Adblocker-Klage Gericht hält Whitelisting für "in hohem Maße bedenklich"

Dienstag, 10. März 2015
Axel Springer kämpft gegen Adblock Plus
Axel Springer kämpft gegen Adblock Plus
Foto: Axel Springer

In der ersten Anhörung in der Klage von Axel Springer gegen den Adblock-Plus-Betreiber Eyeo hat das Landgericht Köln das umstrittene Whitelisting für "in hohem Maße bedenklich" erklärt. Die Parteien sind nun aufgefordert, ihre Standpunkte schriftlich einzureichen. Der nächste Gerichtstermin ist dann im Mai.
Die erste Rechtseinschätzung macht den Publishern Mut. Neben Axel Springer haben auch Pro Sieben Sat 1 und RTL/IP Deutschland sowie der Zeit Verlag Eyeo verklagt. Der erste Termin in München wo das Verfahren von Pro Sieben Sat 1 und RTL verhandelt wird, hatte wenig Mut gemacht. Dort werden vor allem die urheberrechtlichen Aspekte von Adblockern verhandelt, die die Werbung auf den Seiten der Publisher unterdrücken. In Köln dagegen geht es vor allem um das Wettbewerbsrecht. In einer ersten Rechtseinschätzung hat das Gericht zwar das Blacklisting, also die Unterdrückung der Werbung, nicht beanstandet. Wohl aber das Whitelisting. Adblock Plus betreibt ein so genanntes Acceptable Ads Programm, mit dem bestimmte Werbeformen als unbedenklich deklariert und trotz Adblockern ausgespielt werden.
„Das Bekämpfen der Schutzgeld-Mafia hat in Deutschland auch ganz gut funktioniert.“
Matthias Ehrlich
Hält Whitelisting für "Schutztgelderpressung": BVDW-Präsident Matthias Ehrlich
Hält Whitelisting für "Schutztgelderpressung": BVDW-Präsident Matthias Ehrlich (Bild: BVDW)
Größere Unternehmen, die auf die Whitelist wollen, müssen jedoch dafür zahlen. Dazu gehören große Konzerne wie Google und Microsoft. Die meisten großen deutschen Publisher weigern sich jedoch dagegen. Ein Vertreter von Axel Springer begrüßte die Einschätzung des Gerichts: "Die Hinweise der Kammer bestätigen unsere Auffassung, dass Verlage erpresserische Eingriffe in ihre Internetangebote nicht hinnehmen müssen", betont Claas-Hendrik Soehring, Leiter Medienrecht von des Berliner Medienkonzerns.

Auf einer hitzigen Podiumsdiskussion im Rahmen der D3con, die zeitgleich zur Anhörung in Köln stattfand, nannte Matthias Ehrlich Adblocking "Schutzgelderpressung". Der BVDW-Präsident kritisierte das Vorgehen in hohem Maße, erst die Werbung zu unterdrücken und dann damit sein Geld zu verdienen, dass sie wieder freigeschaltet wird.

Till Faida, Geschäftsführer von Adblock Plus, rühmte sich dagegen, für die Publisher die Zielgruppen zurückzugewinnen, die sie verloren hätten – aus seiner Sicht, weil die Publisher sie mit nervender Werbung vertrieben haben. Darüber, wie erfolgreich der juristische Weg ist, herrschte bei den Diskutanten und Zuhörern große Uneinigkeit.

Neben Adblock Plus gibt es eine Reihe weniger bekannter Adblocker-Betreiber, die die Lücken schnell füllen könnten und mittlerweile auch Technologie-Unternehmen, die Software anbieten, um Adblocker zu umgehen. Ehrlich bleibt jedoch optimistisch: "Das Bekämpfen der Schutzgeld-Mafia hat in Deutschland auch ganz gut funktioniert." Er stellt sich klar gegen Kooperationen mit Faida, der sich stets darum bemüht, sein Geschäftsmodell als eine Initiative zum Schutze der Internetnutzer und der Verbesserung der Qualität von Onlinewerbung darzustellen.

Ähnlich positioniert sich Björn Kaspring, Interactive-Media-Manager und stellvertretender Vorsitzender des Online-Vermarkterkreises (OVK). "Acceptable Ads haben nichts mit der Qualität einer Kampagne zu tun. Am Ende entscheidet der Nutzer, ob eine Kampagne gut ist und funktioniert oder nicht", sagt er. pap
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