Adblocker OVK weiß nichts von Eyeos Camp David

Dienstag, 19. Januar 2016
OVK-Sprecher Oliver von Wersch
OVK-Sprecher Oliver von Wersch
Foto: BVDW

Adblock-Plus-Betreiber Eyeo hat laut dem Online-Vermarkterkreis (OVK) keinen Vertreter des Gremiums zu dem europäischen "Camp David" nach London eingeladen. Dort will Eyeo am 2. Februar über seine Acceptable Ads Initiative diskutieren, die definiert, was "gute" Werbung ist, die trotz eingeschaltetem Adblocker durchgelassen wird, und was "schlechte", die Eyeo grundsätzlich ablehnt.
Das Programm ist bei den deutschen Publishern umstritten. Zum einen weil sie das Eyeo-Modell grundsätzlich ablehnen. Eyeo blockiert Werbung, lässt sie aber durch, wenn sie erstens den Kriterien des Acceptable Ads Program entspricht und zweitens von größeren Publishern auch noch dafür bezahlt wird. Letzteres hat Eyeo den Vorwurf der "digitalen Wegelagerei" eingebracht. Zum anderen sind aber auch die im Acceptable Ads Program festgelegten Kriterien für "gute" Werbung selbst umstritten, weil diese textbasierte Werbung wie Search auf Google begünstigt und zum Beispiel Bewegtbild- und Audiowerbung komplett ablehnt.

Mitte November hatte Eyeo in New York rund 20 Publisher, Tech-Firmen, Journalisten und Werbungtreibende zu einem "Camp David" eingeladen, um darüber zu sprechen, wie ein Acceptable Ads Committee aussehen könnte, das die Kriterien für "gute Werbung" festlegt. Darum soll es auch Anfang Februar in London im europäischen Camp David gehen.

Dazu sind laut Eyeo "selbstverständlich deutsche Marktpartner eingeladen". Doch nicht der OVK, der durch seine Zugehörigkeit zum Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) eigentlich dafür prädestiniert wäre, mitzureden, wenn es um Marktstandards geht. "Ich weiß nicht, wen Eyeo meint, eingeladen zu haben, wenn von ,deutschen Marktpartnern' die Rede ist. Aus dem Kreis der deutschen Premium-Publisher und -Vermarkter, das heißt dem OVK, ist mir jedenfalls kein Unternehmen bekannt, das eine Einladung zum Europa-Treffen bekommen hätte", sagt OVK-Sprecher Oliver von Wersch, hauptamtlich Geschäftsführer Gruner + Jahr Digital Products. "Das mag aber auch daran liegen, dass diese Häuser sich nicht als ,Martktpartner' von Eyeo verstehen", setzt er nach.

Mittlerweile klagen sechs im OVK vertretene Medienhäuser gegen Eyeo. Zuletzt war die Klage von Spiegel Online bekannt geworden, die am 4. Mai in erster Instanz vor dem Landgericht Hamburg verhandelt wird. pap

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