Ach Mensch Tina Kulow, die Mega-Netzwerkerin von Facebook

Freitag, 11. Juli 2014
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"Ach Mensch" heißt die Kolumne von HORIZONT.NET, in der die ehemalige HORIZONT-Kollegin Ingeborg Trampe bekannte und unbekannte Persönlichkeiten der Werbeszene jenseits von aktuellen Etat- und Personalmeldungen porträtiert. Diesmal: Tina Kulow, Sprecherin Corporate Communication Manager Northern Europe von Facebook. Klingt absurd, ist aber wahr: 1996 konnte einem noch jemand in einem halben Tag das Internet erklären. Damals saß Internet-Unternehmer Peter Kabel mit Tina Kulow zusammen, die am Ende des Gesprächs dem spontanen Jobangebot von Kabel folgte. Ich fand alles total spannend und hatte so ein Gefühl von: Ich bin mir nicht 100 Prozent sicher, was dabei rauskommt, aber es hört sich umwälzend und alles andere als langweilig an", erinnert sich Kulow an den Beginn ihrer Pionierzeit als Internet-PR-Frau. Seit sie wenig später die Position als Sprecherin von Kabel New Media antrat, gefolgt von einem Job bei den Netzpiloten und der Gründung ihrer eigenen Firma 2001 hat sich die lebhafte PR-Frau zum Household Name für Kommunikation der Digitalwirtschaft entwickelt.

In ihrem neuen Job als Managerin Corporate Communications Northern Europe für Facebook hat sich ihre Bekanntheit nochmal deutlich erhöht. Jeden Tag steht sie mit der Unterstützung eines Mitarbeiters und von vier Agenturen seit Februar 2011 im Kreuzfeuer der Medien. Denn die Berichterstattung in Deutschland über das weltweit erfolgreichste Social-Media-Netzwerk mit 1,2 Milliarden Nutzern ist überwiegend kritisch. Für diesen PR-Feuerstuhl gab Kulow ihre eigene Agentur auf. Das war einer der schwersten Schritte, wegen meines fantastischen Teams. Aber ich musste den Job einfach machen. Ich wusste, dass ich nie wieder in meiner Karriere auf so vielen Ebenen dazulernen würde", erzählt die 46-Jährige. Facebook kannte sie schon aus der Zusammenarbeit mit ihrer Agentur und somit auch die Kultur des Unternehmens, die sie als Ausprobier-Spirit" bezeichnet. Typisch für Facebook ist die Haltung, alles infrage zu stellen. Man trifft hier einen besonderen Menschenschlag. Sie sind schlau, voller Inspiration und haben keine Angst, Fehler zu machen." Damit konnte sich die Hamburgerin gut identifizieren, tickt sie doch ähnlich offen, unkonventionell und vom Gefühl getrieben, dass die Arbeit nie getan ist. Doch anders als in ihrer Selbstständigkeit hat sie heute gelernt, mit diesem Zustand des ständigen Auf- und Umbruchs besser zu leben und auch damit, nicht alles schaffen zu können, was auf ihrem Schreibtisch landet.

Die Faszination, mit Menschen überall auf der Welt verbunden zu sein

Dass ihr Job nie endet, liegt natürlich an dem großen Interesse deutscher und internationaler Medien, die immer wieder versuchen, dem Erfolgsgeheimnis der Plattform auf die Spur zu kommen - und die übrigens entgegen aller Unkenrufe und Datenschutzdiskussionen zum Trotz weiter wächst. Allein in Deutschland sind 20 Millionen User täglich bei Facebook aktiv. Es gibt ein Ur-Bedürfnis von Menschen, zu gucken, was bei den Freunden und in der Welt los ist. Die Faszination, mit Menschen verbunden zu sein, die man nicht jeden Tag sehen kann, besteht nach wie vor", erklärt Kulow. Längst ist das Netzwerk jedoch in neue Bereiche vorgestoßen. So gibt es zahlreiche Gruppen, wo sich Gleichgesinnte über Hobbys und Interessen austauschen, Firmen nutzen Facebook anstelle des Intranets und in vielen Teilen Afrikas könnten sich Menschen ohne die Plattform keine Nachrichten schicken.

Dass Tina Kulow, die vom PR-Report mal als freundliche PR-Macht" bezeichnet wurde, bei einem Unternehmen landet, bei dem es vor allem um Beziehungspflege geht, ist nicht verwunderlich. Kulow war schon immer eine Mega-Netzwerkerin. Während ihrer Selbstständigkeit waren Einladungen zu ihrem Network-Event Kontakte geschnitten im Pfund" sehr begehrt. Sie war eine Kommunikationsfrau, die sich nicht nur gut um ihre Kunden, sondern auch um ihr Umfeld gekümmert hat. Während Kollegen mitunter recht stutenbissig miteinander umgehen, hatte Kulow nie Scheu, sich ehrlich mit Leuten auszutauschen, die sie mochte. Auch ehemalige Weggefährten loben sie in höchsten Tönen, verbrannte Erde gibt es bei Kulow nicht. Tina war uns allen voraus. Sie konnte wunderbar mit uns denken und ist eine meiner beeindruckendsten und herzlichst verbundenen Weggefährten. Ich freue mich bei jedem Wiedersehen aufrichtig, dass wir den Stress der New Economy gut überstanden haben und immer noch Freunde sind", sagt Wolfgang Macht, CEO von Netzpiloten.

Kommunikation mit Medien auf Augenhöhe

In Redaktionen wird Kulow aufgrund ihrer geradlinigen, mit offenem Visier agierenden Art respektiert, auch wenn sie etwas kokett anmerkt, dass viele Medienleute sie noch nicht kennen. Sie hat es früh geschafft, sich auf Augenhöhe mit Journalisten zu begeben und das völlig unaufgeregt, uneitel und ohne typische PR-Sprech-Floskeln. Auch in ihrem neuen Corporate-Job hat sie das nach eigenem Bekunden nicht verändert: Ich habe kein Gefühl von Fremdbestimmung. Hier gibt es einen großen Spielraum und ich kann sehr unternehmerisch agieren", konstatiert Kulow, und es klingt glaubwürdig. Natürlich muss auch sie ab und zu den unbeliebten Begriff "no comment" bemühen, was aber auch daran liegt, dass es unfassbar viele Gerüchte und Spekulationen gibt". Im Moment ist sie vor allem aufgrund der Datendebatte gefordert, die - so erzählt sie - in den USA übrigens genauso lebhaft geführt wird wie in Deutschland. Gerade ging die Nachricht durch die Medien, dass Facebook in einem Experiment ohne Wissen der User herausfinden wollte, ob die Stimmung auf der Plattform über die Manipulation des Newsfeed beeinflusst werden kann. Was natürlich zu heftiger Medienschelte führte. Doch Kulow wäre nicht Kulow, wenn sie nicht ein bisschen "Alarm in der Hütte" mögen würde. Die Mischung aus gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen, die sie durch Facebook bearbeiten kann, liegt ihr. Dass sie selbst zu einer machtvollen Stimme der Kommunikation geworden ist, beurteilt sie so: "Macht finde ich nicht schlimm. Vor allem wenn man sie für etwas Positives einsetzt."

Das war auch immer ihr Credo als selbstständige PR-Beraterin. Dabei kann sie sich durchaus vorstellen, irgendwann noch mal die Seite zu wechseln, um sich wieder selbstständig zu machen. Und nach wie vor macht sie sich für fundierte Öffentlichkeitsarbeit stark, die von vielen Leuten unterschätzt wird: "Gute PR-Berater wissen wie Redaktionen arbeiten, welche Themen interessant sind und sind Gesprächspartner, die als Partner wahrgenommen werden. PR kann eben nicht jeder, wie landläufig oft angenommen wird." Wenn die kommunikative Strippenzieherin mal keine Lust auf Gespräche hat, geht sie gern in die Natur. Sie wandert oder schwingt sich aufs Fahrrad, um bei 50 Kilometern Wegstrecke vom Job runterzukommen. Trotz stressigem Job findet sie ihre Auszeiten: "Ich arbeite stundenmäßig nicht mehr als vorher, aber intensiver." Mehr graue Haare hat sie in den letzten drei Jahren dennoch kaum bekommen. Vielleicht auch weil die Facebook-Sprecherin von Natur aus positiv ist. Kulow mit schlechter Laune oder kurz angebunden? Kommt sehr selten vor. Sie beeinflusst durch Herzlichkeit, natürliche Autorität und Können. Eine Kombination, die nicht nur gut für Facebook, sondern auch für die Branche ist. Und die sich seit den Anfängen des Internets bei ihr nicht geändert hat. Kontinuität kann eben manchmal genau das Richtige sein.

Die Autorin

Ingeborg Trampe ist noch immer Journalistin im Herzen, auch wenn sie nach Stationen bei HORIZONT, Y&R, Neue Sentimental Film und BBDO heute überwiegend als PR-Beraterin für mittelständische Unternehmen in Hamburg arbeitet. Zum Leidwesen mancher Mitmenschen mag sie französische Dialogfilme, singt Jazz und Chansons und schwimmt viel und intensiv, um den Kopf freizukriegen. Ihr Lieblingslogo ist das vom Kaffee Wacker in Frankfurt, wo es den besten Espresso in Deutschland gibt. Mehr Infos: www.trampe-communication.de


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