iPad-Umfrage: Welche Unternehmen werben, was die Vermarkter erwarten

Mittwoch, 31. März 2010
Wird das iPad die Mediennutzung revolutionieren?
Wird das iPad die Mediennutzung revolutionieren?

Ende April fällt endlich der Startschuss. Dann ist das neue Apple-Wunderding, das iPad, auch in Deutschland erhältlich. Vor allem die leidgeplagten Medienkonzerne fiebern dem Launch entgegen, bietet der vielfach als "revolutionär" bezeichnete Tablet-Computer doch die Chance, einen neuen Distributionsweg für die eigenen Medienmarken - und damit auch zusätzliche Vertriebs- und Werbeerlöse - einzustreichen. Auch wenn Gruner + Jahr inzwischen an plattformunabhängigen Tablet-Angeboten, etwa auch für das WePad, sowie an einem E-Magazin des "Stern" arbeitet, zeigt das Beispiel Axel Springer, wie groß die Hoffnungen sind: Der Berliner Verlag bringt bereits Anfang April - und damit noch vor der iPad-Einführung in Deutschland - eine eigene App für das Gerät auf den Weg und hofft damit als erster deutscher Verlag auf dem iPad präsent zu sein. Doch ist der Hype um das iPad überhaupt gerechtfertigt? HORIZONT.NET hat Unternehmen, Vermarkter und Mobile-Dienstleister nach dem Werbe- und Vermarktungspotenzial des iPad befragt.


Hans Peter Ketterl, BMW: Wir können uns sehr gut vorstellen, einer der ersten Werbungtreibenden auf dem iPad zu sein.“
Die Prognose fällt - unter dem Strich - verhalten positiv aus. Besonders hoch sind die Erwartungen beim Berliner Mobile-Dienstleister YOC AG. Vorstandschef Dirk Kraus geht davon aus, dass die Nachfrage nach Werbeplätzen auf den Applikationen in Deutschland ähnlich hoch sein wird wie derzeit in den USA. "Wir haben schon etliche Nachfragen von Kunden, viele wollen dabei sein", sagt Kraus im Interview mit HORIZONT.NET. Mit dieser Meinung steht er nicht alleine da: "Wir gehen davon aus, dass die Einführung des iPad dem Mobile Advertising einen kräftigen Schub geben wird", sagt etwa Frank Bachér, Geschäftsführer Marketing & Sales bei Interactive Media. Und Arne Wolter, Geschäftsführer bei G+J Electronic Media Sales (EMS), sagt voraus, dass die Nachfrage nach Mobile Advertising mit dem Marktlaunch des iPads "sicherlich noch weiter steigen wird".

Lothar Weissenberger: "iPad ist relevanter Marketing-Kanal"
Lothar Weissenberger: "iPad ist relevanter Marketing-Kanal"
Auch von Unternehmen kommen positive Signale - jedenfalls vereinzelt: "Wir können uns sehr gut vorstellen, einer der ersten Werbungtreibenden auf dem iPad zu sein. Momentan prüfen wir konkret erste Mediapartner und Angebote", verrät etwa Hans Peter Ketterl, Leiter Medien, Werbung und Product Placement bei BMW Deutschland, im Gespräch mit HORIZONT.NET. Auch Lothar Weissenberger, Leiter Marketing Kommunikation beim Deutschen Sparkassen- und Giroverband, hat konkrete Pläne für eine Präsenz auf dem iPad. "Dies wird auch eine gute Plattform für unsere Sparkassen-Apps sein und damit für das Banking ein relevanter Marketing-Kanal", erklärt Weissenberger. Die Kommunikations-Entscheider bei Mercedes-Benz Cars prüfen laut Unternehmensangaben derzeit ebenfalls "die Möglichkeiten, die uns das iPad als Werbungstreibende bietet". Und Susan Schramm, bei McDonald's Deutschland für die Mediaplanung verantwortlich, plant zwar aktuell keine Kampagnen speziell für das neue Apple-Endgerät, glaubt aber, dass das "iPad der mobilen Werbung sicher einen Schub geben" kann.

Paul Mudter, IP, warnt vor überzogenen Erwartungen
Paul Mudter, IP, warnt vor überzogenen Erwartungen
Gleichwohl gibt es auch Prognosen, die etwas verhaltener ausfallen. So warnt Paul Mudter, Geschäftsleiter Interactive bei IP Deutschland, vor überzogenen Erwartungen: "Es gibt zwar Technologie-affine Kunden, aber der Großteil der Werbekunden entdeckt für die Markenkommunikation gerade erst das iPhone", sagt Mudter. Auch Joachim Bader, Geschäftsführer der Münchner Mobile-Agentur CLANMO, erinnert daran, dass die Voraussetzung für eine wirksame Kampagnenplanung eine kritische Masse an Geräten ist. "Auch beim iPhone hat der Durchdringungsprozess gedauert", warnt Bader. Ähnlich argumentiert Peter Prislin. Der Chief Marketing Officer von 12 Snap in München sieht aktuell "noch keine nennenswerte Nachfrage nach Werbeplätzen" auf dem iPad. "Wir gehen aber davon aus, dass sich dies ändert, sobald das iPad wirklich auf dem Markt ist und eine relevante Reichweite verfügbar ist."

Dirk Kraus, YOC: Im Premium-Umfeld halte ich Netto-Netto-TKPs von 30 Euro bis 35 Euro für realistisch, bei Sonderwerbeformen könnte der TKP sogar auf 40 Euro steigen.“
Spannend wird auch sein, wo sich die Preise für Werbeschaltungen auf iPad-Apps einpendeln werden. Wie bei den anderen Mediengattungen driften auch hier die Vorstellungen von Vermarktern und Kunden etwas auseinander. YOC-Chef Kraus hält es durchaus für möglich, dass die Preise noch etwas höher liegen werden als bei herkömmlichen mobilen Kampagnen. "Im Premium-Umfeld halte ich Netto-Netto-TKPs von 30 Euro bis 35 Euro für realistisch, bei Sonderwerbeformen könnte der TKP sogar auf 40 Euro steigen", glaubt Kraus. Um harte Verhandlungen wird Kraus aber wohl nicht herumkommen: "Auch Werbeschaltungen auf dem iPad werden sich an unseren normalen Effizienz-Kriterien messen lassen müssen. Einen Innovations-Bonus gibt es nicht", stellt BMW-Marketer Ketterl klar. Sparkassen-Marketer Weissenberger betont ebenfalls, dass an die Werbepreise die "üblichen Leistungskriterien" gestellt werden. Und McDonald´s-Managerin Schramm fordert, dass sich die TKPs für das iPad "grundsätzlich im Korridor vergleichbarer Werbemittel bewegen sollten". mas 

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, welche Unternehmen auf dem iPad werben wollen, welche Impulse Vermarkter und Dienstleister für Mobile Advertising erwarten und welche Preise und Werbeformate sich auf dem iPad durchsetzen werden. Befragt wurden Dirk Kraus (YOC), Hans Peter Ketterl (BMW), Susan Schramm (McDonald's), Joachim Bader (CLANMO), Peter Prislin (12Snap), Frank Bachér (InteractiveMedia), Lothar Weissenberger (Deutscher Sparkassen- und Giroverband), Paul Mudter (IP Deutschland), Susanne Kunz (Procter & Gamble), Hubert Frach (Lufthansa), Michael Frank (Plan.NET) und  Michael Jäschke (JOM Jäschke Operational Media).


Weiter mit Dirk Kraus, YOC

Dirk Kraus, Vorstand YOC, Berlin

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Wie groß ist das Interesse der Markenartikler an Werbeplätzen auf den iPad-Applikationen, und wie glauben Sie wird sich die Nachfrage mittelfristig entwickeln?

Dirk Kraus
Dirk Kraus
Dirk Kraus:
Es gibt immer Unternehmen, die am Anfang etwas zurückhaltend sind und erst einmal abwarten wollen, wie ein Produkt im Markt angenommen wird. Beim iPad gehen wir aber davon aus, dass die Nachfrage nach Werbeplätzen auf den Applikationen in Deutschland ähnlich hoch sein wird wie derzeit in den USA. Wir haben schon etliche Nachfragen von Kunden, viele wollen dabei sein.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch verhelfen?

Dirk Kraus:
Ich würde nicht von einem Durchbruch wegen des iPad sprechen. Es ist ja so, dass derzeit generell ein starker Shift von der klassischen Werbung hin zum Digitalen stattfindet und dass Mobile Advertising davon besonders profitiert. Das iPad wird sicherlich wie zuvor das iPhone diesen Trend weiter beschleunigen.

Welche Preise müssen Werbungtreibende im Vergleich zu „herkömmlicher" Online- oder Mobile-Werbung für eine Präsenz auf dem iPad zahlen?

Dirk Kraus:
Ich halte es durchaus für möglich, dass die Preise für Werbeplätze auf den iPad-Applikationen noch etwas höher liegen als bei herkömmlichen mobilen Kampagnen. Im Premium-Umfeld halte ich Netto-Netto-TKPs von 30 Euro bis 35 Euro für realistisch, bei Sonderwerbeformen könnte der TKP sogar auf 40 Euro steigen.

Wie werden die Kampagnen abgerechnet: Zahlen Kunden für Reichweite beziehungsweise Ad-Views, oder werden die Werbeplätze exklusiv für einen bestimmten Zeitraum zu einem festen Preis verkauft?

Dirk Kraus: Da zu Beginn die Reichweite noch zu gering ist, dürften die Werbeplätze zunächst monatsweise verkauft werden. Sobald eine kritische Masse an Nutzern vorliegt, werden sich TKP-Modelle durchsetzen.

Weiter mit Hans Peter Ketterl 

Hans Peter Ketterl, Leiter Medien, Werbung und Product Placement bei BMW Deutschland

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Können Sie sich vorstellen, auf dem Gerät Werbung zu schalten oder haben Sie sogar schon Werbeplätze gebucht?

Hans Peter Ketterl
Hans Peter Ketterl
Hans Peter Ketterl:
Wir können uns sehr gut vorstellen einer der ersten Werbetreibenden auf dem iPad zu sein. Momentan prüfen wir konkret erste Mediapartner und Angebote.

Welche Vorteile bietet eine werbliche Präsenz auf dem iPad?

Hans Peter Ketterl: BMW ist bekannt dafür im Rahmen von innovativen Kommunikationslösungen First Mover zu sein. Auch passen - wie uns die Markforschung bestätigt - BMW Fahrer und Apple Nutzer hervorragend zusammen.

Sind Sie bereit, für Werbung auf dem iPad mehr zu zahlen als für herkömmliche Mobile- oder Online-Kampagnen?

Hans Peter Ketterl: Auch Werbeschaltungen auf dem iPad werden sich an unseren normalen Effizienz-Kriterien messen lassen müssen; einen Innovations-Bonus gibt es nicht.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch verhelfen?

Hans Peter Ketterl:
Mobile Werbung ist gesamthaft auf dem Vormarsch und ein Wachstumsmarkt. Wir denken aber nicht, dass Schaltungen auf Smart Phones vergleichbar mit Arbeiten für das iPad sind. Wir gehen davon aus, dass hier neue, innovative und vor allem intuitiv bedienbare Lösungen entwickelt werden müssen.

Weiter mit Susan Schramm, McDonald's

Susan Schramm, Senior Department Head Marketing McDonald's Deutschland

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Können Sie sich vorstellen, auf dem Gerät Werbung zu schalten oder haben Sie sogar schon Werbeplätze gebucht?

Susan Schramm
Susan Schramm
Susan Schramm:
Die Schaltung von Werbung auf dem iPad ist keine Frage der Hardware. Entscheidend ist für uns vielmehr, dass die Medienangebote und deren Nutzer der Zielsetzung und Zielgruppe der jeweiligen Kampagne entsprechen. Bei unseren aktuell anstehenden Kampagnen sehen wir das derzeit nicht. Daher ist momentan auch keine Schaltung spezieller iPad-Werbung geplant. Da aber über das iPad das Internet ja auch herkömmlich genutzt werden kann, wird der User dennoch jede Online-Werbung von McDonald's via iPad sehen können.

Welche Gründe sprechen derzeit noch gegen eine werbliche Präsenz auf dem iPad?

Susan Schramm:
Generell schließen wir eine werbliche Präsenz auf dem iPad nicht aus. Und gegenwärtig entwickeln die Medien noch ihre Angebote für das iPad - hier kann man als First Mover sicherlich noch Einfluss nehmen. Allerdings müssen wie gesagt die Medienangebote zur Kampagne passen, und das ist bei den anstehenden Kampagnen für uns nicht der Fall.

Sind Sie bereit, für Werbung auf dem iPad mehr zu zahlen als für herkömmliche Mobile- oder Online-Kampagnen?

Susan Schramm:
Für McDonald's sollten sich die TKPs für neue technische Plattformen - wie das iPad - grundsätzlich im Korridor vergleichbarer Werbemittel bewegen.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch verhelfen?

Susan Schramm:
Unter bestimmten Umständen kann das iPad der mobilen Werbung sicher einen Schub geben. Vorausgesetzt die Distribution ist breit und - was am wichtigsten ist - das Content-Angebot entsprechend vielfältig.



Weiter mit Joachim Bader, Geschäftsführer CLANMO

Joachim Bader, Geschäftsführer CLANMO

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Wie groß ist das Interesse der Markenartikler an Werbeplätzen auf den iPad-Applikationen, und wie glauben Sie wird sich die Nachfrage mittelfristig entwickeln?

Joachim Bader
Joachim Bader
Joachim Bader: Prinzipiell ist das Interesse von Markenartiklern an neuen, interessanten Werbemöglichkeiten immer groß und das gilt natürlich auch für das iPad. Aktuell sind unsere Kunden jedoch noch vorsichtig und wollen großteils die Entwicklung abwarten. Neben den Angeboten an Werbeplätzen wird für die Entwicklung der allgemeinen Nachfrage entscheidend, sein, welche Sites oder Apps die Marken auf dem iPad anbieten.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch verhelfen?

Joachim Bader:
Der Durchbruch ist schon längst erfolgt, hingegen muss sich das iPad als Einzelgerät zuerst noch beweisen. Um eine wirksame Kampagnenplanung durchführen zu können, muss eine  kritische Masse an Geräten im Markt sein - auch  beim iPhone hat der Durchdringungsprozess gedauert.

Ist der Rummel um das iPad nur ein kurzfristiger Hype, oder dürfen sich Medienhäuser tatsächlich Hoffnung machen, mit Applikationen für das iPad neue, tragfähige und gewinnbringende Erlösmodelle zu erschließen?

Joachim Bader:
Natürlich gibt es dazu unterschiedliche Meinungen. Wir gehen davon aus, dass das iPad in absehbarer Zeit nicht die Verbreitung des iPhones erreichen wird. Ein Handy ist ein Alltagsgegenstand und hat damit einen großen Markt. Das iPad ist momentan noch als Gadget einzustufen und hat dadurch einen deutlich kleineren Markt. Das gilt damit auch für spezielle iPad Apps.

Welche Preise müssen Werbungtreibende im Vergleich zu "herkömmlicher" Online- oder Mobile-Werbung für eine Präsenz auf dem iPad zahlen?

Joachim Bader:
Das ist im Moment noch sehr schwer einzuschätzen. Generell kann man jedoch sagen, dass die meisten bereits existierenden Apps und mobilen Portale für eine Darstellung auf dem iPad wahrscheinlich überarbeitet werden müssen. Zum einen hängt das mit der vergrößerten Darstellung zusammen, zum anderen können auf dem iPad beispielsweise keine Flash-Elemente angezeigt werden.

Wie werden die Kampagnen abgerechnet: Zahlen Kunden für Reichweite beziehungsweise Ad-Views, oder werden die Werbeplätze exklusiv für einen bestimmten Zeitraum zu einem festen Preis verkauft?

Joachim Bader:
Soweit wir wissen existieren momentan noch keine konkreten Vermarktungsmodelle. Es ist jedoch anzunehmen, dass je nach Anwendungsmöglichkeit verschiedene Modalitäten möglich sind. Grundsätzlich gibt es momentan keinen Anlass, bedeutend andere Vermarktungsmodelle für das iPad zu erwarten, als sie momentan für das iPhone existieren.

Weiter mit Peter Prislin, 12Snap

Peter Prislin, Vorstand Marketing 12Snap

Ende April bringt Apple auch in  Deutschland das iPad auf den Markt. Wie groß ist das Interesse der  Markenartikler an Werbeplätzen auf den iPad-Applikationen, und wie  glauben Sie wird sich die Nachfrage mittelfristig entwickeln?

Peter Prislin
Peter Prislin
Peter Prislin: Aktuell sehen wir keine nennenswerte Nachfrage von Werbetreibenden und Markenartiklern bezüglich Werbeformen auf dem iPad. Wir gehen aber davon aus, dass sich dies ändert, sobald das iPad wirklich auf dem Markt ist und eine relevante Reichweite verfügbar ist. Die Frage, die sich 12snap stellt, ist: Wo wird das iPad in erster Linie zum Einsatz kommen? Mobil unterwegs oder doch eher in meinen eigenen 4 Wänden. Aktuell gehen wir eher von einem Notebook-Ersatz aus, und damit würde sich die Frage nach einer eigenen Vermarktungsstrategie fast erübrigen.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch  verhelfen?

Peter Prislin: In 2010 eher nein, da das iPad weniger ein großes Mobile als vielmehr ein kleines Netbook mit Touchscreen sein wird. Zudem wird der Marktanteil in Deutschland noch geringer sein als beim iPhone. Das iPad wird mit Sicherheit auf einigen Marketing-Ebenen für Überraschungen sorgen, bei der mobilen Werbung wohl eher weniger.

Ist der Rummel um das iPad nur ein  kurzfristiger Hype, oder dürfen sich Medienhäuser tatsächlich  Hoffnung machen, mit Applikationen für das iPad neue, tragfähige und  gewinnbringende Erlösmodelle zu erschließen?

Peter Prislin:
Solange die Medienhäuser ihren Content auf ihren Websites gratis anbieten, wird es schwierig nachzuvollziehen sein, weshalb für den annähernd gleichen Content in einer App bezahlt werden soll, wenn man davon ausgeht, dass das iPad vornehmlich zuhause genutzt wird.
Insofern wird das iPad die bestehenden Erlösprobleme zunächst nicht lösen können, es sei denn, der User sieht einen absolut nachvollziehbaren Vorteil durch die App.
Die Herausforderung für die Medienhäuser wird sich also nicht ändern, nur weil sich das Displayformat ändert.

Weiter mit Frank Bachér, InteractiveMedia

 

Frank Bachér, Geschäftsführer Marketing & Sales InteractiveMedia

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Wie groß ist das Interesse der Markenartikler an Werbeplätzen auf den iPad-Applikationen, und wie glauben Sie wird sich die Nachfrage mittelfristig entwickeln?

Frank Bachér
Frank Bachér
Frank Bachér:
Mobile Werbung ist schon jetzt - vor der Einführung des iPad - ein Wachstumsmarkt, dessen Bedeutung zunimmt. Das lässt sich zum Beispiel an der stetig steigenden Anzahl mobiler Kampagnen ablesen. Wir gehen davon aus, dass die Einführung des iPad dem Mobile Advertising einen kräftigen Schub geben wird.

Ist der Rummel um das iPad nur ein kurzfristiger Hype, oder dürfen sich Medienhäuser tatsächlich Hoffnung machen, mit Applikationen für das iPad neue, tragfähige und gewinnbringende Erlösmodelle zu erschließen?

Frank Bachér: 
In Deutschland gibt es bereits mehrere Vermarktungsmodelle von großen Verlagen, die Paid Content für mobile Endgeräte anbieten. Zum Beispiel die kostenpflichtigen iPhone-Apps des Springer Verlags. Interessant ist auch die Kooperation des Spiegel Verlags mit der Deutschen Telekom: User können die Kosten für die elektronische Ausgabe des Spiegel über ihre Telekom Rechnung begleichen und erhalten in der Einführungsphase Rabatt. In den letzten Jahren hat sich zwar mehrfach gezeigt, dass viele User in Deutschland das Internet immer noch als Kostenlos-Medium betrachten. Ein attraktives Endgerät wie das iPad kann aber selbstverständlich dazu beitragen, neue Erlösmodelle zu etablieren. Die spannende Frage wir sein, inwieweit die Anbieter auf dem iPad einen Mehrwert anbieten können, für den die Nutzer auch bereit sind zu zahlen.

Welche Preise müssen Werbungtreibende im Vergleich zu "herkömmlicher" Online- oder Mobile-Werbung für eine Präsenz auf dem iPad zahlen?

Frank Bachér: 
Aus unserer Sicht ist es momentan noch viel zu früh, um über diese Frage zu sprechen. Denn die Werbepreise werden sich an der Anzahl und dem Profil der Nutzer orientieren.

Wie werden die Kampagnen abgerechnet: Zahlen Kunden für Reichweite beziehungsweise Ad-Views, oder werden die Werbeplätze exklusiv für einen bestimmten Zeitraum zu einem festen Preis verkauft?

Frank Bachér: 
Wir gehen bei der Vermarktung von Angeboten auf dem iPad davon aus, dass wir wie im Web und Mobile-Advertising auch auf Basis TKP abrechnen.

Weiter mit Lothar Weissenberger, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Lothar Weissenberger, Leiter Marketing-Kommunikation, Deutscher Sparkassen- und Giroverband

Ende April bringt Apple auch in Deutschland das iPad auf den Markt. Können Sie sich vorstellen, auf dem Gerät Werbung zu schalten oder haben Sie sogar schon Werbeplätze gebucht?

Lothar Weissenberger: "iPad ist relevanter Marketing-Kanal"
Lothar Weissenberger: "iPad ist relevanter Marketing-Kanal"
Lothar Weissenberger: Ja, dies wird auch eine gute Plattform für unsere Sparkassen-Apps sein und damit für das Banking ein relevanter Marketing-Kanal.

Welche Vorteile bietet eine werbliche Präsenz auf dem iPad?

Lothar Weissenberger: Natürlich könnte dies der Innovationsfaktor sein - die Praxistauglichkeit muss der I-Pad aber noch beweisen.

Sind Sie bereit, für Werbung auf dem iPad mehr zu zahlen als für herkömmliche Mobile- oder Online-Kampagnen?

Lothar Weissenberger: Nein, an die Werbepreise werden üblichen Leistungskriterien gestellt.

Kann das iPad der mobilen Werbung insgesamt zum Durchbruch verhelfen?

Lothar Weissenberger: Wenn das I-Pad hält was es verspricht, dann ja.

Weiter mit Paul Mudter, IP Deutschland

Paul Mudter, Geschäftsleiter Interactive bei IP Deutschland, zum iPad:

Paul Mudter, IP, warnt vor überzogenen Erwartungen
Paul Mudter, IP, warnt vor überzogenen Erwartungen
Das iPad ist eine tolle Sache - keine Frage. Vor allem im Hinblick auf Video. Dank hochauflösendem großem Display und langer Akkuleistung ist das Gerät ideal für Videowiedergabe, was gerade für uns als Medienhaus von großem Interesse ist. Doch bei aller Euphorie ist Realismus gefragt. Es gibt zwar Technologie-affine Kunden, aber der Großteil der Werbekunden entdeckt für die Markenkommunikation gerade erst das iPhone. Darüber hinaus haben wir noch keine Einschätzung über die Reichweite. Anders als in den USA ist das iPad bis dato noch gar nicht in Deutschland vorzubestellen. Und von einer relevanten Reichweite hängt auch die Nachfrage ab. Für alle Fälle werden wir aber selbstverständlich gerüstet sein und maßgeschneiderte Angebote für das iPad entwickeln. Wir rechnen zu Beginn damit, dass die Werbeformen als JPEGs und Gifs in den Standardgrößen Banner, Skyscraper oder auch Medium Rectangle eingebaut werden, da das iPad keine Flash-basierten Anwendungen unterstützt. Wir gehen auch davon aus, dass wir Pre-Rolls schalten werden. 

Weiter mit Susanne Kunz, Procter & Gamble

Susanne Kunz, Media and Communications Director DACH bei Procter & Gamble, zum iPad:

Susanne Kunz
Susanne Kunz
"P&G will mit seiner Markenkommunikation den Verbraucher und die Verbraucherin dann und dort ansprechen, wenn er oder sie empfänglich für die Botschaft ist. Dabei kommen, abhängig von der Marke und der Zielgruppe, verschiedene Kanäle in Frage."

Weiter mit Hubert Frach, Lufthansa

Hubert Frach, Vice President Marketing Lufthansa, zum iPad:

Hubert Frach
Hubert Frach
"Lufthansa schaltet mobile Kampagnen auf reichweitenstarken, interessanten Portalen - unabhängig vom Gerät. Insofern ist das iPad für uns genauso interessant wie alle anderen Endgeräte auch. Selbstverständlich passen wir unsere Formate entsprechend an. Aber eine mobile Kampagne explizit für das iPad ist von uns nicht vorgesehen."

Weiter mit Michael Frank, Geschäftsführer Plan.NET

Michael Frank, Geschäftsführer Plan.NET

Wie wird das iPad Ihrer Meinung nach in Deutschland von Werbekunden angenommen werden?

Michael Frank
Michael Frank
Michael Frank: Ich bin mir sicher, es wird eine Reihe von "First Movern" geben, die hier sehr zeitnah Umsetzungen und die Facetten der Möglichkeiten testen werden. Mittelfristig werden dann sicherlich weitere relevante Unternehmen und Marken hinzukommen. Dabei wird es davon abhängen, wie schnell individuelle iPad-Apps entwickelt werden und sich Mehrwerte daraus für die User ergeben. Und zudem wird es sehr spannend, welche gänzlich neuen Kommunikationsformen sich ergeben. Das iPad ruft förmlich nach ganz neuen Werbeformaten und Integrationen - ein großes Spielfeld für Kommunikation und intelligentes Userinvolvement. Und interessante Chancen für Agenturen, die diesen neuen Level zeitnah beherrschen.

Für welche Unternehmen bietet sich das iPad als Werbeplattform im ersten Jahr an?

Michael Frank: Grundsätzlich durch seine neuartigen Infotainmenteigenschaften für jedes Unternehmen, das zu und um seine Produkte und Marken relevanten Geschichten erzählen kann. Aber die Herausforderung wird sein, die Möglichkeiten des Gerätes mit seinen speziellen Nutzungsanlässen und -eigenschaften auch für Low-Interest Produkte zu nutzen. Und auch hier wird es meiner Meinung nach ganz neuartige Formate geben.

 Wie lange wird es dauern, bis eine relevante Reichweite für die Werbevermarktung entsteht?

Michael Frank: Wenn man den Zahlen und Vorhersagen Glauben schenkt, wird es bis Ende des Jahres in Deutschland zwischen 1 bis 1,5 Millionen iPads geben. Dazu dann noch die nicht zu verachtende Anzahl weiterer Tabletgeräte - und schon existiert eine interessante Reichweite in einer noch interessanteren Zielgruppe der Innovatoren und einkommensstarken Käuferschicht.

YOC erwartet im Premium-Umfeld von iPad-Apps Netto-Netto-TKPs von 30 Euro bis 35 Euro, bei Sonderwerbeformen sogar bis zu 40 Euro. Halten Sie das für realistisch?

Michael Frank: Hier wird vieles von der Wertigkeit des Contents und auch von der speziellen Aufbereitung von Inhalten abhängen, welche TKPs durchzusetzen sind. Sicherlich wird kein Werbekunde für eine 1 zu 1 adaptierte Website auf dem iPad mehr bezahlen als auf anderen Endgeräten. Aber die schon erwähnten neuen Formatmöglichkeiten mit wesentlich involvierenderer Kundenkommunikation werden höherpreisige TKPs, aber auch ganz neue hybride Abrechnungsmodelle mit sich bringen.

Weiter mit Michael Jäschke, Geschäftsführer JOM Jäschke Operational Media

Michael Jäschke, Geschäftsführer JOM Jäschke Operational Media

Glauben Sie, dass die Werbungtreibenden bereit sind Premium-Preise zu zahlen, obwohl die Reichweite bei „Null" liegt? 

Michael Jäschke
Michael Jäschke
Michael Jäschke:
In der Startphase zählen andere Faktoren als die Reichweite. Die Hoffnung ist, dass sich der Innovationscharakter von Endgerät und e-Magazinen durch die werbliche Präsenz auf das eigene Unternehmen überträgt. Und sicher, ein gewisser Pionier- und Forschergeist gehört dazu. Aber wer früh an Bord ist, sammelt eben auch früh Erfahrungen. Wir glauben aber, dass dies keine Premium-Preise rechtfertigt. Im Gegenteil, die Entscheidung seitens der Werbungtreibenden, einen neuen Weg mutig voran zu gehen, sollte mit attraktiven Preismodellen unterstützt werden. 

Werden sich iPad & Co. in der Werbevermarktung durchsetzen? 

Michael Jäschke:
 iPad & Co. sind zunächst nichts anderes als leere Hüllen. Diese müssen inhaltlich gefüllt werden, nur dann entsteht ein potenziell für die Kommunikation interessantes Umfeld. Ein für die Vermarktung wesentlicher zweiter Schritt ist die Verbreitung der Endgeräte und die Akzeptanz seitens der Verbraucher, mediale Inhalte derart zu konsumieren. Beides wird geschehen. Weil Medien und Verbraucher die ökonomischen und ökologischen Vorteile erkennen. Damit werden sich digitale Endgeräte wie iPad & Co. auch in der Werbevermarktung durchsetzen.

Neben dem iPad gibt´s nun das WePad: Glauben Sie, dass sich der Konkurrenzdruck - wenn es denn einen gibt - auf die Werbepreise auswirken wird?

Michael Jäschke:  
Der Verbraucher entscheidet, welche Inhalte er konsumieren möchte und welches Endgerät er dafür einsetzt. Das allein hat langfristig Einfluss auf die Werbepreise. Die Konkurrenz zwischen i- und WePad wird sich vielmehr auf die Verkaufspreise der e-Magazines auswirken, aber nicht auf die Werbepreise. Einzige Ausnahme: Art und Qualität der Darstellung würden sich zwischen beiden Endgeräten deutlich unterscheiden. mas
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