Adblocker OLG Köln stuft Whitelisting als unzulässig ein

Freitag, 24. Juni 2016
Dämpfer für Eyeo: Das OLG Köln hält Whitelisting für unzulässig
Dämpfer für Eyeo: Das OLG Köln hält Whitelisting für unzulässig

Teilerfolg für Axel Springer im Kampf gegen den Anbieter des führenden Werbeblockers Adblock Plus. Das Oberlandesgericht Köln hat das Geschäftsmodell von Eyeo, Werbung zu unterdrücken und die Anzeigen einzelner Unternehmen durch Whitelisting gegen Geld wieder freizuschalten, als unzulässig eingestuft.
Aufgrund des Blacklistings bestimmter Werbeformen befinde sich Eyeo in einer Machtposition, da Anbieter Werbung auf ihren Seiten nur durch das sogenannte Whitelisting wieder ausliefern können. Dieses Geschäftsmodell ist nach Ansicht des Gerichts eine "unzulässige aggressive geschäftliche Praktik" im Sinne des Wettbewerbsrechts. Die Unterdrückung von Werbung durch Adblocker hält das Gericht dagegen grundsätzlich nicht für wettbewerbswidrig. Eyeo darf Werbung auf den Seiten von Axel Springer in dieser Form damit nicht mehr unterdrücken und das Programm Adblock Plus in dieser Form außerdem nicht mehr vertreiben. Auch Updates bereits im Einsatz befindlicher Versionen dürfen nicht mehr angeboten werden.

Axel Springer begrüßt das Urteil: "Das Urteil des Oberlandesgerichts Köln gegen Eyeo hat Signalwirkung für alle Werbeblocker. Journalismus kostet Geld und muss sich immer auch durch Werbeerlöse finanzieren können – sowohl in der analogen Welt als auch im Internet. Illegale Eingriffe Dritter in unsere verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Produktgestaltung – hier durch das 'Ausschneiden' von Werbeanzeigen aus digitalen Medienangeboten – müssen und werden wir nicht hinnehmen", betont Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht bei Axel Springer. 

Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Das OLG hat wegen der grundsätzlichen Bedeutung des Falls eine Revision beim Bundesgerichtshof zugelassen. Eyeo hat in einer Stellungnahme angekündigt, wegen des Whitelistingmodells das BGH anzurufen. Bis dahin biete man Axel Springer kostenlos die Teilnahme am Acceptable Ads Programm von Adblock Plus an. Ob Axel Springer auf dieses Angebot eingehen wird, darf indes bezweifelt werden. 

Branchenvertreter begrüßten das Urteil. "Für das professionelle, seriöse Online-Business ist die Entscheidung des Oberlandesgerichtes Köln ein positives Zeichen, betont Oliver von Wersch, stellvertrender Vorsitzender des Onlinevermarkterkreises OVK im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW). "Das auf Whitelisting basierende, intransparente Geschäftsmodell von Adblock Plus ist nichts als Wegelagerei. Hier macht ein einzelnes Unternehmen Profit auf Kosten anderer und nimmt das Ende des vielfältigen und kostenfreien Internets in Kauf."

Allerdings wird von Experten auch nutzerfreundlichere Onlinewerbung angemahnt. "Auf Seiten der Werbungtreibenden muss ein Umdenken stattfinden", fordert Christian Griesbach, Managing Director DACH und Eastern Europe von Teads, einem Spezialisten für Online Video Advertising. "Der durch die Adblocker angestoßene Prozess, den User mit seinen Interessen wieder mehr in den Fokus der Werbung zu stellen, hat nach wie vor seine Gültigkeit. Frequenz, Relevanz und Gestaltung von Werbung müssen durch die Werbeindustrie überprüft und nutzerzentriert ausgerichtet werden."  dh
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