Akquisitionen voraus G+J will Digitalerlöse um über ein Drittel steigern / Gemeinsame Deals mit RTL?

Montag, 04. Juli 2016
Gruner + Jahr will in im Digitalgeschäft kräftig wachsen
Gruner + Jahr will in im Digitalgeschäft kräftig wachsen
Foto: G+J

Sportliche Ansage: Gruner + Jahr will seine Digitalerlöse in diesem Jahr um 30 bis 40 Prozent steigern – mit organischem Wachstum der Werbe- und Transaktionserlöse, aber auch mit weiteren Zukäufen. Dies verkündet G+J-Digitalchef Arne Wolter im Pressegespräch. Und erwähnt ausdrücklich die Option, sich mit der großen Konzernschwester RTL an Unternehmen zu beteiligen.

Im vergangenen Jahr waren die G+J-Digitalerlöse, das ist bekannt, um 19 Prozent gestiegen, 2014 waren es 26 Prozent. Ihr Anteil am G+J-Gesamtumsatz (2015: 1,54 Milliarden Euro) ist von 17 Prozent in 2014 auf 19 Prozent im Jahr 2015 gewachsen.

So will die G+J-Performance-Vermarktungstochter Ligatus nach den Übernahmen von Adyard (2010) und Veeseo (2014) in den kommenden Wochen eine weitere kleine Adtech-Firma kaufen und deren Technologie auch in allen Auslandsmärkten ausrollen. Welche das ist, will Wolter noch nicht sagen. Dafür aber, dass der angekündigte „Schöner Wohnen“-Shop im August an den Start geht, mit der Technologie des Onlinehändlers Danato, den G+J im vergangenen Juni gekauft hat. Darüber hinaus plane man weitere Akquisitionen, so Wolter, mag aber auch hierzu noch nichts Näheres sagen.

Gruner+Jahr-Digitalchef Arne Wolter
Gruner+Jahr-Digitalchef Arne Wolter (Bild: Gruner + Jahr)
Stattdessen nutzen er und seine Kollegen das Pressegespräch, um das herum es mit einer dpa-Vorabmeldung und einem Interview mit dem Digital-Magazin „Unified“ (am Wochenende dann übernommen vom Branchendienst Meedia) einiges Getrommel gegeben hat, zum Rekapitulieren der seit langem bekannten G+J-Digitalstrategie. Sie fußt inhaltlich auf dem alliterativen Dreiklang Content (die Websites der Titel), Community (etwa Chefkoch.de) und Commerce, dem Handel mit passenden Produkten – jeweils entlang der Haupt-Themenfelder, die G+J für sich auserkoren hat, vor allem Kochen und Wohnen.

Wolter räumt auf Nachfrage ein, dass diese Strategie mit dem journalistischen Flaggschiff „Stern“ und stern.de „am schwierigsten umzusetzen“ sei. Denn eine interessensgesteuerte Community-Bildung und Handelsgeschäfte sind hier nur begrenzt möglich. Zum anderen nimmt stern.de unter den Newsportalen keine führende Stellung ein – genau dies ist laut Wolter jedoch eine Voraussetzung für florierende Community- und Commerce-Aktivitäten.

Organisatorisch hat G+J seine Akquisitionsaktivitäten nach dem Grad der Unternehmensreife in drei Stufen sortiert: Interne und externe Ideen testet – kostengünstiger und schneller, als es in Konzernstrukturen möglich wäre – die Sparte Greenhouse, die standesgemäß im hippen Hamburger Schanzenviertel werkelt. Zehn Projekte hat Greenhouse seit dem Start im Mai 2015 betreut. Drei davon seien marktreif, so Wolter: Club of Cooks (Vermarktungsnetzwerk für Kochvideos von Youtubern), Applike (Prämienprogramm und Suche für Spiele-Apps) und Swaply (Tool zum Management von Facebook-Aktivitäten).

Stufe Zwei bildet G+J Digital Ventures, der im Mai 2015 gestartete Investitionsfonds für Minderheitsbeteiligungen an Frühphasen-Startups, die allerdings bereits hoch fünfstellige Umsätze erzielen sollten. Der Fonds mit Managementsitz in Berlin ist mit 50 Millionen Euro ausgestatteten; wohl über die Hälfte davon soll indes über Mediavolumen spendiert werden (Media for Equity). Die Beteiligungen – Anfang des Jahres gab es hier den Designmöbel-Onlineshop Pamono zu vermelden, ein zweiter Deal soll in den kommenden Monaten folgen – sollen nach drei bis vier Jahren mit Gewinn verkauft oder komplett übernommen werden.

Um Mehrheitsbeteiligungen an etablierten Unternehmen kümmert sich, drittens, die M&A-Sparte. Mittlerweile tragen akquirierte Geschäfte rund 60 Prozent zum Digitalumsatz des Verlages bei, darunter der Online-Feinkostshop Delinero, die erwähnen Technologien und Community-/Commerce-Plattformen sowie das Vermarktungsnetzwerk Ligatus. Und in Zukunft darf man hier wohl auch mal gemeinsame Beteiligungen mit der großen Schwester RTL-Gruppe unterm Bertelsmann-Dach erwarten. Schon jetzt treten die M&A-Experten von G+J und RTL bei Sondierungs- und Verhandlungsgesprächen häufig gemeinsam an. rp

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