Adwords Warum Google Anzeigenplätze killt - und was das für Werbungtreibende bedeutet

Dienstag, 23. Februar 2016
Google verpasst seinem Adowrds-Programm ein Update
Google verpasst seinem Adowrds-Programm ein Update
Foto: Laurentiu Iordache / Colourbox

Google setzt weiter konsequent auf Mobile First. Ein weiterer Schritt in dieser Strategie: Heute beginnt der Suchriese weltweit damit, Adwords-Anzeigen in der rechten Spalte der Desktop-Suche zu eliminieren. Stattdessen wird ein weiterer Anzeigenplatz oberhalb der Suchergebnisse eingeführt.
Die Seitenleiste rechts von den Suchergebnissen wird dann anzeigenfrei bleiben. Eine Ausnahme macht Google lediglich für Shopping-Anzeigen, so genannte Product Listing Ads (PLA). Diese haben in den vergangenen Jahren stark an Beliebtheit hinzugewonnen, weil sie durch die Kombination von Text, Bild und Link eine deutlich bessere Performance an den Tag legen als reine Link-Anzeigen (der EU-Kommission sind sie gleichwohl offenbar ein Dorn im Auge, siehe hier). Komplett ersatzlos werden die Anzeigenplätze allerdings nicht gestrichen. Google führt einen weiteren Banner oberhalb der Suchergebnisse ein - damit erhöht sich deren Zahl auf maximal vier. Allerdings wird sich Google laut searchengineland.com hierbei wohl auf "hochkommerzielle" Suchbegriffe beschränken, also Wörter wie "Hotel" oder "Flug".

Die Maßnahme dürfte zum einen darauf abzielen, Googles Werbeumsätze nach oben schrauben, mutmaßt Marcus Tober: "Google weiß natürlich, dass die Click-Through-Rates über den organischen Ergebnissen viel stärker performen als rechts daneben", so der Gründer und CTO von Searchmetrics. Zum anderen wird es Google darum gehen, das Nutzererlebnis in der Google-Suche über mehrere Geräte hinweg einheitlicher zu gestalten - wobei das mobile Suchergebnis maßgeblich zu sein scheint. In eine ähnliche Richtung zielte auch schon das im vergangenen Jahr erfolgte Algorithmus-Update, das die Optimierung von Websites für die mobile Darstellung zum Rankingfaktor in den Suchergebnissen machte.

Es gibt aber noch einen anderen Grund für das Update, glaubt Tober. Durch den Wegfall der Werbeanzeigen auf der rechten Seite gebe es mehr Platz, um die Suchergebnisse aufzupeppen. Tober spricht in diesem Zusammenhang den Knowledge Graph an, jenen Kasten, der zusätzliche Informationen zum gesuchten Begriff bietet. "Das verwundert auch nicht, denn der Erfinder bzw. maßgebliche Treiber des Knowledge Graphs, John Giannandrea, wird neuer Chef von Googles Suche und damit Nachfolger von Amit Singhal", so der Searchmetrics-Chef.
Das Adwords-Update wird wohl den Knowledge-Graph in den Suchergebnissen - hier rechts im Bild - aufwerten
Das Adwords-Update wird wohl den Knowledge-Graph in den Suchergebnissen - hier rechts im Bild - aufwerten (Bild: Screenshot Google)
Die Frage ist, was die Änderung für Adwords-Kunden bedeutet. Bei der Performance Marketing-Agentur Explido iProspect schätzt man, dass es auf Seiten der Werbungtreibenden Gewinner und Verlierer geben wird: "Schwer wird es für die Werbetreibenden, die ein breites Angebot bewerben und sich bisher über eine günstige Anzeigenposition rechts Traffic eingekauft haben. Natürlich kann es passieren, dass diese Werbetreibenden nun die Gebote spürbar erhöhen, um sich die Top-4-Positionen zu sichern", heißt es in einem Blogbeitrag der Agentur.

Umso wichtiger werde es für Werbungtreibende daher, den Einsatz von PLAs auszubauen sowie die Content- und SEO-Maßnahmen zu intensivieren, rät Marc Rüsing, Director SEA bei der Berliner SEO-Agentur PerformicsAKM3. Gleichzeitig dürfte der Preiskampf um den höchsten CPC gerade für nicht so finanzkräfige Adwords-Kunden spürbare Folgen haben, glaubt Rüsing: "Insbesondere kleinere Unternehmen werden von dieser Änderung überproportional stark betroffen sein, da große Marken sich höhere CPCs in der Regel aufgrund höherer Budgets und der Kraft der Marke hinsichtlich der Conversion Rate eher leisten können."

Der bislang bei Google geltende Gleichheitsgrundsatz werde dadurch zumindest infrage gestellt, findet Rüsing. Dennoch gebe es eine Alternative: Amazon. "Wer seine Produkte auch auf Amazon gelistet hat, sollte darüber nachdenken, mehr Budget in die Optimierung und Werbung auf Amazon und anderen Marktplätzen zu investieren. In diesem Bereichen ist derzeit noch ein sehr guter ROI zu erzielen", so der SEO-Experte. ire
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