Adblocker-Klage Verwirrung um Zahlen von Adblock Plus - ein Rechenbeispiel

Freitag, 19. Dezember 2014
Till Faida (c) Adblock Plus
Till Faida (c) Adblock Plus

Bei der Anhörung vor dem Landgericht München diese Woche hatte Adblock-Plus-Betreiber Eyeo überraschende Zahlen genannt: Die Verbreitung von Adblock Plus unter den Internetnutzern in Deutschland belaufe sich lediglich auf 3,19 Prozent. Auf einer Diskussion an der Kingston University in Großbritannien nannte Adblock Plus indirekt jedoch weit höhere Zahlen - ebenfalls diese Woche. HORIZONT rechnet vor.
Die 3,19 Prozent, die Adblock Plus im Rechtsstreit mit Pro Sieben Sat 1 und RTL/IP am 17. Dezember genannt hatte, entsprächen bei 56 Millionen Internetnutzern in Deutschland (Agof Internet Facts 2014-9), rund 1,8 Millionen Nutzern. Das sind deutlich weniger als die 10 Millionen Nutzer, die Adblock-Plus-Geschäftsführer Till Faida im Interview mit HORIZONT Ende Mai genannt hatte. Diese Zahl war in der Verhandlung von Eyeo-Seite als grobe, ungenaue Schätzung abgetan worden. Unwidersprochen war in München jedoch der ebenfalls von Faida im Mai genannte Anteil von 15 bis 20 Prozent aller Downloads, die aus Deutschland kommen. Auf einer Diskussion an der Kingston University hat Adblock-Plus-Sprecher Ben Williams gesagt, dass Adblock Plus im Moment im Schnitt pro Woche 2 Millionen Downloads zählt, zitiert ihn The Media Briefing in einem Beitrag. Die Zahl der aktiven Nutzer liege zwischen 55 bis 60 Millionen, stellte Adblock Plus zudem gegenüber The Media Briefing klar. Diese Zahl steht explizit mit Verweis auf Williams in einem Update am Ende des Beitrags.

Wendet man den Anteil deutscher Downloads von 15 bis 20 Prozent nun auf die 55 bis 60 Millionen aktiven Nutzer an, käme man auf 8,25 Millionen bis maximal 12 Millionen deutsche Nutzer - also erneut auf die im Mai genannten um die 10 Millionen, die widerum 17,86 Prozent entsprächen. Und damit deutlich mehr als den von Adblock Plus genannten 3,19 Prozent.

Die Frage, wie hoch die Adblocker-Verbreitung nun tatsächlich ist, könnte bei der Frage wichtig werden, ob Eyeo den Wettbewerb behindert. Der nächste Verhandlungstermin für die beiden Klagen von Pro Sieben Sat 1 und IP/RTL Interactive ist am 25. März in München. Axel Springer klagt ebenfalls und zwar vor dem Landgericht Köln, Zeit Online vor dem Landgericht Hamburg. Bei Pro Sieben geht es um einen Streitwert von 2,5 Millionen Euro, bei RTL/IP um eine Million. pap
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