"Ab heute wird zurückgebissen" Die Reaktionen auf Mathias Döpfners Brandbrief an Google

Mittwoch, 16. April 2014
Der Gastbeitrag von Mathias Döpfner in der "FAZ" vom Mittwoch
Der Gastbeitrag von Mathias Döpfner in der "FAZ" vom Mittwoch


In einem ganzseitigen Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hat Mathias Döpfner die zunehmende Dominanz des Internet-Giganten Google scharf kritisiert. "Wir haben Angst vor Google", bekennt der Vorstandschef von Axel Springer. Mit Döpfners Brandbrief erreicht die Kritik an Google eine neue Dimension. HORIZONT dokumentiert die Reaktionen auf die Grundsatzkritik des Springer-Chefs.

"Handelsblatt"-Herausgeber Gabor Steingart schreibt in seinem Morning-Briefing:

"Es ist Zufall, aber einer, den die Wirklichkeit diktiert hat: Der Aufmacher im FAZ-Feuilleton und die Seite Eins des Handelsblatts widmen sich heute demselben Thema: der Macht von Google. FAZ-Autor Mathias Döpfner, im Hauptberuf Vorstandschef der Axel Springer AG, schreibt: "Wir haben Angst vor Google". Er berichtet vom Machtmissbrauch durch den Internetriesen. Die Handelsblatt-Titelgeschichte "Die Welteroberer" liest sich wie eine Fortsetzung. Erzählt wird, warum Google nach den Medien auch die klassische Industrie, den Automobilbau und den Handel dominieren möchte. Beide Zeitungen schlagen einen kämpferischen Ton an. Der Welpenschutz für Google scheint abgelaufen. Ab heute Morgen wird zurückgebissen."

Martin Weigert, leitender Redakteur von Netzwertig.com zweifelt an Döpfners Motiven:

"Wem an einem intakten Netz gelegen ist, der muss Google kritisieren", behauptet Döpfner. Einer der Vorkämpfer für das Leistungsschutzrecht, einem netzfeindlichen Gesetz, das niemandem etwas bringt, das Unsicherheit schafft und Innovation verhindert, erklärt den Menschen, wie sie zu einem intakten Internet kommen. Das ist, wie wenn Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un darüber plaudern würde, wie man eine erfolgreiche Demokratie aufbaut.

Es sind Anmerkungen wie diese, die es so schwer machen, sich hinter Döpfners Appell zu stellen, selbst wenn man einigen seiner Feststellungen beipflichten möchte. Doch die Werte, für die der Medienboss und seine Verlegerkollegen stehen, sind für viele Digital Natives, die ebenfalls ihre Erwähnung im Beitrag finden, mindestens genauso unheimlich wie Googles Gigantismus und Privatsphäre-Aversion. Auch wenn es an manchen Stellen so klingt, steht hinter dem Text nicht in erster Linie ein Autor, dem etwas an einer funktionierenden, Grundrechte bewahrenden Gesellschaft liegt, sondern ein knallharter Geschäftsmann mit Zielen, die weitaus weniger im Interesse der Allgemein liegen, als dies deutlich wird."

Auch in den sozialen Netzwerken nimmt Döpfner nicht jeder seinen Meinungswandel ab:





Als einer der ersten Politiker hat der EU-Abgeordnete Martin Schulz auf Döpfners Brief reagiert:

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