Zoff: Blogger Gutjahr vergleicht ARD-Chefin Piel mit Despoten in Arabien

Montag, 20. Juni 2011
Richard Gutjahr (m.) legte sich beim Medienforum mit Monika Piel an (Foto: Uwe Voelkner / FOX)
Richard Gutjahr (m.) legte sich beim Medienforum mit Monika Piel an (Foto: Uwe Voelkner / FOX)
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Der Auftakt des Medienforums NRW heute in Köln verlief wie das Wetter: stürmisch. Der Blogger und freie Journalist Richard Gutjahr hat offensiv die ARD und andere große Verbände  angegriffen: "Die Mächtigen in den Sendern und in den Verbänden, kommen mir so ein bisschen vor wie die Machthaber in den arabischen Ländern ", sagte er vor rund 400 Zuhörern im Staatenhaus.
Gutjahr bloggt unter Gutjahr.biz. Er ist aber zudem freier Mitarbeiter der Chefredaktion des Bayerischen Fernsehens, arbeitet als Reporter für die ARD und moderiert die Spätausgabe der "Rundschau". Auf Nachfrage von WDR-Intendantin Monika Piel, woher er das wisse, antwortete Gutjahr: "Ich arbeite für Sie". Piel reagierte entsetzt: "Das wir nordafrikanische Potentaten sind - sowas kann man als öffentlich-rechtlicher Journalist zum Beispiel nicht eben mal so eben flott im Internet von sich geben." 

Gutjahr kritisierte die Rückständigkeit der ARD in Sachen Social Media am Beispiel Fukushima: "Es reicht uns bei Twitter anzumelden, wenn ein Reaktor explodiert!". Die ARD habe mit den neuen Kommunikationsformen erheblichen Nachholbedarf. Als Beleg dafür wollte Gutjahr von Piel, RTL-Chefin Anke Schäferkordt und Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), die ebenfalls auf dem Podium saßen, wissen, wer von ihnen schon bei Twitter angemeldet sei. "Es geht hier nicht um uns als Privatpersonen. Es geht darum, was wir in den Sendern machen. Selbstverständlich benutzen wir auch im Sender Twitter", konterte Piel gereizt.

Die ARD-Vorsitzende und WDR-Intendantin hält für die ARD wenig von den Gepflogenheiten im Bloguniversum, Twitter und auf sozialen Plattformen. "Für uns als Sender gelten die Regeln, die auch sonst für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk gelten." Persönlichkeits- und Urheberrechte seien dort ebenso zu achten.

Auch Doetz hält Twitter für einen schlechten Indikator: "Das Vorurteil lautet, dass jeder, der nicht bei Facebook ist, eigentlich nicht kommunikationsfähig ist. Organisationen wie Re Publica halte ich fast für faschistoid, weil sie uns vorwerfen wollen, welchen Freiheitsbegriff wir anzuwenden haben." pap

(Zitate aktualisiert am 21. Juni. In der Erstmeldung wurden die Zitate ungenau wiedergegeben. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen)
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