dpa tritt Platz im NSU-Prozess an andere Nachrichtenagenturen ab

Dienstag, 30. April 2013
dpa-Chefredakteur Wolfgang Bücher tritt einen der Plätze der Agentur ab
dpa-Chefredakteur Wolfgang Bücher tritt einen der Plätze der Agentur ab


Die Auslosung der 50 Plätze für Medienvertreter hat erneut für einige Unstimmigkeiten gesorgt. Neben zahlreichen renommierten Tageszeitungen gingen auch viele große Nachrichtenagenturen leer aus. Die dpa, die zwei Mal ausgelost wurde, bietet einen ihrer Plätze nun den
Agenturen Reuters und Agence France-Presse an. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) bietet den Platz, der dpa English Services zugelost wurde, den Agenturen Agence France-Presse und Thomson Reuters für eine gemeinsame Pool-Berichterstattung an. "Wir verzichten damit zwar auf die Möglichkeit, zeitlich parallel auf Deutsch und auf Englisch direkt aus dem Oberlandesgericht München berichten zu können. Wir freuen uns jedoch, wenn die dpa auf diese Weise dazu beitragen kann, dass weitere weltweit tätige Nachrichtenanbieter über diesen wichtigen Prozess aus erster Hand berichten können", erklärt Wolfgang Büchner, Noch-Chefredakteur der dpa.

Die Nachrichtenagentur war bei der Auslosung der insgesamt 50 Plätze für Journalisten für den NSU-Prozess gleich mehrfach zum Zug gekommen: Neben der dpa und ihrem englischsprachigen Service wurde auch der zur dpa-Gruppe gehörende Rundfunk-Agenturdienst Rufa aus dem Lostopf gezogen. Die Agentur kann damit sowohl Texte als auch Audio- und Videomaterial von dem am kommenden Montag beginnenden Prozess gegen die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe anbieten.

Unterdessen sorgt das Ergebnis der Auslosung vor allem bei großen Tageszeitungen für Unmut. So sind unter anderem die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Die Welt", die "taz" und die Wochenzeitung "Die Zeit" leer ausgegangen. "Welt", "FAZ" und "taz" erwägen daher juristische Schritte. Taz-Chefredakteurin Ines Pohl hofft weiter darauf, dass der Prozess für Medienvertreter in einen weiteren Saal übertragen wird: "Wir prüfen derzeit gemeinsam mit anderen Medienhäusern, ob wir uns das Recht erklagen, dass die Verhandlung für Journalisten per Video übertragen wird", sagte Pohl gegenüber Spiegel Online. Bislang hat das Oberlandesgericht München eine Videoübertragung abgelehnt, weil es fürchtet, dass der Prozess dadurch anfechtbar wird. dh
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