Ärger über Aktionsplan Privatradios verlassen Digitalradio-Board des Verkehrsministeriums

Freitag, 17. Februar 2017
Klaus Schunk ist Vorsitzender des Fachbereichs Radio im VPRT
Klaus Schunk ist Vorsitzender des Fachbereichs Radio im VPRT

Die im VPRT organisierten privaten Radiosender beenden ihre Mitarbeit im Digitalradio-Board des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Grund dafür ist der Aktionsplan des Ministeriums für den Übergang des Hörfunks ins digitale Zeitalter, den der Lobbyverband des privaten Rundfunks ablehnt.
Der "Aktionsplan zur Transformation der Hörfunkverbreitung im digitalen Zeitalter", den das Ministerium gestern an die Rundfunkkommission der Länder übergeben hat, sieht unter anderem vor, nicht mehr genutzte UKW-Frequenzen abzuschalten, um den Umstieg auf den digitalen Standard DAB+ zu forcieren. Die Privatsender, die nach wie vor den Großteil ihrer Reichweite über analoge UKW-Frequenzen erzielen, lehnen dies strikt ab. "In dieser Form protektionistisch das Ende des meist genutzten UKW-Standards einzuleiten, der für die Privatradios noch lange und alternativlos Geschäftsgrundlage sein wird, ist nicht akzeptabel", schimpft der Vorsitzende des Fachbereichs Radio des VPRT, Klaus Schunk. "Werden UKW-Frequenzen von ARD oder Deutschlandradio zurückgegeben, sollten sie dafür genutzt werden, neue Gebiete für die seit jeher schlechter gestellten Privatradios zu versorgen und nicht staatlich eingezogen werden", so der Geschäftsführer von Radio Regenbogen. 

Man könne neue Technologien nicht politisch verordnen. Diese müssten sich am Markt durchsetzen. Der Ansatz, eine Roadmap für den Übergang in die digitale Radiozukunft zu erarbeiten, sei zwar ein "richtiger und wichtiger Versuch" gewesen. "Er ist aus Sicht der Privatradios leider gescheitert", so Schunk. "Der Entwurf des Aktionsplans gibt kein marktkonformes Migrationsszenario vor. Er fördert den Übertragungsstandard DAB+ einseitig und an den Markt- und Nutzungsgegebenheiten vorbei." 

Die privaten Radiosender sperren sich seit Jahren gegen die Abschaltung der analoger UKW-Frequenzen und den teuren Umstieg auf den digitalen Standard DAB+, da sie um ihre nach wie vor hohen Reichweiten fürchten. Die meisten privaten Radiosender setzen auf die digitale Verbreitung per Webradio. 

Aktuell besitzen erst rund zehn Prozent der deutschen Haushalte DAB+-taugliche Empfangsgeräte. Die öffentlich-rechtlichen Sender befürworten den Umstieg auf DAB+, gehen aber von langen Übergangsfristen aus. Nach Einschätzung des NDR-Hörfunkdirektors Joachim Knuth wird der Umstieg etwa zehn Jahre dauern.

Andere Länder sind da schon weiter. In Norwegen wird seit Januar die Verbreitung über UKW schrittweise eingestellt. Bis Ende des Jahres wird das skandinavische Land als erstes Land weltweit die analoge Verbreitung komplett einstellen. In Deutschland könnte die Umstellung auf DAB+ durch die Entscheidung des größten Betreibers von Sendeanlagen, Media Broadcast, das gesamte UKW-Geschäft zu verkaufen, indes neuen Schwung bekommen. dh
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