"Adieu, Schimmi!" So trauert Deutschland um Götz George

Montag, 27. Juni 2016
Deutschland trauert um Götz George
Deutschland trauert um Götz George
Foto: WDR/Fulvio Zanettini

Der Tod von Götz George alias Horst Schimanski hat in Deutschland Trauer und Bestürzung ausgelöst. "Adieu, Schimmi. Mit Götz #George verliert unser Land einen unserer großen Charakterdarsteller", twitterte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

"Sehr traurig" war auch Frank-Walter Steinmeier (SPD). Der Bundesaußenminister bezeichnete George als einen "der größten deutschen Schauspieler". Kulturstaatsministerin Monika Grütters sprach von einem "unersetzlichen Verlust". Grünen-Bundeschefin Simone Peter schrieb: "Ein toller Schauspieler mit Ecken und Kanten. Er wird unvergessen bleiben!"

George war bereits am 19. Juni mit 77 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben, wie seine Agentin am späten Sonntagabend in Berlin mitteilte. Für Millionen Fernsehzuschauer war er vor allem der raubeinige "Tatort"-Kommissar Schimanski aus dem Ruhrgebiet. In 32 Jahren verkörperte er diese Rolle 48 Mal, im Fernsehen und auf der Kinoleinwand, glänzte aber auch als Charakterdarsteller in vielen Spielfilmen.

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Er hat mit seiner direkten, kantigen Art und seinem ‎trockenem Humor in unzähligen Rollen Maßstäbe gesetzt", sagte Grütters. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) erklärte: "Götz George war ein großer Schauspieler voller Energie und Empfindsamkeit. Mit Schimanski hat er ein Stück NRW-Geschichte geschrieben." Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) meinte: "Er war ein Großer, ein ganz Großer für Deutschland."

Regisseur Roland Suso Richter, in dessen Film "Nichts als die Wahrheit" George 1999 den KZ-Arzt Josef Mengele spielte, erinnerte an dessen leidenschaftlichen Arbeitseinsatz. "Götz George war abends immer ganz anders, wir haben viel Rotwein getrunken, wir haben viel über die Rolle gesprochen, und am Morgen, wenn er aus seinem Trailer kam, war er Mengele, und er blieb Mengele bis zum Abend", berichtete Richter im Deutschlandradio Kultur.

Der frühere Fußballnationalspieler Christoph Metzelder und der Schauspieler Matthias Schweighöfer hielten ihre Abschiedsformeln recht kurz: "Tschüss, Schimanski", schrieb Metzelder auf Twitter, "R.I.P. Götz George" Schweighöfer auf Facebook - übersetzt: Ruhe in Frieden. Schauspielerin Veronica Ferres twitterte: "Scheisse, tut das weh."

Eine seiner berühmtesten Kinorollen hatte der gebürtige Berliner als homosexueller Massenmörder Fritz Haarmann in "Der Totmacher" von 1995. In Satiren wie "Schtonk!" oder "Rossini" zeigte George sein komödiantisches Talent. 2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt. Sechs Jahre später spielte er im TV-Drama "George" seinen eigenen Vater Heinrich, der wegen seiner Schauspieler-Karriere in der Nazi-Zeit umstritten war.

2014 wurde Götz George mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Juli wäre er 78 Jahre alt geworden. Vor zwei Jahren hatte er erklärt, er wolle sich nach 65 Arbeitsjahren aus dem Schauspielgeschäft weitgehend zurückziehen. 2015 stand er dann zum letzten Mal vor der Kamera: Im ARD-Krimi-Drama "Böse Wetter" spielte er einen Bergbau-Baron - nicht im Ruhrgebiet, sondern im Harz. Ein Ausstrahlungstermin für den Film steht noch nicht fest.

Sein Privatleben hielt George immer weitgehend unter Verschluss. Auch die Nachricht von seinem Tod wurde erst mit siebentägiger Verzögerung an die Öffentlichkeit gegeben. "Götz George hat sich eine Verabschiedung im engsten Kreis gewünscht", hieß es in der Mitteilung der Agentin. Von weiteren Nachfragen solle aus Rücksicht auf die Privatsphäre abgesehen werden. Die "Bild"-Zeitung berichtete, George sei in Hamburg im Kreis der Familie beigesetzt worden. Dazu wollte die Agentin keine Angaben machen. dpa

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