-Material und damit den größten globalen Überwachungsskandal aller Zeiten. Im Interview mit HORIZONT spricht Rusbridger über die Folgen und die Aufgaben von Journalisten.
HORIZONT.NET veröffentlicht Auszüge aus dem Gespräch; das vollständige Interview ist nachzulesen in der aktuellen HORIZONT-Printausgabe 4/2014.

Alan Rusbridger über:

...den Moment, als er zum ersten Mal Einblick in das Material von Edward Snowden hatte:


"Wir hatten es plötzlich mit einer echt großen Geschichte zu tun. Vor mir lag geheimes Material, das sehr viele sehr mächtige Menschen betraf. Da gibt es schon den Moment, in dem man tief durchatmen und nachdenken muss."

...schlaflose Nächte:

"Ich habe wohl noch nie so gründlich über eine Story nachgedacht. Es gab viele logistische Dinge zu bedenken, denn es war klar, dass wir auf alle herkömmlichen Kommunikationsmittel verzichten mussten."

...die Aufgaben von Journalisten:

"Edward Snowden kam zu uns und überließ uns die Entscheidung, wie wir mit dem Material umgehen. Und ich glaube, genau das ist die Rolle der Presse. Es geht darum, wem die Gesellschaft zutraut, genau diese Entscheidungen zu treffen. Die Presse sollte die letzte Werte-Instanz sein, wenn alle anderen versagt haben."

...über die Auswirkungen des NSA-Skandals auf die eigene Kommunikation:

"Ich würde nie wieder irgendetwas in eine E-Mail packen, von dem ich will, dass es geheim bleibt. Grundsätzlich bin ich sehr vorsichtig geworden im Umgang mit vertrauenswürdigen Quellen, und ich halte auch meine Kollegen dazu an, Informationen zu verschlüsseln. Wenn es um vertrauliche Dinge geht, sollte kein Mobiltelefon im Raum sein. Letztlich muss jedem bewusst sein, dass jegliche Kommunikation von irgendjemanden gelesen werden kann." kl
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