10 Jahre Facebook Ein Rückblick

Dienstag, 04. Februar 2014
Wie alles begann: Screenshot einer Facebook-Seite aus 2004 (Bild: Facebook)
Wie alles begann: Screenshot einer Facebook-Seite aus 2004 (Bild: Facebook)


Am 4. Februar 2004 begann in einer Studentenbude der Universität von Harvard eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte: Wohl kaum jemand hätte damals geglaubt, dass das soziale Netzwerk mit den Namen "The Facebook", das Mark Zuckerberg an jenem Tag online gehen ließ, zehn Jahre später über eine Milliarde Nutzer haben würde. Eine Chronik der Facebook-Story. Zunächst versuchte Zuckerberg es mit Facemash.com, einer Website, auf der Studenten in erster Linie nach attraktiven Kommilitonen suchen können. Nachdem die Universitätsleitung von Harvard dem Treiben einen Riegel vorgeschoben hatte, gründete Zuckerberg gemeinsam mit Dustin Moskovitz, Chris Hughes and Eduardo Saverin kurz darauf "The Facebook". Nach der Expansion auf andere Ivy-League-Universitäten wie Stanford, Columbia und Yale erreichte Facebook nach eigenen Angaben im Dezember 2004 eine Million Nutzer. Wenig später fiel auch das "The" im Namen weg - seitdem firmiert das Netzwerk unter Facebook.

Mit neuen Produkten wie der persönlichen Pinwand, Upload-Funktionen für Fotos und Videos sowie mobilen Versionen wurde Facebook nach und nach tauglich für den globalen Massenmarkt - und weckte das Interesse von Investoren. So beteiligte sich Microsoft für 240 Millionen Dollar an dem Unternehmen, was einer Gesamtbewertung von 15 Milliarden Dollar gleichkam. Im Dezember 2007 nutzten bereits 58 Millionen Menschen auf der ganzen Welt die neue Plattform. Gut drei Monate später kamen auch die deutschen Nutzer in den Genuss einer eigenen Version, denn am 3. März 2008 startete Facebook auf Deutsch.

Der Umzug in das neue Hauptquartier in der 1601 South California Avenue in Palo Alto im Mai 2009 fiel mit einem weiteren Meilenstein zusammen: Wenig später verkündete Mark Zuckerberg, dass Facebook aufgrund hoher Werbeinnahmen erstmals mehr Geld eingenommen als ausgegeben habe. Es läuft gut für Facebook und seinen jungen CEO, der bis dahin mit großer Voraussicht geglänzt hatte. Doch eine wesentliche Umwälzung wird Facebook mehr oder weniger verpassen - und sich dadurch noch große Probleme einhandeln. Denn Smartphones und ab 2010 auch Tablets beherrschen mehr und mehr den Alltag der Menschen. Gerade Facebooks Werbestrategie ist darauf nicht ausgelegt.

Ende 2011 führt Facebook die "Timeline" ein (Bild: Facebook)
Ende 2011 führt Facebook die "Timeline" ein (Bild: Facebook)


Doch zunächst kennen Zuckerberg und Facebook nur einen Weg: Nach oben. Über die nächsten zwei Jahre werden der Seite, die weltweit inzwischen über 600 Millionen Nutzer zählt, ständig neue Funktionalitäten wie der Like-Button, Orte, Gruppen und neue Profile hinzugefügt. Auch außerhalb des eigentlich Facebook-Kosmos ist das Netzwerk nahezu allgegenwärtig: Viele Online-Medien machen sich Social-Plugins zunutze, um über Facebook noch mehr Nutzer zu erreichen. Im September 2011 schließlich folgt ein massiver Umbruch: Facebook führt mit der Timeline komplett umgestaltete Profile für Personen und Unternehmen ein. Die Änderungen stoßen zunächst auf Skepsis, will Zuckerberg die Timeline doch als "Archiv des Lebens" verstanden wissen - was nicht zuletzt aus Gründen des Datenschutzes kritisch gesehen wird.

Die wichtigsten Facebook-Meilensteine (Zum Vergrößern anklicken; Bild: Facebook)
Die wichtigsten Facebook-Meilensteine (Zum Vergrößern anklicken; Bild: Facebook)
Dem Wachstum tut dies allerdings keinen Abbruch: Im November 2011 zählt Facebook bereits 845 Millionen Mitglieder, fünf Monate später kauft das Unternehmen die Foto-Sharing-App Instagram - für eine Milliarde Dollar. Und im Mai steht der Schritt an, den Zuckerberg und viele Investoren nur als folgerichtig verstehen, der sich aber noch als lehrreiche Episode erweisen wird: Am 18. Mai 2012 wagt Facebook zu einem Preis pro Aktie von 38 Dollar den Gang auf das Börsenparkett. Doch nun zeigt sich, dass vor allem die unausgereifte Mobile-Strategie die Achillesferse des erfolgsverwöhnten Unternehmen ist. Obwohl inzwischen 543 Millionen Nutzer von mobilen Endgeräten auf Facebook zugreifen, stammt der Löwenanteil der Werbeumsätze immer noch von stationär ausgelieferten Anzeigen. Nicht nur deswegen halten viele Analysten die Aktie für grandios überbewertet, sodass sie bis Ende Mai ein Viertel ihres Wertes verliert.

Doch Zuckerberg macht seine Hausaufgaben. Im Oktober 2012 hat Facebook eine Milliarde Mitglieder, mehr als die Hälfte besucht die Plattform schon damals von einem Smartphone oder Tablet aus. Dieses Potenzial soll nun endlich genutzt werden: Mit Werbeformaten wie "Sponsored Stories", bei denen Likes aus dem eigenen Freundeskreis in Werbeumfeldern auftauchen, und anderen, auch mobil einsetzbaren Anzeigenformaten sowie prominenter Platzierung derselben, gelingt es Facebook, die Anleger zu beruhigen. Allein: Noch immer sind nicht alle besänftigt. 2013 macht eine Studie des US-Marktforschunsgunternehmens Forrester Schlagzeilen, die Facebook-Werbung wenig Wirkung attestiert. Dieser Glaubenskampf um die Wirksamkeit von Werbung auf der Plattform kehrt mit schöner Regelmäßigkeit wieder und darf, auch aufgrund von prominenten Fürsprechern, bis heute als offen bezeichnet werden.

Mark Zuckerberg, Facebook-CEO: "Es war bisher eine unglaubliche Reise und ich bin sehr dankbar ein Teil davon zu sein. Es ist großartig zu sehen, wie die Menschen Facebook nutzen, um eine echte Community aufzubauen und sich gegenseitig auf unterschiedliche Art und Weise zu helfen. In den nächsten 10 Jahren haben wir nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Verantwortung alle Menschen auf der Welt miteinander zu verbinden und die Facebook-Community weiterhin so gut wir können zu unterstützen." “
Doch das Grundproblem scheint gebannt: Mittlerweile macht mobile Werbung mehr als 50 Prozent des Werbeumsatzes aus, der zuletzt 2,3 Milliarden Dollar betragen hat. Kein Wunder, nutzen doch fast 80 Prozent der monatlich aktiven Mitglieder Facebook via Mobile. Dass Facebook aus dem Relevant Set von Nutzern und Marketiers so bald verschwindet ist derzeit kaum denkbar - auch wenn Studien dem Netzwerk kürzlich den baldigen Tod wegen Wegbleibens der Jugendlichen prophezeiten. Gleichwohl muss das Unternehmen weiter eine hohe Innovationsgeschwindigkeit an den Tag legen und beispielsweise im Bewegtbild-Bereich neue (Werbe-)Formate entwicklen. Die Konkurrenz wird nicht kleiner- und wie schnell es mit einstigen Internet-Platzhirschen bergab gehen kann, hat man nicht zuletzt an Yahoo gesehen. ire
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