Zu national: Fritz Pleitgen kritisiert Tagesschau

Montag, 14. Mai 2012
Fritz Pleitgen war von 1995 bis 2007 WDR-Intendant
Fritz Pleitgen war von 1995 bis 2007 WDR-Intendant

Fritz Pleitgen blickt mit Sorge auf die Nachrichtensendungen im Ersten: Der ehemalige WDR-Intendant und ARD-Vorsitzende sagte gegenüber dem "Spiegel", dass die "Tagesschau" zwar "erstklassig gemacht", aber insgesamt zu kurz sei, um die Weltgeschehen angemessen abzubilden. Pleitgen befürchtet gar Auswirkungen auf das Denken der Zuschauer. Die Sendeanstalt weist die Krik zurück. Gelegentlich würden in der Nachrichtensendung "zweitklassige Ereignisse an erste Stelle" rücken, nur weil sie in Deutschland spielten. "Ich halte das für bedenklich" so Pleitgen. "Der Blick durch die nationale Brille fördert nationalistisches Denken. Deutschland als Nabel der Welt, das geht auf Dauer ins Grundwasser des politischen Bewusstseins." Der langjährige Chef der Sendeanstalt plädiert vielmehr für eine Sendung mit umfassenden Weltnachrichten. Das Korrespondentennetz dafür sei vorhanden.

Bei der ARD weist man Pleitgens Kritik zurück: "Zunächst einmal freut uns das Lob von Fritz Pleitgen, der findet, dass die Tagesschau ‚erstklassig gemacht‘ ist. Wenn ein Profi wie er aber auch Kritik übt, ist dies Grund genug, dem sorgfältig nachzugehen", sagt "Tagesschau"-Chefredakteur Kai Gniffke. "Unsere Prüfung hat ergeben, dass die Tagesschau allein in der vergangenen Woche 21 Beiträge aus dem Ausland und nur 16 Beiträge aus dem Inland gesendet hat. Das Inland war dabei sogar nur zweimal Aufmacher. Pleitgens Befund trifft glücklicherweise nicht zu." ire
Meist gelesen
stats