dpa leidet unter Zeitungsflaute / Wenig Hoffnung auf Bewegtbild-Geschäft

Mittwoch, 25. Juni 2008
DPA verbucht negatives Betriebsergebnis
DPA verbucht negatives Betriebsergebnis

Die Nachrichtenagentur dpa in Hamburg muss erstmals in ihrer fast 60-jährigen Geschichte für 2007 ein negatives Betriebsergebnis (100.000 Euro) verbuchen. Durch ein verbessertes Finanzergebnis erhöhte sich der Jahresüberschuss im - durch einen Sondereffekt bereinigten - Vorjahresvergleich zwar um rund 3 Prozent auf 4,4 Millionen Euro, doch der Umsatz sank um 1,9 Prozent auf 93,8 Millionen Euro. Hauptgrund dafür sind rückläufige Erlöse im Kerngeschäft durch sinkende Auflagen der Tageszeitungen in Deutschland. Diese sind zugleich Gesellschafter und Hauptkunden der dpa-Nachrichtendienste, deren Abo-Preis sich unter anderem nach der Auflage der jeweiligen Zeitung richtet. "Dieser Erlösausfall entspricht jährlich dem Verlust eines großen Kunden", sagte dpa-Geschäftsführer Malte von Trotha auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Hamburg. Hinzu komme, dass manche Medienkunden ihr Vertragsvolumen reduziert haben.

Doch dpa will gegensteuern, vor allem durch spezialisierte, teils technologisch basierte Informationsdienste, die sich nicht nur an Print- und Rundfunkhäuser richten, sondern auch an Unternehmen anderer Branchen. Beispiele sind das im Herbst 2007 gestartete Angebot "Regio Data" als kundenindividuelle Aufbereitung statistischer Daten sowie der Einstieg ins Geschäft mit Datenmanagement. Auch von der Zweitverwertung von Inhalten verspricht man sich viel - im Fotobereich erzielt dpa hiermit bereits mehr Umsatz als mit dem aktuellen Bilderdienst. Vor dem Hintergrund weltweit steigender Zeitungsauflagen vor allem in Asien will dpa auch das Auslandsgeschäft forcieren; bisher machen diese Umsätze nur rund 10 Prozent aus. In den nächsten Jahren soll der Auslandsumsatz um 50 Prozent steigen.

Als "ökonomischen und publizistischen Erfolg" bezeichnet von Trotha die ebenfalls 2007 gestarteten Kindernachrichten, die bereits 46 Zeitungen, rund ein Drittel der Verlage, abonniert hätten. "Mit hoher Wahrscheinlichkeit" werde man diesen Dienst auch für die arabische Welt anbieten. Sehr viel pessimistischer äußert er sich zum Thema Bewegtbild. Im Dezember 2007 hat dpa den auf ein Jahr ausgelegten Testbetrieb mit selbstproduzierten Online-Videos gestartet - mit "bisher enttäuschenden Ergebnissen", so von Trotha. Der Markt sei schwierig, es gebe mit AP und Reuters starke internationale Konkurrenten, zudem kursiere viel Gratis-Material auch im lokalen Bereich - und allen Anbietern fehle das Geschäftsmodell. Zu den Umtrieben der öffentlich-rechtlichen Sender mit Online-Videos äußert er sich nicht, denn ARD und ZDF sind Mitgesellschafter der dpa.
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