dapd meldet Insolvenz an

Dienstag, 02. Oktober 2012
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Die Nachrichtenagentur dapd ist zahlungsunfähig. Das Unternehmen hat heute für die Gesellschaften dapd Nachrichten und dapd Nachrichtenagentur Insolvenz angemeldet. Weitere sechs Gesellschaften sollen am 4. Oktober folgen. Für heute Abend wurde eine Betriebsversammlung einberufen. Die Agentur wird die Geschäfte während des Insolvenzverfahrens zunächst fortsetzen.
Von der Insolvenz betroffen sind die acht Berliner Gesellschaften der dapd-Gruppe. Weitere 18 Gesellschaften des unübersichtlichen Konstrukts sowie die dapd Media Holding sind von dem Verfahren nicht betroffen, teilt das Unternehmen mit.

Die Geschäftsführung der insolventen Gesellschaften übernimmt zunächst der Insolvenzverwalter Wolf von der Fecht. Inhaber und Geschäftsführer Martin Vorderwülbecke bleibt Geschäftsführer der nicht-insolventen Firmenteile und behält außerdem seine Funktionen auf Holdingebene. Der Chefredakteur und Geschäftsführer Cord Dreyer scheidet aus dem Unternehmen aus.

Die Nachricht von der Insolvenz der Nachrichtenagentur kommt überraschend. dapd war erst im September 2010 aus der Fusion des Deutschen Depeschendienstes ddp und dem deutschen Ableger der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press (AP) entstanden. Inhaber von dapd sind die beiden Finanzinvestoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw.

Die Agentur hatte in den vergangenen Jahren schnell expandiert. Nach der Fusion wurde 2011 ein eigener Sportdienst aufgebaut, im gleichen Jahr verleibte sich die Agentur den französischen Fotodienst Sipa Press ein. Noch zum 1. April 2012 hatte dapd die Bildagentur Picture Press von Gruner + Jahr erworben, erst vorige Woche gab das Unternehmen den Start der neuen Tochter Spot on News bekannt, die aktuelle Berichte aus dem Bereich People, Lifestyle und Entertainment liefert.

Mit seiner aggressiven Expansionsstrategie verzeichnen die Agentur schnell erste Erfolge und versetzte dem teilweise etwas behäbigen Konkurrenten dpa einige Nadelstiche: Erst im Mai stach dapd den Konkurrenten als Lieferant des Auswärtigen Amtes aus – eine Klage der dpa gegen die Entscheidung blieb erfolglos. Das Bundespresseamt hat den Etat der Agentur erst zu Jahresbeginn auf 1,6 Millionen Euro aufgestockt.

Wie viel die beiden Inhaber Vorderwühlbecke und Löw bislang in die Agentur investiert haben, ist nicht bekannt. Allein für die Übernahme der deutschen AP soll ein Millionenbetrag im mittleren zweistelligen Millionenbereich geflossen sein. Für 2011 meldete die Agentur einen Jahresumsatz in Höhe von 31,7 Millionen Euro. 2012 sollte der Umsatz auf 50 Millionen Euro steigen. Die Agentur sei profitabel und schuldenfrei, hieß es. Im kommenden Frühjahr wollte dapd den französischen Markt aufmischen. Dazu wird es nun wohl nicht mehr kommen.

Ob die insolventen Gesellschaften angesichts des tiefgreifenden Wandels der Medienlandschaft eine realistische Überlebenschance haben, ist fraglich. "Das neue Insolvenzrecht bietet Chancen, die wir gemeinsam nutzen werden, um für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter zukunftsfähige Lösungen zu finden", kommentiert der Inhaber Vorderwülbecke den Gang in die Insolvenz. dh
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