ARD und ZDF zu Olympia-Entscheidung "Sind Discovery bis an unsere Schmerzgrenze entgegengekommen"

Montag, 28. November 2016
Enttäuscht über den Olympia-Alleingang von Discovery: ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm und ZDF-Intendant Thomas Bellut
Enttäuscht über den Olympia-Alleingang von Discovery: ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm und ZDF-Intendant Thomas Bellut
Foto: BR / ZDF

ARD und ZDF haben enttäuscht auf das Scheitern der Olympia-Verhandlungen mit Eurosport reagiert. Der Eurosport-Konzern Discovery habe für die Sub-Lizenz mehr verlangt, als man habe verantworten können, heißt es in einem gemeinsamen Statement von ARD-Sportrechte-Intendant Ulrich Wilhelm und ZDF-Intendant Thomas Bellut.
Discovery hatte sich die Übertragungsrechte an den Olympischen Spielen in Europa für die Jahre 2018 bis 2024 gesichert und bezahlt dafür 1,3 Milliarden Euro an das Internationale Olympische Kommittee. Informationen der Nachrichtenagentur dpa zufolge sollen ARD und ZDF für die Sub-Lizenzen der Winterspiele 2018 in Pyeongchang und der Sommerspiele 2020 in Tokio maximal 100 Millionen Euro geboten haben. Discovery soll jedoch geschätzte 150 Millionen Euro verlangen. Bestätigt wurden diese Zahlen nicht. Seit der Rechtevergabe hatten ARD und ZDF mit Discovery über eine Sub-Lizenz für den deutschen Markt verhandelt. "Wir haben uns im Interesse unserer vielen sportbegeisterten Zuschauer lange und sehr intensiv mit konkreten Angeboten bei Discovery um die Einräumung von Sublizenzrechten bemüht", erklärt Wilhelm. "Wir müssen aber erkennen, dass die Forderungen von Discovery bei Weitem über dem liegen, was von uns verantwortet werden kann. Wir sind zu wirtschaftlichem Umgang mit Beitragsgeldern verpflichtet. Sollte Discovery seine Haltung ändern, steht unsere Tür selbstverständlich offen."
Peter Hutton Eurosport
Bild: Eurosport

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"Wir sind Discovery bis an unsere Schmerzgrenze entgegengekommen", sagt ZDF-Intendant Bellut. Auch er will die Tür jedoch nicht endgültig zugeschlagen wissen: "Sollte Discovery seine Entscheidung nochmals überdenken und auf unser Angebot zurückkommen wollen, sind wir jederzeit bereit, die Gespräche fortzusetzen."

Eurosport hatte heute angekündigt, die Olympischen Winter- und Sommerspiele in den Jahren zwischen 2018 und 2024 in Deutschland exklusiv zeigen zu wollen. Dabei garantiere man "eine umfassende Verbreitung" und werde auch die Anforderungen des IOC sowie die rechtlichen Vorgaben übertreffen. Von Winterspielen müssen nach den Vorgaben des IOC 100 Stunden im Free-TV übertragen werden, bei Sommerspielen 200 Stunden. Die aus deutscher Sicht wichtigsten Entscheidungen sollen demnach im Free-TV bei Eurosport 1 zu sehen sein. Weitere Olympia-Berichte solle es beim Spartensender DMAX, im Bezahlfernsehen bei Eurosport 2 und im digitalen Eurosport-Player geben.

Noch im Frühjahr hatte Eurosport-CEO Peter Hutton von guten Verhandlungen mit ARD und ZDF berichtet. Vor wenigen Monaten dann die Trendwende: "Es wachsen die Zweifel, wie ausgeprägt ihr Interesse an der Olympia-Berichterstattung tatsächlich ist", sagte Jean-Briac Perrette, Chef bei Discovery für das internationale Geschäft, damals gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". ire
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