iPad-Umfrage: Was erwarten die Werber vom Tablet-PC?

Freitag, 29. Januar 2010
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Was das iPad verändert

Es ist nicht der ganz große Wurf, den Steve Jobs präsentierte. Aber das iPad wird dennoch Medien, Medienkonsum und den Kampf um die Aufmerksamkeit der Konsumenten neu definieren, sagt HORIZONT-Chefredakteur Volker Schütz im Kommentar.

Am Mittwoch hat Steve Jobs in San Francisco seinen neuen multimedialen Tablet-Computer iPad präsentiert. HORIZONT.NET hat Marketing- Medien- und Agenturfachleute nach ihrer Meinung zum neuen "Wunderprodukt" von Apple befragt.
Die Antworten von Michael Frank (Plan.net), Arndt Groth (Adconion), Michael Kutschinski (Ogilvy), Tobias Kirchhofer (Bluemars), Marco Seiler (Syzygy), Ingeborg Trampe (Trampe Communication), Ulrike Handel (Axel Springer), Michael Gross (Peakom), Michael Kiefer (VWD) und Florian Grimm (Grimm Gallun Holtappels) lesen Sie auf den nachfolgenden Seiten.

Michael Frank, Sprecher der Geschäftsführung Plan.net, München

Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen? Vom Design her war etwas in diese Richtung zu erwarten - einfach Apple, einfach "i" . Von den Funktionen, die es haben soll, passt es ebenfalls ganz klar in die "i-Family". Und damit erzielt es sicher schon ein enormes Interesse. Aber um es wirklich richtig beurteilen zu können, müsste man nun schauen, wie es im täglichen Gebrauch funktioniert und vor allem, ob es das schaffen kann, was viele erwarten oder Medienhäuser sich wünschen: eine neue Dimension der digitalen Anwendung und Nutzung.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Es wird sicher nicht zur Revolution führen, dafür ist es zu sehr eine Evolution vom Bestehendem. Aber ich glaube schon an die neuen Möglichkeiten, die das iPad schaffen kann. Seit dem iPhone haben wir uns daran gewöhnt, praktisch ohne Tastatur auf rein grafischen Oberflächen zu arbeiten. Diese einfache und userfreundliche Bedienung wie auch beim iPad wird eine neue Ära an Funktionalitäten und damit Contentaufnahme ermöglichen. Denn es ist schon ein sehr verändertes Handling im Gegensatz zur tastaturgesteuerten Internetnutzung. Und, ganz wichtig, es wird damit zu einer weiteren, neuen Form als Ausgabemedium. Inzwischen werden viele digitalen Lösungen auf drei Screens optimiert: TV, Computer und Mobile. Das iPad und alle andere Geräte, die als Tablets folgen werden, könnten der vierte Screen werden. Und damit wird es ein ganz relevante Rolle für die Medien- und Kommunikationsindustrie spielen. Ob aber damit „verschlafene Zeiten“ in der Verlagsbranche rückgängig gemacht werden können, wie man dort teilweise hofft, ist ein wenig zu bezweifeln. Denn nicht das Endgerät entscheidet über den Content, der genutzt wird, sondern die Fähigkeit der Publisher und Anbieter ihre Produkte und Inhalte optimal dafür aufzubereiten und Relevanz beim Kunden zu erzielen.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Persönlich erst mal nicht. Aber wir werden auf jeden Fall umgehend iPads in der Plan.Net einsetzen, um die Möglichkeiten kennenzulernen. Und wenn es mich da überzeugt, werde ich sicher auch privat drüber nachdenken.

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Arndt Groth, President Europe Adconion Media Group, Hamburg


Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen?
Erwartungen hatte ich keine. Ich bin davon ausgegangen, dass Apple uns mit vielen Features und einem überragenden Design überraschen wird.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Nein, das glaube ich nicht. Ich gehe eher davon aus, dass Geräte wie das Kindle die klassische Zeitung, das Buch oder das Magazin ablösen werden.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Ich werde es auf jeden Fall testen. Es ist bestimmt perfekt für die parallele Internet-Nutzung zu Hause geeignet, während man im Wohnzimmer vor dem Fernseher sitzt. Das iPhone-Display ist zu klein, ein Notebook zu unpraktisch.

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Michael Kutschinski, Executive Creative Director Ogilvy Interactive, Frankfurt


Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen?
Das kann ich erst beurteilen, wenn ich auf dem Sofa liege und ein iPad in den Händen halte. Grundsätzlich schon, da ich genau für diesen Zweck Gefallen an einem derartiges Endgerät hätte. Es ist kein Arbeitswerkzeug und genau das macht es für mich interessant. Vergleichbare Pads, Jobs spricht selber vom Kindle als Vorreiter, hätten bei mir aus rein emotionalen Gründen keinen Platz. Das ist wie bei allen Apple Produkten, die in meiner Umgebung eher ein prominentes als ein verstecktes Dasein pflegen.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Wenn mittlerweile in Nordamerika mehr digitale als analoge Bücher über den Ladentisch gehen, dann ist die Revolution bereits in vollem Gange. Ich persönlich halte lieber ein Buch als ein Pad in der Hand, aber ich höre auch noch Schallplatten und sammele CD´s, parallel zu MP3´s, die ich immer in der Tasche habe.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Ich kann es kaum erwarten.

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Tobias Kirchhofer, Geschäftsführer Bluemars, Frankfurt

Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen? Das wird sich erweisen, die Besprechungen klingen jedenfalls hervorragend! Die Anwendungsfelder sind vielversprechend und vielseitig. Alleine schon im heimischen Wohnzimmer! Ein intuitiver, interaktiver Netzzugang, sieht schick aus, macht Spaß, bietet sinnvolle, verstehbare Funktionen an - da können nun auch die ewigen "Computer-Ausmacher" Always-On bleiben.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? iPad ist lediglich eine weitere Kontaktmöglichkeiten für die Konversation mit den Konsumenten. So neu ist die Pad-Idee ja nicht, es gab ja schon diverse Versuche. Apple hat es eben jetzt konsequent durchentwickelt. Markenleute, die digitale Konversation schon drauf haben, verstehen die durch das iPad resultierenden neuen Möglichkeiten und freuen sich. Kommt drauf an was wir, die digitalen Ideenleute, dann draus machen. Starke Ideen braucht es weiterhin. Eine Revolution ist das iPad nicht. Einfach eine Anwendungslücke, die Apple gesehen hat und nun perfekt schließt. Chapeau!

Werden Sie sich ein iPad zulegen?
Wichtig sind Anwendungsfälle die mich überzeugen, die ich integrieren kann. Wenn die ersten Produktionschargen durch sind, werde ich mein heimisches MacBook gegen ein iPad austauschen und erleben was ich damit machen werde.

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Marco Seiler, Vorstandsvorsitzender Syzygy, Bad Homburg

Ich liebe Apple, weil kein andere Marke aus meiner Sicht Marketing in Gänze so perfektioniert hat wie Apple. Aber beim iPad bin ich skeptisch, was einen kurzfristigen Riesenerfolg á la iPhone und iPod angeht. Als Macbook Air Nutzer sehe ich zurzeit keinen Grund mir ein iPad anzulegen. Für mich ist das keine Alternative, da der Formfaktor des Air bereits optimal ist.

Daher bleibt der iPad vorerst wohl ein Nischenprodukt – stellt aber wegen seines günstigen Einstiegspreises eine gute preisliche Alternative für bestimmte Zielgruppen dar. Drei Zielgruppen sehe ich: 1) Preisgünstiger Einstieg in die Apple Mobile Computing Welt für PC Nutzer. Das Ipad kostet halb so viel wie ein Apple Notebook und macht es somit für manche attraktiv, die eine mobile
Computing-Lösung haben möchten, gerne zu Apple wechseln möchten, jedoch nicht den hohen Preis für Apple Notebooks zahlen wollen. 2) Die, die einfach alles von Apple besitzen wollen, wie auch macho technical nerds und eBook-Abhängige. 3) Tatsächliche Tablet-Zielgruppen wie Ärzte in fortschrittlichen Krankenhäusern, der Mann beim TÜV, der Ipad-Musiker und Künstler etc.

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Ingeborg Trampe, Inhaberin Trampe Communication, Berlin

Ich lege mir kein iPad zu. Mein Ziel ist es, Prozesse zu vereinfachen und viele Angebote mit wenigen Geräten nutzen zu können. Was soll ich also zusätzlich mit noch einem Gerät? Ich bin mit Laptop und Blackberry gut ausgestattet und wünsche mir eher mehr Angebote, die ich auf diesen Geräten unkompliziert nutzen und zusammenführen kann.

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Ulrike Handel, Geschäftsführerin Elektronische Medien, Axel Springer, Berlin


Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen?
Die Stimmen der ersten User klingen verheißungsvoll, aber um das wirklich zu beurteilen, müsste ich den iPad erstmal selber ausführlich in meinen Alltag integrieren. Ich habe allerdings ein großes Vertrauen in die Apple-Produktpalette und bin sicher, dass das Gerät eine echte Innovation mit Potential zum Massenprodukt ist.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Davon bin ich überzeugt. Der iPad bietet die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, die Entwicklung neue Produkte und die Erschließung neuer Zielgruppen. Das heißt für die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage eine komplette Neuerfindung ihrer Angebote. Wir haben mit dem "Welt am Sonntag eMag" kürzlich gezeigt, wie eine Sonntagszeitung multimedial aussieht - mit dem iPad gibt es dafür nun das optimale Trägermedium.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Ja. Jeder in der Medienbranchen, der sich mit der Trial-and-Error-suche nach neuen Erlösmodellen und jungen Zielgruppen beschäftigt, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

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Michael Gross, Geschäftsführer Peakom, Frankfurt

Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen? Der Name enttäuscht - Pod jetzt Pad. iPlate wäre cool gewesen, wenn es wieder ein P sein muss. Sonst muss man es erst in der Hand halten.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Die Revolution läuft bereits, der pad schafft nicht den Quantensprung des iPod und iPhone.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Testen bestimmt, kaufen: schau´n wir mal.

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Rainer Kiefer, Director Web Solutions, VWD Group

Erfüllt das Produkt Ihre Erwartungen? Für einen ersten Wurf ja. Wir wissen, dass sich Apple noch steigern kann und wird. Ich denke hier vor allem an die Themen Macromedia Flash und Multitasking.

Revolutioniert der iPad die Medien- und Kommunikationsindustrie? Apple gibt seit Jahren die Entwicklungs- Richtung im Bereich Consumer Electronics vor. Den Wettbewerbern bleibt nur übrig, sich an den Innovationen von Apple zu orientieren. Genauso wird es sich mit dem IPad verhalten. Was die Businees-Modelle rund umd dieses Produkt angeht, hat es mir vor allem das unkomplizierte und sichere Transaktionswesen via Apps angetan. Hier tun sich gerade für Medienhäuser weitere Chancen auf.

Werden Sie sich ein iPad zulegen? Wenn die T- Online ein attraktives Flatrate Angebot fürs Internet macht, in jedem Falle.

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Florian Grimm, Geschäftsführer Kreation, Grimm Gallun Holtappels Werbeagentur

Als Apple- und Technik-Freund zuckt es in meinen Fingern. Habe aber spontan keine Anwendung entdeckt, die mich zum Kauf treibt. Deshalb bleibt es bei der Hosentaschenversion. Mal sehen, wie lange.

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