Adblocking Nächster Angriff auf Systemebene

Freitag, 04. März 2016
Gerätehersteller erlauben mittlerweile verschiedenste Adblock-Apps
Gerätehersteller erlauben mittlerweile verschiedenste Adblock-Apps
Foto: Colourbox

"In den nächsten 18 Monaten wird Adblocking bei Mobile von einem Nicht-Thema zu einem ernsthaften Problem." Das prophezeite Johnny Ryan, Head of Ecosystem beim irischen Ad Defender Page Fair, bei einer Veranstaltung des Weltverbandes der Zeitungen WAN-IFRA Mitte Februar in Frankfurt. Keine zwei Wochen später stellt der britische Netzbetreiber Three auf dem Mobile World Congress in Barcelona seine Adblock-Initiative vor. Und auch in Deutschland kommen die Einschläge näher: Voraussichtlich noch in diesem Jahr will Vodafone Adblocker in sein Produkt "Secure Net" integrieren.
Bei "Secure Net" handelt es sich um einen kostenpflichtigen Service, der das Smartphone des Vodafone-Kunden bereits jetzt vor Viren, gefährlichen Daten und schädlichen Websites schützt. In den kommenden Monaten soll das Angebot um einen Ad-/Werbeblocker ergänzt werden, kündigt ein Sprecher an. Die anderen Netzbetreiber verhalten sich noch zurückhaltender. Telefónica, vom Thema ebenfalls betroffen angesichts der bei der Mobile World aufgekommenen Adblock-Pläne von O2, dementiert sämtliche Pläne für die über 40 Millionen Mobilfunkkunden in Deutschland. Auch die Telekom will die Grenzen für Werbung auf keinen Fall komplett dicht machen. Allerdings will man einer Sprecherin zufolge auf die Anonymisierung von Datenströmen setzen, die beispielsweise der Telekom-Partner Disconnect anbietet. Mit einer Cloud-Lösung, die in Österreich bereits in Produkte integriert wird, können Nutzer anonym nach Webinhalten suchen und vor dem Besuch einer Website prüfen, auf welche persönlichen Daten diese zugreift.

Seit Apple im Herbst vergangenen Jahres mit seinem neuen Betriebssystem iOS 9 Adblockern wie Purify und Crystal erlaubt, Werbung im Safari-Browser auszublenden, gerät das Refinanzierungsmodell für mobile Werbung in Gefahr, bevor es jemals richtig funktioniert hat. Vor allem weil dem Vorbild des kalifornischen Unternehmens auch andere Gerätehersteller folgen: Marktführer Samsung liefert derzeit ein Update auf seine Android-Geräte aus, das den offiziellen Browser Samsung Internet um eine zusätzliche API zum Blockieren mobiler Werbung erweitert. Auch Asus stattet seinen Browser standardmäßig mit einem Werbeblocker aus, der nicht mehr selbstständig installiert werden muss. Mit rund 15 Millionen Nutzern hat das Angebot zwar eine eher kleine Bedeutung im Markt – Signalwirkung hat das Vorgehen der Hersteller trotzdem.

"Wenn Samsung und Apple in ihren Browsern Adblocker zulassen, ist die Lage für uns ähnlich ernst wie im Desktop-Bereich", sagt Oliver von Wersch, stellvertretender Vorsitzender des Online-Vermarkterkreises (OVK) und Sprecher der  Geschäftsführung Gruner + Jahr Digital. Bislang sei der Prozentsatz an Werbung, der beispielsweise über den Safari-Browser in iOS 9 geblockt wird, allerdings verschwindend gering und "nicht vermarktungsrelevant". Allein die komplizierte Installation eines Adblockers auf dem iPhone stehe seiner flächendeckenden Verbreitung im Wege. kan

Update vom 4. 3. 2016: Vodafone hat inzwischen mitgeteilt, dass das Unternehmen seine Adblocker-Pläne auf Eis gelegt hat. 
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