"Adam sucht Eva" im HORIZONT-Check Mehr nackter "Bachelor" als RTL-Dschungel

Freitag, 29. August 2014
"Adam sucht Eva": Mehr "Bachelor" als "Dschungelcamp"
"Adam sucht Eva": Mehr "Bachelor" als "Dschungelcamp"
Foto: RTL / Andreas Friese

RTL schickt Singles ins Paradies - und zwar vollständig nackt. Gestern Abend lief die Auftaktfolge von "Adam sucht Eva", ein niederländisches TV-Format, das dank Produzent Eyeworks den Weg nach Deutschland gefunden hat. Zumindest quotentechnisch kann man mit der ersten Episode am Tag danach in Köln zufrieden sein. Und was gab's inhaltlich? Die (aufsehen)erregende Dating-Show im HORIZONT-Check.
Noch bevor die Sendung richtig beginnt, gibt RTL ein Versprechen ab: "In 20 Jahren wirst du dich mehr ärgern über die Dinge, die du nicht getan hast als über die, die du getan hast", wird Schriftsteller Mark Twain zitiert und man darf den berühmten Satz wohl als Ansage an die Kandidatenschaft verstehen. Hatten Sender und Produktionsfirma im Vorfeld doch reichlich Probleme, Freiwillige zu finden. Vollständig entblößt im Fernsehen aufzutreten, das scheint auch in Zeiten, in denen ein ehemaliger Innensenator zeitgleich bei der Konkurrenz blank zieht, für viele eine zu große Hemmschwelle zu sein. Trotzdem ist es offensichtlich gelungen, ein paar Kandidaten und Kandidatinnen aufzutreiben. Jeweils ein weiblicher und ein männlicher Single werden auf der Insel Apari Toerau im Südpazifik "ausgesetzt" und sehen sich erst dort zum ersten Mal - vollkommen unbekleidet. In der Auftaktfolge geht es um Ricarda (23) und Thomas (27). Zwei Tage und zwei Nächte haben sie Zeit, sich kennen zu lernen. Auf der Insel fehlt es ihnen an nichts, es gibt gemütliche Hängematten, ein Outdoor-Wohnzimmer und ausreichend zu essen. Von Dschungelcamp keine Spur. Das alles ist perfekt gefilmt und inszeniert.

Alles scheint prächtig, die beiden Kandidaten sind sich sympathisch, in der ersten Nacht werden bereits Zärtlichkeiten ausgetauscht. In der ersten Viertelstunde fallen die Worte "Hammer", "Wahnsinn" und "Krass" überproportional häufig. Doch die Idylle wird gestört: RTL schickt eine "Schlange" ins Paradies, einen weiteren männlichen Kandidaten. Keiner der drei weiß von dem doppelten Spiel, entsprechend überrumpelt und ehrlich überrascht sind sie bei der ersten Begegnung. Auf einmal ist Schluss mit "Wahnsinn" und "Hammer", die Show mutiert zu einer Mini-Version der "Bachelorette". Eva muss sich entscheiden, mit welchem der beiden Adams sie das Paradies verlässt.

Dabei bedient sich "Adam sucht Eva" bewährter Kniffe aus anderen Datingformaten. Gezicke, Contest, Einzeldate - das erinnert doch an altbekannte Shows wie "MTV Dismissed". So richtig spannend und spektakulär ist das nicht, aber hey: Adam und Eva sind schließlich immer noch nackt. Daraus zieht die Show ihren Reiz, das werden auch die Kandidaten nicht müde zu betonen. Für den Zuschauer ist im wahrsten Sinne des Wortes "alles" zu sehen, doch gibt sich RTL hier pietätvoller als "Promi Big Brother". Was auch daran liegen dürfte, dass die Redaktion ausschließlich attraktive und durchtrainierte Kandidaten gecastet hat.

Am Ende muss ein Adam gehen, erst danach stehen sich die beiden Singles erstmals angezogen gegenüber und müssen sich dann nur noch füreinander entscheiden. Moderiert wird dieser Showdown von Ex-Viva-Frau Nela Panghy-Lee, die jetzt nur noch Nela Lee heißt und blond trägt. Dafür, dass die Sendung aufgezeichnet ist, wirkt die Moderation aber hölzern und wenig überzeugend. Ach, und die 34-Jährige ist natürlich von Beginn an angezogen.

Bei RTL dürften heute, am Tag nach der ersten Ausstrahlung, gemischte Gefühle herrschen: Während die lang erwartete interaktive Castingshow "Rising Star" verhalten startete (14,2 Prozent bei den 14- bis 49-Jährigen), konnte "Adam sucht Eva" im Anschluss zulegen. Der Marktanteil in der jungen Zielgruppe stieg auf 15,5 Prozent; insgesamt hatten 1,95 Millionen Zuschauer eingeschaltet. Ordentlich, aber keine Sensation - und das trifft irgendwie auf die ganze Show zu. fam
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