dapd versuchte ZDF unter Druck zu setzen

Montag, 08. Oktober 2012
Die Zukunft der Nachrichtenagentur ist noch ungeklärt
Die Zukunft der Nachrichtenagentur ist noch ungeklärt


Die Insolvenz der Nachtichtenagentur dapd hat selbst Insider überrascht. Der ehemalige ZDF-Intendant Dieter Stolte, der im Beirat der Nachrichtenagentur sitzt, erfuhr selbst erst kurz vor der Bekanntgabe von der Pleite. Derweil werden weitere Details zu den Geschäftspraktiken der Geschäftsführung bekannt. So hat dapd-Miteigner Martin Vorderwülbecke offenbar versucht, auf politischer Ebene Druck auf Kunden aufzubauen. Vorderwülbecke soll in Gesprächen mit dem ZDF mit einer Klage gedroht haben, berichtet "Der Spiegel" unter Berufung auf Senderkreise. Zudem habe sich der CSU-Politiker und frühere ZDF-Fernsehrat Wilfried Scharnagl in einem Brief an Intendant Thomas Bellut für eine höhere Vergütung für die Agentur eingesetzt. Scharnagl sitzt im Beirat von dapd. Das ZDF habe eine moderate Erhöhung angeboten haben, dapd soll jedoch eine Verdopplung des Honors gefordert haben. "Die Vorstellung von Herrn Vorderwülbecke über eine Steigerung der Vergütung war verblüffend hoch", zitiert der "Spiegel" Bellut. Der dapd-Mitinhaber hatte dem ZDF eine Mitschuld an der Pleite der Nachrichtenagentur gegeben.

Auch beim Bundesinnenministerium hat dapd versucht, mithilfe einer Klage einen Fuß in die Tür zu bekommen. Das Ministerium hat beim Konkurrenten dpa Satellitenkapazitäten angemietet, um im Falle einer Krise schnell die Bevölkerung informieren zu können. Die Vergabe erfolgte ohne Ausschreibung. Eine Klage von dapd gegen den Vertrag scheiterte allerdings vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Voderwülbecke hatte laut "Spiegel" auch direkt bei Innenminister Hans-Peter Friedrich interveniert, allerdings ohne Erfolg.

Danach sollen die Eigner überzeugt gewesen sein, am Markt keine Chance zu haben. Die Inhaber hätten angeblich noch einmal einen zweistelligen Millionenbetrag in die Agentur stecken müssen, waren dazu allerdings nicht bereit.

Ob die Agentur noch eine Zukunft hat, erscheint fraglich: Die Glaubwürdigkeit der Agentur sei "durch die Insolvenz angeschlagen", glaubt Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht. Man könne den Markt nicht ändern, sondern müsse ihn akzeptieren wie er ist. "Dasselbe wie dpa zu machen, nur billiger, geht nicht." dh
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