"heute"-App: Verleger laufen gegen ZDF-Pläne Sturm

Freitag, 18. Februar 2011
VDZ-Chef Wolfgang Fürstner
VDZ-Chef Wolfgang Fürstner

Die deutschen Verlage reagieren mit heftiger Kritik auf die geplante App-Offensive des ZDF. Der Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) fürchtet angesichts neuer, kostenloser Applikationen des Mainzer Senders, dass die privaten Anbieter im Wachstumsmarkt der mobilen Applikationen ins Hintertreffen geraten könnten. Aus Sicht von Verbandschef Wolfgang Fürstner ist das Vorhaben des ZDF schlicht nicht hinnehmbar. "Die Pläne des ZDF sind ein weiterer Schlag gegen die Apps der Verlage", wettert Fürstner. Die kostenlosen Applikationen der öffentlich-rechtlichen Sender seien nichts anderes als eine "Marktverzerrung, da sie gebührenfinanziert sind und somit das Marktpotenzial der Verlags-Apps massiv einschränken", stellt Fürstner gegenüber HORIZONT.NET klar. Fürstner begründet seine Einschätzung unter anderem damit, dass das Zeitbudget der Leser begrenzt sei: "Jede neue gebührenfinanzierte App von ARD und ZDF trägt daher dazu bei, dass die Chancen der Verlage in diesem Zukunftsmarkt weiter sinken", so Fürstner.

Hintergrund des Streits ist die geplante App-Offensive des ZDF. Nach Informationen des "Spiegel" will der Mainzer Sender noch in diesem Frühjahr die Inhalte der ZDF-Mediathek mit einer App auf Smartphones und Tablet-PCs verfügbar machen. Im Sommer sollen weitere Apps für die Nachrichtensendung "heute" und ZDF.de folgen, im Januar 2012 soll schließlich eine Sport-App an den Start gehen. Laut dem Bericht des "Spiegel", der sich auf einen Brief von Intendant Markus Schächter an die Mitglieder des ZDF-Fernsehrats beruft, sollen alle Angebote kostenlos angeboten werden.

Damit schlägt das ZDF eine ähnliche Strategie ein wie die ARD. Für die "Tagesschau"-App, die inzwischen mehr als eine Million Mal heruntergeladen wurde, werden Nutzer ebenfalls nicht zur Kasse gebeten. Dies bremst freilich die Bemühungen der Verlage aus, kostenpflichtige Angebote im Markt durchzusetzen und auf diese Weise neue Erlösquellen zu erschließen. Die öffentlich-rechtlichen Sender verweisen in diesem Zusammenhang gern auf den Staatsvertrag. Der "Spiegel" zitiert ZDF-Intendant Schächter damit, dass das ZDF seine "staatsvertraglich bestimmten und im Telemedienkonzept konkretisierten Angebote nicht entgeltlich anbieten" dürfe, da diese dem Abruf der auftragsgemäß verbreiteten Telemedien dienten. Daher könnten diese "nicht Gegenstand kommerzieller Betätigung sein". mas
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