Adblocker G+J-Manager Oliver von Wersch droht Adblock-Plus-Chef Schumacher

Donnerstag, 22. Oktober 2015
Versteinerte Miene: Oliver von Wersch lauscht den Ausführungen von Tim Schumacher
Versteinerte Miene: Oliver von Wersch lauscht den Ausführungen von Tim Schumacher
Foto: Medientage München

Hitzige Diskussion bei den Medientagen München: Erstmals stellte sich Tim Schumacher, Entrepeneur und Investor des Adblockers Adblock Plus, in einer Diskussion Oliver von Wersch, Gruner + Jahr und Steve Plesker, Strategy Director Scholz & Friends Group. In den letzten Jahren verteidigte stets Till Faida die Strategie von Adblock Plus.

"Ich an Ihrer Stelle würde sehen, dass ich einen eleganten Exit hinbekomme", riet von Wersch Schumacher mit Blick auf eine Klagewelle, die seines Erachtens auf Adblock-Plus-Betreiber Eyeo zurollt. In Deutschland haben bereits mehrere Publisher geklagt, die Verfahren wurden in erster Instanz jedoch abgewiesen, mehrere Kläger wollen jedoch in Revision gehen.

„Sie stehen vor dem Club als Türsteher, aber der Club gehört Ihnen nicht.“
Steve Plesker
Zudem sollen weitere Klagen in Vorbereitung sein. Von Wersch geht außerdem davon aus, dass auch Publisher aus dem Ausland den Klageweg beschreiten werden. Schumacher sieht sich falsch verstanden und betont seine Mission, Onlinewerbung besser machen zu wollen. Das umstrittene Whitelisting von Adblock Plus, bei dem Werbung, die bestimmten Kriterien entspricht, trotz Adblocker ausgespielt wird, sieht er als ein "Hand reichen" in Richtung Vermarkter. Diese lehnen das Whitelisting ab, weil die größeren Publisher für die Freischaltung außerdem zahlen sollen und so Adblock Plus finanzieren. Für die Nutzer ist der Adblocker kostenlos. "Wir sind der einzige Adblocker-Betreiber, der die Tür aufmacht", sagt Schumacher. Andere Betreiber würden den Vermarktern gar keine Möglichkeit mehr lassen, die Werbung auszuspielen.
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Bild: Axel Springer

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Von Wersch und auch Steve Plesker von Scholz & Friends sehen dies jedoch völlig anders: "Sie stehen vor dem Club als Türsteher, aber der Club gehört Ihnen nicht", kritisiert Plesker. Er glaubt jedoch, dass die Onlinewerbung besser werden muss, um die Reaktanz der Nutzer zu vermindern.

Als ersten Schritt, um gegen Adblocker vorzugehen, will von Wersch nun in Dialog mit dem Nutzer treten und testet entsprechende Anspracheformen seit heute auf Geo.de - eine Seite, für die sich Tim Schumacher offensichtlich persönlich begeistern kann.
„Wenn Sie diesen Dialog mit den Nutzern stören, wird es für sie juristisch unangenehm. Wenn Sie den auf Geo.de stören, werde ich Sie verklagen.“
Oliver von Wersch
Mit Blick auf Versuche der Zeit von vor zwei Jahren, die Nutzer über den Zusammenhang zwischen Werbung und Finanzierung von journalistischen Angeboten aufzuklären, droht von Wersch Schumacher offen: "Wenn Sie diesen Dialog mit den Nutzern stören, wird es für sie juristisch unangenehm. Wenn Sie den auf Geo.de stören, werde ich Sie verklagen", so von Wersch. Auf Zeit Online hatte Adblock Plus seinerzeit nicht nur die Werbung, sondern nach zwei Tagen auch die Dialogfenster geblockt. 
Adblocker
Bild: Adblock Plus

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