Abgrenzungsvertrag Gruner + Jahr-Tochter DDV und DuMont wollen Streit um Marke "Mopo24" beilegen

Donnerstag, 01. Juni 2017
DDV hat Mopo24 in „Tag24“ umbenannt
DDV hat Mopo24 in „Tag24“ umbenannt
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M. Dumont Schauberg Mopo Mopo24 DDV Mediengruppe Tag24


Mandat „Mopo“: Die DuMont Mediengruppe („Berliner Zeitung“, „Kölner Stadtanzeiger“) und die DDV Mediengruppe („Sächsische Zeitung“) wollen ihre jahrelangen Hakeleien um die Marke „Mopo“ beenden – per Vertrag. Doch bis zuletzt blieben zwei Punkte strittig.

Es geht um DuMonts Blatt „Hamburger Morgenpost“ und um die DDV-Zeitungen „Dresdner Morgenpost“, „Chemnitzer Morgenpost“ und „Morgenpost am Sonntag“. Und um das Phänomen, dass diese Boulevardtitel in ihren Verbreitungsgebieten gerne „Mopo“ genannt werden. Eigentlich kein Problem, denn Hamburg und Sachsen liegen weit genug auseinander. Auf der digitalen Landkarte jedoch ist es nur ein Klick. Daher gab es öfters mal Streit, besonders seit Herbst 2014, nachdem die DDV-Gruppe ihre Website Mopo24.de startete.

Im vergangenen Oktober beruhigte sich alles zunächst: Um mit ihrem News-Portal, das bis dato nur die Auftritte ihrer Sachsen-Boulevardtitel bündelte, leichter in weitere Großräume expandieren zu können, hat die DDV die Site in „Tag24“ umbenannt. Mit Surfumleitung: Wer „Mopo24.de“ eintippt, landet seitdem bei Tag24.de. Grund: In Berlin, Leipzig, Thüringen und Ostwestfalen-Lippe – hier bietet Tag24.de mittlerweile Regionalseiten, betrieben von lokalen Partnern wie „Neue Westfälische“ – führt die DDV keine eigenen Zeitungen; schon gar keine, die „Morgenpost“ heißen. „Mopo“ wäre als Name für ein bundesweites Boulevardportal daher eher hinderlich. Ein weiterer Grund war, dass man die Verwechselung im Internet mit der Hamburger „Mopo“ und auch der „Berliner Morgenpost“ (Funke) beenden wollte.

Die Dresdner Expansionslust auch gen Westen löste in Köln und Hamburg Alarm aus: Da die Marke und Domain Mopo24 nach wie vor der DDV gehören, könnte die Tochter von Gruner + Jahr (60 Prozent) und der SPD-Medienholding DDVG (40 Prozent) speziell ein Hamburger Regionalportal wohl auch „Mopo24“ nennen – misslich für die Hamburger „Mopo“ und ihr Kölner Mutterhaus DuMont. Umgekehrt könnte man mit eigenen Aktivitäten oder Klagen rund um die Marke „Mopo“ der DDV das Leben schwer machen. Ein teurer Streit, für alle.

Nach Informationen von HORIZONT haben DDV und die DuMont-Tochter Morgenpost Verlag in Hamburg daher eine Abgrenzungs- und Vorrechtsvereinbarung abgeschlossen – oder sind dabei, dies zu tun. Ein solcher Vertrag klärt Markenkonflikte im Vorfeld, um sich Gerichtsentscheidungen zu ersparen. Laut der Fassung, die HORIZONT in Teilen vorliegt, gestattet DuMont der DDV die Weiterleitung der Domain Mopo24.de auf Tag24.de nur noch bis Ende dieses Jahres – und verpflichtet sich im Gegenzug, die Adresse Mopo24.de bis Ende Juni 2018 selber nicht zu nutzen. Zudem erkennt DuMont an, dass die DDV die Kennzeichen „Morgenpost“ und „Mopo“ (auch ohne Zusatz „24“) für deren Sachsen-Zeitungen und damit verbundene regionale Dienste und (Marketing-) Aktionen on- und offline verwenden darf.

Strittig sind dem Anschein nach nur noch zwei Punkte: DuMont möchte die Domain Mopo24.de gerne von der DDV übertragen bekommen; eventuell, um diese – nach der vereinbarten Frist – für das im April gestartete Empfehlungs- und Native-Advertising-Portal „Just in Hamburg“ zu nutzen. Umgekehrt will DDV gerne DuMont untersagen, Portale zu betreiben, die dem eigenen Tag24.de ähneln. Sprich: Die „Hamburger Morgenpost“ soll auf Webdesigns mit Fotokacheln verzichten. Darauf will sich DuMont wohl nicht einlassen.

Unklar ist, wo DuMont und DDV hier in ihren Verhandlungen aktuell stehen. Eine Sprecherin der Hamburger „Mopo“ verweist auf DuMont; dort will man zu dem Thema keine Stellung nehmen. Die DDV hat auf eine Anfrage in Sachen Abgrenzungsvertrag bisher nicht reagiert. rp

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