Adblock Plus-Chef Till Faida "Wenn wir abschalten, gibt es einen Aufstand"

Freitag, 14. Februar 2014
Adblock-Plus-Chef Till Faida
Adblock-Plus-Chef Till Faida

Das Angebot war hintersinnig - die Ablehnung kommt jetzt harsch und ausgeprägt selbstbewusst: Till Faida, Geschäftsführer des ebenso führenden wie umstrittenen Internet-Werbeblockers Adblock Plus, antwortet auf die Vorwürfe von Digitalvermarktungsmanager Oliver von Wersch. Freunde werden die beiden in diesem Leben wohl nicht mehr. Kurzer Rückblick auf Dienstag dieser Woche: Da hatte Oliver von Wersch, Geschäftsführer von Gruner + Jahrs Digitalvermarkter G+J EMS und zugleich Vize im Online-Vermarkterkreis (OVK) des Digitalverbandes BVDW, auf einer Podiumsdiskussion dem Kontrahenten einen listigen Vorschlag unterbreitet: Wie wäre es denn, fragte von Wersch, wenn Faida seinen Werbeblocker mal eine Woche abschalten und auf den betreffenden Flächen eine gemeinsame Marktforschung schalten würde zur Frage, ob und welche Werbung die User tatsächlich störe. "Dann könnten Sie mal beweisen, wie ernst Sie es meinen mit Ihrer Dialogbereitschaft zum Wohle der Nutzer", wetterte von Wersch. Zuvor hatte er Faida, der live keine Gelegenheit hatte, auf dieses Angebot zu antworten, heftig attackiert (mehr dazu in der HORIZONT-Ausgabe 7/2014 vom 13. Februar).

Jetzt antwortet Till Faida auf Nachfrage von HORIZONT.NET. "Dieser Vorschlag ist total abwegig", so der Werbeunterdrücker: "Wenn wir Adblock Plus auch nur für 20 Minuten abschalten würden, gäbe es unter unseren Nutzern einen riesigen Aufstand."

Von Wersch ignoriere einen wichtigen Punkt, so Faida weiter: "Wir haben den Markt bereits ausgiebig untersucht und unsere Nutzer mehrfach befragt." Die Mehrheit der User* halte die "Acceptable Ads Initiative" für eine gute Idee. Das eindeutigste Zeichen seien jedoch die Nutzerzahlen des Browser-Add-ons: "Zwei Millionen Downloads* in der Woche und 250 Millionen weltweit sprechen eine deutliche Sprache." Die Nutzer seien "schlichtweg genervt" vom derzeitigen Zustand der Onlinewerbung. Und dann noch ein Gruß nach Hamburg: "Oliver von Wersch repräsentiert die alte Garde, die immer noch glaubt, entgegen den Wünschen der Nutzer bestimmen zu können, wie das Internet auszusehen hat." rp

* Anmerkung der Redaktion: Die genannten Download-Zahlen sind nicht die Basis für die von Faida angeführte "Mehrheit der User", die sich auf einen Kreis registrierter Nutzer bezieht. Diese so genannte "Community" ist sehr viel kleiner; viele Kritiker wie von Wersch halten sie für einen "Fake".
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