Adblocker Eyeo macht Geschäftsmodell transparent

Freitag, 18. Dezember 2015
Adblock-Plus-Geschäftsführer Till Faida
Adblock-Plus-Geschäftsführer Till Faida
Foto: Eyeo
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Eyeo Adblock Plus Adblocker Ben Williams


Der Adblock-Plus-Betreiber Eyeo legt sein Geschäftsmodell offen. Auf seiner Website bezeichnet die Kölner Firma ihre Acceptable Adds Initiative nun als "tragfähige Einnahmequelle" und legt die Kriterien dar, welche Werbung aus ihrer Sicht akzeptabel - spricht ausspielfähig - machen. Zudem stellt Eyeo ein Komitee in Aussicht, das darüber entscheiden könnte, wie die Kriterien definiert werden. Damit reagiert Eyeo auf Kritik aus dem Markt und auch einiger Gerichte. Gegen die Firma sind mehrere Verfahren anhängig.
Grundsätzlich blockiert Adblock Plus Werbung, lässt diese jedoch durch, wenn sie den Kriterien der Acceptable Ads Initiative entsprechen. Größere Firmen, darunter unter anderen Google, müssen jedoch zusätzlich dafür bezahlen, was dem Geschäftsmodell den Vorwurf der "digitalen Wegelagerei" eingebracht hat. Wann dieses Bezahlmodell greift, war bislang unklar. Nun definiert Eyeo: "Eine Organisation gilt als groß, wenn sie, aufgrund der Teilnahme an der Acceptable Ads Initiative, mehr als 10 Millionen zusätzliche Werbeimpressionen pro Monat verzeichnet." Als sogenannte "Lizenzgebühren" müssen diese Unternehmen 30 Prozent des via Whitelisting auf Adblock Plus erreichten Umsatzes an den Adblocker abgeben. Auch die Kriterien, die für Werbung gilt, die freigekauft werden kann, hat Eyeo nun genau erklärt und auch optisch dargelegt: Werbung sollte stets als solche zu erkennen und von anderen Inhalten klar zu unterscheiden sein. Sie sollte außerdem bestimmte Größen des sichtbaren Bereichs im Browser-Fenster nicht überschreiten. Zudem gibt es definierte Gestaltungsprinzipien für Text-, Bild-, In-Feed- und Suchwerbung.

Des weiteren definiert Eyeo generell nicht akzeptierbare Werbung. Dazu gehören nicht nur übergroße Werbemittel  und Overlays, sondern auch Sound- und Video-Werbung, wenn sie automatisch beginnt. Explizit gehören auch Pre-Rolls dazu, die in den meisten werbefinanzierten Bewegtbildangeboten automatisch starten.

Auch die Frage, wie Eyeo die Kriterien festlegt, hat immer wieder für Diskussionen gesorgt. Bislang hieß es, dass die Mitarbeiter dies mit Hilfe der Nutzer machen, was Eyeo den Vorwurf der Willkür eingebracht hat. Mitte November hat Eyeo sich in New York nun mit rund 20 Publishern, Tech Firmen, Journalisten und Werbungtreibenden zusammengesetzt, um zu beraten, wie ein "Acceptable Ads Committee" aussehen könnte, das die Initiative 2016 übernehmen könnte. Diskutiert wurde neben der Zielsetzung des Komitees - Eyeo setzt sich mit Adblock Plus offiziell für eine Verbesserung der Onlinewerbung ein - bis hin zur Frage nach den Eigentümern eines solchen Beirats. Dies könnte zum Beispiel eine Non-Profit-Stiftung sein. Adblock-Plus-Sprecher Ben Williams bezeichnet die Überlegungen in einem Blog-Eintrag als "in einem sehr frühen Stadium". Eyeo sei offen für weitere Anregungen. Ein ähnliches Treffen gab es für Europa in London.

Adblock Plus ist der in Deutschland am weitesten verbreitete Adblocker. Gegen das Geschäftsmodell sind mittlerweile mehrere Klagen anhängig: Pro Sieben Sat 1, RTL, Axel Springer, Zeit/Handelsblatt, Süddeutsche und Spiegel ziehen gegen Eyeo in verschiedenen Städten vor Gericht. Bis auf die Klagen von Süddeutsche und Spiegel sind alle in der 2. Instanz anhängig. pap
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