Zoff um satirischen Kirchen-Rap: Warum sich Carolin Kebekus mit dem WDR streitet

Mittwoch, 05. Juni 2013
-
-


Carolin Kebekus hat Ärger mit dem WDR: Eigentlich sollte die Comedienne eine nach ihr benannte Show-Reihe bei Einsfestival erhalten. Weil der Sender aber ein Satire-Video, in dem sich Kebekus als Nonne verkleidet über die katholische Kirche lustig macht, kurzfristig aus der Sendung nahm, beschwerte sich die freche Kölnerin - und in zwar in aller Öffentlichkeit, während ihres Auftritts bei Stefan Raabs "TV Total". Das wiederum nötigte den WDR zu einer Stellungnahme.
"Es wird bunt, es wird schnell, es wird schrill" - so kündigt der WDR die neue Sendung "Kebekus" auf den Internetseiten von Einsfestival an. Eines haben die Senderverantwortlichen vergessen, hinzuzufügen: "Es könnte unangenehm werden." Denn Carolin Kebekus ist nicht dafür bekannt, allzu zimperlich zu Werke zu gehen. Erst kürzlich legte sich die 33-jährige Kölnerin mit der katholischen Kirche an, als sie sich in einem Beitrag für die Satire-sendung "Heute-Show" auf einer Pressekonferenz der deutschen Bischöfe in Trier als Päpstin bewarb. Anschließend versuchte ein Kirchensprecher beim ZDF zu erwirken, dass die Szene nicht ausgestrahlt wird.

Diese Episode scheint Kebekus dazu animiert zu haben, erneut die katholische Kirche zur Zielscheibe ihres Spotts zu wählen. In einem Rap-Video mit dem Titel "Dunk dem Herrn", das eigentlich bei "Kebekus" ausgestrahlt werden sollte, gibt die Comedian ihre ganz eigene Sicht der Dinge ab: Auf die Melodie von Lana del Reys "Video Games" singt sie "Kirche ist für Ottos, was ist nur mit Gott los", leckt im Gewand einer Ordensschwester ein Kruzifix ab und verkleidet sich als Messdiener, dem vom Pfarrer ein Snickers zugesteckt wird - eine Anspielung auf die Fälle von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche.

Dem WDR war das offenbar zu heiß. Die Redaktion habe sich in der Endabnahme gegen eine Ausstrahlung des Videos entschieden, heißt es in einer Stellungnahme. Grund war die Befürchtung, die Szenen mit dem Kruzifix könnten religiöse Gefühle verletzen. Dies wiederum brachte Kebekus auf die Palme: Bei ihrem Auftritt bei "TV Total" am Dienstag sagte sie zu ihrer Sendung: "Brauchen Sie nicht gucken. Ist völlig verstümmelt. Ich möchte mich von der Sendung distanzieren." Außerdem kündigte sie an, dass es bei dieser einen Sendung bleiben werde. Direkt warf Kebekus dem WDR zwar keine Zensur vor, gegenüber "TV-Total"-Moderator Stefan Raab sagte sie aber als Verweis auf ihre Tour für ihre aktuelle CD: "Übermorgen bin ich in München, auch unzensiert."

Die Sendeanstalt sieht sich nichtsdestotrotz mit dem Vorwurf der Zensur konfrontiert und verschickte daher erneut eine Stellungnahme: Man bedauere die Äußerungen von Carolin Kebekus bei "TV total", heißt es darin. Und weiter: "Den Vorwurf der Zensur können wir so nicht akzeptieren. Der WDR steht für Liberalität und Toleranz. Das bedeutet auch, die religiösen Überzeugungen der Bevölkerung zu achten und die Verunglimpfung religiöser Symbole in seinen Sendungen nicht zuzulassen. Dazu gibt es klare Regelungen im WDR-Gesetz." Es gebe einen "erheblichen Unterschied zwischen Kritik an der Institution Kirche und der Verunglimpfung religiöser Symbole. Dies zu beachten, hat nichts damit zu tun, ob sich eine Sendung an ein jüngeres oder älteres Publikum richtet."

Und obwohl Kebekus bei Raab bereits das Ende ihrer Sendung ausrief, zeigt sich der WDR nach wie vor gesprächsbereit: "Wie eine Zusammenarbeit mit Carolin Kebekus in Zukunft aussehen kann, wird sich zeigen unsere Türen bleiben jedenfalls geöffnet." ire
Meist gelesen
stats