Übertragungsrechte für Leichtathletik-WM: ARD und ZDF auf der Zielgeraden?

Dienstag, 29. März 2011
Können die deutschen TV-Zuschauer Usain Bolt live bei der Leichtathletik-WM bewundern?
Können die deutschen TV-Zuschauer Usain Bolt live bei der Leichtathletik-WM bewundern?

ARD und ZDF setzen ihre Medienpartnerschaft mit 33 Spitzenverbänden des Deutschen Olympischen Sportbundes DOSB bis Ende 2013 fort. "Durch den Vertragsabschluss wurde eine wichtige Grundlage geschaffen, um weiterhin die Breite des Sports abbilden zu können", kommentiert ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Die Leichtathletik-Fans dürfte das jedoch kaum besänftigen: noch immer gibt es keine Entscheidung darüber, ob ARD und ZDF eine Live-Übertragung von der diesjährigen Leichtathletik-Weltmeisterschaft anbieten, die am 27. August im südkoreanischen Daegu beginnt. Im Januar hatten ARD und ZDF verkündet, keine Übertragung aus Daegu anzubieten, weil die vom Leichtathletikweltverband IAAF mit der TV-Vermarktung betraute Agentur IEC einen zu hohen Preis verlangt: zwischen 12 und 15 Millionen Euro veranschlagt die Medienrechteagentur für die Übertragungsrechte aus Daegu und den Weltmeisterschaften 2013 in Moskau. Das ist zwar weniger als beim jüngsten Vertrag, aber trotzdem zuviel für die öffentlich-rechtlichen Sender, die im Hinblick auf Sparvorgaben und eingeschränkte Sponsoringmöglichkeiten ihre Budgets straffer zusammenhalten wollen. Dazu kommen die unattraktiven Übertragungszeiten: die Endkämpfe bei der WM fallen in Deutschland in die Mittagszeit, Vorkämpfe finden ab zwei Uhr nachts statt.

Doch sowohl die Sendeanstalten als auch IEC befinden sich weiterhin in Gesprächen; die IAAF möchte sich auf keinen Fall das Geld für die Senderechte entgehen lassen, zumal IEC keinem privaten Sender die Übertragung schmackhaft machen konnte. ARD und ZDF hingegen fürchten um ihren Ruf: Sportfans werfen den gebührenfinanzierten Anstalten vor, die sportliche Vielfalt dem Fußball und quotenstarken Events wie Boxen zu opfern. Dabei sollte das Zuschauerinteresse vorhanden sein: das 100-Meter-Finale der Herren bei der letzten WM in Berlin 2009, als der jamaikanische Supersprinter Usain Bolt einen neuen Weltrekord aufstellte, sahen 9,92 Millionen Zuschauer.

Eine Marketingoffensive startete die IAAF mit der Website Kein-WM-blackout.org, die Sportlern, Sportfans und TV-Zuschauern ein Forum bieten möchte, um sich für eine TV-Übertragung der WM stark zu machen. Bisher haben allerdings erst 4235 User ihre Stimme abgegeben, auf Facebook hat die Kampagne rund 44.000 Fans.

Sogar die Politik beschäftigte sich mit dem Thema: Am vergangenen Mittwoch stellten sich ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz und sein ARD-Kollege Axel Balkausky dem Sportausschuss des Deutschen Bundetags und der Frage, ob ARD und ZDF bei der TV-Übertragung von Live-Events zu wenig auf das Zuschauerinteresse eingingen. Zumal kurz nach dem Verzicht ein neuer Box-Vertrag zwischen ARD und Sauerland Event publik wurde. Der kolportierte Wert: 50 Millionen Euro für drei Jahre.

Die Sitzung führte zu keinem konkreten Ergebnis, außer dass Gruschwitz und Balkausky den Wunsch nach Livebildern äußerten. Verhandlungspartner Clemens Prokop, Präsident des Deutschen Leichtahletikverbandes DLV, äußerte anschließend: "Ich bin jetzt nochmal optimistisch. Die Kluft zwischen beiden Verhandlungspartnern schien zuletzt noch groß. Jetzt sind Flexibilität und Phantasie gefordert." Und Schnelligkeit: Am 31. März endet für die Übertragunsganstalten die offizielle Buchungsfrist beim Organisationskomitee der WM. ire
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